Im Sommer 1941 hatte das NS-Regime den Völkermord an den Juden beschlossen, über Hunderttausende Juden aus Europa wurden systematisch in die dafür errichteten Vernichtungslager deportiert und grauenhaft ermordet. Mit dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg begann die deutsche Herrschaft in Europa weiter zu bröckeln, bis durch die Kapitulation am 08. Mai 1945 eines der größten menschlichen Verbrechen der Geschichte mit fast 60 Millionen Toten schließlich ein Ende fand. Die Dokureihe beschäftigt sich mit dem beispiellos zugeführtem Leid an Millionen von Menschen durch Nazi-Deutschland.
* ca. 00.00 Uhr: Zweiter Weltkrieg - Das erste Opfer
Film von Peter Hartl
Als "Blitzkrieg" blieb der deutsche Angriff weithin im Gedächtnis. Doch als der "Feldzug" im Herbst 1939 nach sechs Wochen beendet war, fing für die meisten Polen der Krieg im Krieg an. Viele wurden ermordet, weil sie Juden waren oder der heimischen Führungsschicht angehörten; verschleppt, weil sie Platz für deutsche Neusiedler schaffen sollten; zu Zwangsarbeit versklavt, um den größtmöglichen Ertrag aus dem unterworfenen Kolonialgebiet zu schöpfen.
Keine Statistik oder historische Chronik vermag eine so beklemmende Anschauung dieser Besatzungszeit zu geben wie die Berichte der unmittelbar Beteiligten auf beiden Seiten. Es sind Schicksale, wie Millionen sie erfuhren, und zugleich sind sie besonders, einzigartig, eindringlich. Spielfilmregisseur Roman Polanski erzählt im Interview für diesen Film wie er, der damals knapp zehnjährige Raymond Liebling, im ummauerten jüdischen Wohnbezirk von Krakau Tag für Tag mit Tod und Terror konfrontiert war. Seine Mutter musste Zwangsarbeit auf der Wawel-Burg leisten, wo als deutscher "Generalgouverneur" Hans Frank residierte. Dessen jüngster Sohn Niklas schildert, wie sein Vater von der Burg herab das Besatzungsgebiet unterjochte, während sich seine Mutter in Begleitung ihres Jungen im jüdischen Ghetto von Krakau günstig mit Pelzen versorgte.
In Danzig, wo der Krieg seinen Ausgang nahm, verlor die damals 16-jährige Budzimira Wojtalewicz bereits am ersten Tag ihren Vater, dessen polnischer Patriotismus für ihn das Todesurteil bedeutete und wenig später auch ihr Zuhause. Vom zwangsgeräumten Wohnraum im Besatzungsgebiet profitierten auch Neusiedler wie die Familie von Gustav Hintz. "Wir fühlten uns als Übermenschen und die Polen waren zu minderwertigen Tätigkeiten da", erkannte der Bauernsohn bereits als Kind. Marian Sobkowiak, der, als polnischer Widerständler verraten, die Hölle von Folter und Haft durchleben musste, setzt sich heute für Versöhnung zwischen den Nachbarländern ein. Als Verfolgter hatte er erfahren, dass unter den Deutschen auch Regimegegner waren, die ihm das Leben retteten.
* ca. 00.45 Uhr: Zweiter Weltkrieg - Der erste Tag
Film von Christian Frey
"Mein Vater glaubte, dass Warschau am sichersten für uns wäre und hatte meine Mutter, meine Schwester und mich dort hingeschickt", erinnert sich Roman Polanski. Ein tragischer Irrtum, denn von Beginn des Krieges an bombardierte die deutsche Luftwaffe die polnische Hauptstadt. Eine Zeit der Angst begann. "Ich durfte nie meine Schuhe ausziehen, musste sogar in ihnen schlafen, damit wir möglichst schnell zum nächsten Luftschutzkeller flüchten konnten."
Erinnerungen polnischer und deutscher Zeitzeugen machen den Film zu einem beklemmenden Dokument, das den Sturz in einen Abgrund der Zerstörung und Verluste vor Augen führt. Mit bislang noch nicht gezeigten Archivaufnahmen widmet sich die Dokumentation dem 1. September 1939 und seiner Vorgeschichte. Sie begann mit Erpressung: Hitler hatte stets mit Einmarsch oder Krieg gedroht, um seine Forderungen durchzusetzen. So hatte er 1938 Österreich an das Deutsche Reich "angeschlossen", schließlich das Sudetenland und dann die sogenannte "Rest-Tschechei" besetzt. Die Westmächte Frankreich und Großbritannien ließen es - wenn auch widerwillig - geschehen. Sie hofften, so den großen Krieg in Europa zu vermeiden. Doch am 1. September 1939 war endgültig klar: Diese Politik der Beschwichtigung, des "Appeasement", war eine Illusion.
Militärisch war Hitlers Feldzug bereits Ende September 1939 entschieden. Von den Bündnispartnern im Stich gelassen, musste sich die polnische Armee, die sich bis zuletzt in der Hoffnung militärischer Überlegenheit gewiegt hatte, den Invasoren aus dem Westen und den sowjetischen Truppen, die vom 17. September an von Osten ins Land einfielen, ergeben und ihren Widerstand in den Untergrund verlagern. Fünfeinhalb Jahre sollte es dauern, bis die deutsche Besatzungsmacht nach unbeschreiblichen Verbrechen das Land wieder verlassen musste.
* ca. 01.30 Uhr: Die letzten Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs
75 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs steckt seine Geschichte noch immer voller Rätsel und gibt Anlass zu Spekulationen: Verhandelten Deutsche und Russen 1943 ernsthaft über einen Separatfrieden, wie manche vermuten? Warum stoppte Hitler die Wehrmacht vor Dünkirchen und ließ die schon geschlagenen Briten entkommen? Versenkte die SS bei Kriegsende riesige Mengen Gold in einem Alpensee? Half die italienische Regierung bei der Befreiung Mussolinis insgeheim tatkräftig mit? ZDF-History gibt Antworten auf spannende Fragen, die bis heute Historiker und Diskussionsforen ins Grübeln bringen.
* ca. 02.15 Uhr: Über Leben in Auschwitz
Film von Jürgen Ast und Rolf Bergmann
Die Dokumentation basiert auf Berichten von sechs Überlebenden, die vom Leben und Sterben in Auschwitz-Birkenau berichten. Außerdem berichten sie von der Entmenschlichung durch die KZ-Wärter und die Zustände, von Lebenswillen und Todesangst, von Kälte, Hunger und eigener Verrohung - vom Auschwitz-Alltag.
Auschwitz ist zu einer Chiffre geworden für millionenfachen Mord. Menschenmord nicht nur im "industriellen" Maßstab, sondern auch mit industriellen Mitteln - in Todesfabriken der Nationalsozialisten.
Auschwitz ist eine solche Todesfabrik, ein Vernichtungslager. Was hier geschah, ist nicht greifbar und nicht begreifbar. Wie kann man eine Geschichte erzählen, die man nicht erzählen kann, die man aber erzählen muss?" So hat Elie Wiesel, Auschwitz- Überlebender und späterer Friedensnobel-Preisträger, ein Problem, das daraus folgt, formuliert.
Die Ratlosigkeit bleibt auch nach 60 Jahren bei denen, die sich dem Thema annähern.
Die Erzählungen werden ergänzt durch Reflexionen über das Leben in Konzentrations- und Vernichtungslagern - in Auschwitz und anderswo; Reflexionen von Menschen, die ihre Lagererfahrung schriftstellerisch "verarbeitet" haben - von Paul Celan bis Imre Kertesz.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 09.04.2017 um 00:00 Uhr auf Phoenix.