

"Wer die Reichskanzlei betritt, muss das Gefühl haben, vor den Herrn der Welt zu treten." Einzig diese Bestimmung hatte für Adolf Hitler der 1939 fertiggestellte erste "Bau des Großdeutschen Reiches". Architektur als Inszenierung einer unbarmherzigen, rücksichtslosen Macht. Ein Gebäude mit endlosen Gängen und riesigen Räumen. Ein Herrscher-Palast, den Hitlers Hausarchitekt Albert Speer seinem "Führer" maßgeschneidert hatte. Die Neue Reichskanzlei sollte eine Art Probelauf für Hitlers größenwahnsinnige "Welthauptstadt Germania" sein. Gebaut für die Ewigkeit, nach dem Ende der Naziherrschaft gesprengt, entsorgt, vergessen.
Bis auf wenige Hinweistafeln ist das ehemalige Machtzentrum des Nationalsozialismus heute fast gänzlich unkenntlich im Berliner Stadtbild. Wer es nicht weiß, wird kaum vermuten, dass sich hier in Berlin-Mitte, zwischen Holocaust-Mahnmal und Potsdamer Platz, inmitten von DDR-Plattenbauten, einst Hitlers Prunkbau und dessen Bunkersystem befand. Der sichtbare Ort des Ungeistes ist verschwunden. Ebenso auch die Nachkriegsgeschichte der Reichskanzlei: mehrfach von Stalins Geheimdienst durchgekämmt, "Fundort" von Hitlers Leiche, Touristenattraktion für die Alliierten, intensiver "Forschungsort" der DDR-Staatsicherheit nach dem Mauerbau, wiederentdeckte Terra incognita.
Mythos und Wahrheit des Bauwerks ziehen immer wieder Fachhistoriker und Spezialisten aller Art in ihren Bann, bieten interessante Einblicke und Diskussionsstoff.
Die Autoren der Dokumentation nähern sich aus unterschiedlichen Perspektiven und mit überraschenden filmischen Mitteln dem Ort und seiner Geschichte. Dazu gehören umfangreiches Filmarchivmaterial, detailgetreue 3D-Animationen und Entdeckungen in Moskauer Archiven.
Eine spannende Spurensuche in der Mitte Berlins, das, gerade an diesem Ort, wie keine andere Stadt von den Brüchen der deutschen Geschichte gezeichnet ist.
Film von Jürgen Ast und Kerstin Mauersberger
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 31.05.2017 um 08:15 Uhr auf Phoenix.