

Eine idyllische Landschaft im Allgäu. Sanft- wellige, sattgrüne Wiesen, dunkle Moorflächen, umrahmt von zartgrünen Birkenwäldchen vor dem Panorama der Alpen. Inmitten einer weiten Wiesenlandschaft erhebt sich ein großer, kreisrunder Hügel, der von alten, knorrigen Bäumen gekrönt ist. Die Frühlingssonne dringt tief in das Wäldchen ein. Überall ist der Waldboden aufgewühlt, als hätten schwere Bulldozer hier die Erde aufgerissen. An mehreren Stellen gähnen große, dunkle Löcher zwischen den Baumwurzeln. Vor einem liegen Zähne, Knochen und Fellreste... Dies ist der Eingang zu einem Schloss. Seit unzähligen Generationen, vielleicht schon seit dieser Hügel bewaldet ist, residiert hier ein uraltes Geschlecht. Und alle Wiesen, Wälder und Moore in der Umgebung gehören zu seinem Besitz. Sein Familienwappen ist unverwechselbar: Schwarz-weiße Streifen. Es sind Dachse, die hier tief im Untergrund des Hügels ihren Stammsitz errichtet haben. Dachse sind bei uns nicht selten, aber von jeher scheu. Früher wurde auch mal ein Dachs geschossen, wenn er den Besitztümern von Bauern zu nahe kam. Heute lässt man die Stinker, so nennt man den Dachs auch, wegen seiner Abwehrstoffe, gewähren. Dachse haben eine Art Freibrief, denn sie sind possierlich, unauffällig und schaden dem Menschen nicht. Wenn es dunkel wird, unternehmen die erwachsenen Mitglieder des Dachs-Clans kilometerweite Ausflüge in die Umgebung, um nach etwas Fressbarem Ausschau zu halten. Wählerisch sind sie dabei nicht. Der Bauer, auf dessen Grund der Dachsbau liegt, weiß ein Lied davon zu singen: Schon so manches Huhn verschwand auf Nimmerwiedersehen. Doch er lässt die Tiere gewähren und ist sogar ein wenig stolz, Herr - wenn es auch nur den Grund und Boden betrifft - über einen der ältesten Dachsbaue der Gegend zu sein. Oder - sollte der Bauernhof mitsamt seinem lebenden Inventar nicht eigentlich zum Besitz der Dachse gerechnet werden?
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 08.07.2017 um 18:00 Uhr auf ARD alpha.