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Kriegskinder

Vater muss jetzt an die Front (1/3)
Dienstag, 09.05.2017 22:05 Uhr
MDR
Dienstag
09.05.2017
22:05 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

"Kriegskinder" geht dem Schicksal einer ganzen Generation auf den Grund, die bislang kaum über ihre Erlebnisse gesprochen hat. Im Mittelpunkt der Filme stehen ausschließlich die Kriegskinder selbst, also jene, die aus eigenem Erleben darüber erzählen können, was mit und in ihnen geschah. Keine Draufsicht, sondern Innensicht, keine Analyse, sondern Erleben, keine Häppchen-Zitate, sondern Zuhören.
Ganz bewusst beschränkt sich die Reihe nicht ausschließlich auf das Schicksal der 15 Millionen deutschen Kinder, sondern geht auch den Geschichten der Jüngsten in den überfallenden und besetzten Ländern nach, insbesondere denen in Polen, Frankreich, England und in der Sowjetunion. Der internationale Blickwinkel ist neu und öffnet das Erzählspektrum und den Ereignishorizont auf diese ganze - europäische - Generation.
Für die Kinder in Deutschland ist der Krieg zu Anfang ein Abenteuer. Vom Einmarsch in Polen erfahren sie im heimischen Wohnzimmer aus dem Volksempfänger. "Wir waren die Guten und haben doch nur zurückgeschossen, so hat Hitler das gesagt, und so haben wir es auch geglaubt", berichtet Wolfgang Pickert (Jahrgang 1930). In der Schule ist von Siegen und Heldentaten der Soldaten zu hören. Auf der Landkarte markieren die kleinen Fähnchen ein immer größer werdendes Deutschland. Nur die Großeltern und Eltern sind, zur Überraschung der kleinen Pimpfe, manchmal weit weniger begeistert. Besonders dann, wenn der Einberufungsbefehl für den Vater ankommt. "Meine Mutter saß in der Küche und weinte verzweifelt", erinnert sich Karlheinz Radatz (Jahrgang 1933), "und ich hab immer ihr Knie gestreichelt und gar nicht verstanden, warum sie so traurig ist."
In Großbritannien erfahren gleich zu Beginn hunderttausende Kinder, was es bedeutet, in Kellern zu hocken und wehrlos den Bomben ausgeliefert zu sein. Die erste groß angelegte Evakuierung der gefährdeten Kinder aus den südenglischen Industriemetropolen in sichere ländliche Regionen beginnt schon im Herbst 1939 - und damit eine Trennung von den Eltern auf unbestimmte Zeit.
Für die Kinder in Polen und in Frankreich ist der Krieg von Anfang an verbunden mit Terror, Gewalt und Tod. Jan Kapinski, damals 12 Jahre alt, wird von seinen Eltern getrennt und landet mutterseelenallein im Ghetto von Krakau. Stephanie Santamaria aus dem französischen Abbevillle verliert bei einem Bombenangriff ihre Mutter und ihren linken Arm.
Die Kinder in Stuttgart und Leipzig aber fiebern nach wie vor jeden Sonntag mit der Wochenschau im Kino mit, plappern von "Lebensraum" und "Untermenschen", singen "Bomben auf Engeland".
Film von Martin Hübner

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 09.05.2017 um 22:05 Uhr auf MDR.