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Weltbilder

Das Auslandsmagazin
Donnerstag, 01.06.2017 01:45 Uhr
NDR
Donnerstag
01.06.2017
01:45 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild


* Indien: Pistolen-Oma ist Frauenvorbild

"Dadi" ist in Indien eigentlich so etwas wie die gute Oma, die sich um Haus und Hof kümmert. Ein Rollenbild, das "Shooter Dadi" - die Pistolen-Oma - deutlich erweitert hat: Wenn sie die Sportwaffe in die Hand nimmt, trifft die Oma häufiger ins Schwarze als alle anderen. Die 86-Jährige ist ein Sport-Star in Indien, hat in den vergangenen Jahren zig Medaillen und Pokale geschossen, und sie ist ein Vorbild für junge Frauen. Chandro Tomar, wie "Shooter Dadi" eigentlich heißt, hat aus ihrem Erfolg eine Idee gemacht, für einen Schießstand im Dorf gesorgt und fördert dort Nachwuchsschützen. Vor allem die Mädchen liegen ihr am Herzen. "Als Frau durfte man früher nicht mal sprechen. Wir mussten das Gesicht verdecken in der Öffentlichkeit. Frauen waren sehr schüchtern damals." Ein Frauenbild, das bis heute die indische Gesellschaft prägt. Am Schießstand ist "Shooter Dadi" für die Mädchen ein neues, inspirierendes Vorbild.

* Mexiko: Journalisten auf der Abschussliste

Die mexikanische Journalistin Miroslava Breach ist tot. Acht Schüsse treffen sie hinter dem Lenkrad ihres Wagens, eines ihrer Kinder wird Zeuge der brutalen Exekution. Der Mörder hinterlässt eine Notiz: "Dafür, dass Du so ein Großmaul warst." Breachs Themen: organisiertes Verbrechen und Korruption - in Mexiko lebensgefährlich für Journalisten. Allein dieses Jahr wurden sieben ermordet, und die Behörden klären kaum einen Fall auf. Hinzu kommen Hunderte weitere Angriffe auf Medienvertreter, die getreten, verprügelt und bedroht werden. Mexiko sei zu einem "Schlachthaus" geworden, schreiben Zeitungen. Schuld daran ist auch der Staat, sagt der Chef der Nationalen Menschenrechtskommission: "Wegen der Straflosigkeit, der fehlenden Schulung und der Trägheit der Behörden können Folter, Verschwindenlassen oder willkürliche Hinrichtungen fortbestehen."

* Senegal: Deutsche Rückkehrhilfe für Heimkehrer

Matar Fall kam als Migrant nach Deutschland, doch dann kehrte er freiwillig zurück in seine Heimat Senegal. Er wollte dort eine Wäscherei eröffnen und erhielt dafür auch Unterstützung, Geld aus Deutschland. Doch sein Projekt hat nicht funktioniert. So eine Rückkehrhilfe sei zwar an sich eine gute Idee, erzählt Matar Fall, jedoch nicht, wenn sie nur halbherzig betrieben werde. Dennoch will Matar im Senegal bleiben und sich nicht erneut auf den Weg nach Europa machen. "Freiwillige Ausreisen" werden von der Bundesregierung gefördert, meist mit einen Flugticket und einer finanziellen Starthilfe, um zurück in der Heimat nicht als Versager dazustehen, sondern um sich eine Existenz aufbauen zu können. Es gibt auch Beispiele von Senegalesen, bei denen der Start in ein neues Berufsleben zu Hause besser geglückt ist.

* Israel: Flucht aus ultra-orthodoxer Gemeinschaft

Männer in Schwarz mit Hüten, die heilige Schriften studieren. Frauen mit langen Röcken, die ihre Haare unter Perücken verstecken - ihre Aufgaben sind Hausarbeit und viele Kinder. Immer mehr jungen Menschen wollen raus aus den streng orthodoxen Gemeinschaften in Israel. Hillel ist eine Hilfsorganisation, die Menschen beim Aussteigen unterstützt: Mehr als 100 Ultra-Orthodoxe betreut Hillel nach eigenen Angaben jedes Jahr. Weil Sexualität ein großes Tabu ist, stehen die jungen Menschen oft orientierungslos im neuen Leben. "Ich weiß noch nicht, ob ich Männer oder Frauen liebe", erzählt ein Aussteiger. Der junge Mann wolle "noch ein bisschen ausprobieren". Weil romantische Liebe zwischen zwei Frauen im orthodoxen Judentum nicht lebbar ist, ist auch Batya ausgestiegen. "Ich fühlte mich, als wären da lauter Mauern um mich herum", sagt sie heute. In Israel ist Batya jetzt eine bekannte Aktivistin der schwul-lesbischen Bewegung. Die Mitarbeiter von Hillel waren auch für sie "Fluchthelfer" aus ihrem alten Leben.

* Syrien: Hoffnung auf Wiederaufbau in Aleppo

Aleppo ist das Sinnbild für den Syrien-Krieg: Sechs Jahre Raketen, Möser und Bomben haben die Stadt fast vollständig zerstört. Doch na
ch der Rückeroberung vom IS kommen immer mehr Bewohner und Händler zurück. Omar fegt den Schutt aus seinem ehemaligen Stoffladen: "Wir müssen hier noch Rollläden anbringen, auch die anderen Händler kommen bestimmt bald wieder." Kaum zu glauben, wenn man sich draußen in Omars Nachbarschaft umsieht, alle Gebäude hier
sind Kriegsruinen. Aleppo war einst die größte Handelsmetropole Syriens, die historische Altstadt ein Touristenmagnet. Der Wiederaufbau könnte Milliarden kosten, belastbare Schätzungen wagt bislang niemand. Dass nun einige Händler wieder ihren Geschäften in Aleppo nachgehen wollen,
mag inmitten von Ruinen absurd scheinen. Zugleich ist es aber ein Neuanfang, der Hoffnungen weckt.
Die Weltbilder blicken Woche für Woche bis zum Horizont und weiter. Sie erzählen die wichtigen Geschichten aus dem Ausland: bildstark und informativ. Julia-Niharika Sen zeigt zusammen mit den ARD-Korrespondenten weltweit den Alltag der Menschen im nahen und fernen Ausland: in packenden Reportagen, spannenden Geschichten und berührenden Porträts.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 01.06.2017 um 01:45 Uhr auf NDR.