Wieder mehr Flüchtlinge
Und wieder planlose Politik
Die gefährliche Mittelmeerroute über Libyen nach Italien wird für immer mehr Flüchtlinge zur einzigen Hoffnung auf eine Zukunft in Europa. Nach Angaben der europäischen Grenzschutzagentur Frontex haben seit Beginn dieses Jahres mehr als 43 000 Menschen Italien über das Mittelmeer erreicht. Das ist ein Anstieg von rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die meisten stammen aus Guinea, Bangladesch und Nigeria.
Doch häufig erreichen die überfüllten Schlauchboote der Schlepper nicht mal die sogenannte Zwölf-Meilen-Zone vor Italien. Hilfsorganisationen und die italienische Küstenwache sind pausenlos im Einsatz. Trotzdem sind allein in diesem Jahr laut UNHCR bereits etwa 2000 Menschen ertrunken, viele Frauen und Kinder. Und auch die Menschen, die in Libyens Lagern auf die Flucht übers Mittelmeer warten, erleben ein Martyrium. Sie werden oft eingesperrt, misshandelt, ausgebeutet und ermordet, berichten Menschenrechtler. Einen "Marktplatz für den Handel mit Menschen" nennt dies der Internationale Strafgerichtshof und prüft mögliche Ermittlungen zu Verbrechen gegenüber Flüchtlingen. Ausgerechnet Libyen soll nun auf europäischer Ebene aufgerüstet werden, um die Flüchtlinge von der gefährlichen Überfahrt mit Schlauchbooten abzuhalten.
"Frontal 21" sprach mit Helfern vor Ort: Ärzten, die in Libyen Menschen behandelt und die Zustände selbst gesehen haben, Notfallrettung auf See leisten und in den Zentren Siziliens die Menschen versorgen.
Geschlagene Genossen
Das Wahldebakel der SPD
Mit der Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2017 schien die Wende für die SPD vollbracht: Die Umfrage-Ergebnisse schnellten in die Höhe, die Partei verzeichnete einen Rekordzuwachs bei den Mitgliedern. Von Wechselstimmung war die Rede, vom Ende der Ära Merkel. Doch nachdem die SPD nun drei Landtagswahlen in Folge verloren hat, ist Kandidat Schulz tief gefallen. Auch die Grünen, ihr Wunschpartner in Düsseldorf und Berlin, haben in Nordrhein-Westfalen ihr Ergebnis fast halbiert.
"Frontal 21" sucht nach den Ursachen, warum der Schulz-Effekt zum Defekt wurde, und geht der Frage nach, ob die Rede von der sozialen Gerechtigkeit einfach als leere Blase zerplatzt.
Wie Berufsbetreuer abkassieren
Entrechtet und entmündigt
Es ist eine Situation, die jeden treffen kann: ein tragischer Unfall, eine unerwartete Krankheit, Demenz im fortgeschrittenen Alter – und schon kann man sich nicht mehr selbst oder nur noch teilweise um die Dinge es täglichen Lebens kümmern. Jemand anders muss die täglichen Belange übernehmen: Überweisungen tätigen, mit Ämtern kommunizieren, wichtige persönliche Entscheidungen treffen. In Deutschland stehen derzeit rund 1,3 Millionen Menschen, die es wegen körperlichen, seelischen oder geistigen Erkrankungen nicht mehr schaffen, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln, unter rechtlicher Betreuung, Tendenz steigend. Die meisten Betreuer gehen verantwortungsvoll mit ihrer Aufgabe um - zum Wohle der Betreuten. Doch mitunter bestimmen Betreuer, die den kranken, behinderten oder alten Menschen völlig fremd sind, über Wohnort, Vermögen, ärztliche Versorgung – einfach alles. Mitunter gibt es Angehörige, die mitreden und mitentscheiden möchten, aber nicht dürfen. Und so müssen sie machtlos mitansehen, wie die Familie zerstört wird und das Erbe.
Fragwürdige Wahlwerbung
Das diskrete Helfernetzwerk der AfD
Die AfD hat es in Nordrhein-Westfalen in den Landtag geschafft. Mehr als sieben Prozent der Wähler machten ihr Kreuz bei der selbsternannten Alternative für Deutschland. Mit Plakaten wie "Mehr Sicherheit für unsere Frauen und Töchter" und "Wählt AfD" wurde um Stimmen geworben. Doch die Plakate und millionenfach verteilte Wahlwerbung stammten gar nicht von der AfD, sondern vom "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten". Dessen Geldgeber sind unbekannt. Parteien aber müssen offenlegen, wer sie finanziert. Heimliche Unterstützung ist verboten. Wie nah steht die AfD dem Verein, der sie im Wahlkampf unterstützt hat? Wer sind die Hintermänner?
"Frontal 21" über ein diskretes Netzwerk der europäischen Rechten, von dem die AfD profitiert.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 17.05.2017 um 03:35 Uhr auf ZDF.