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Mare TV

Island am Polarkreis
Mittwoch, 18.01.2017 16:15 Uhr
arte
Mittwoch
18.01.2017
16:15 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Die Isländer leben wie auf einem Pulverfass: Regelmäßig bebt der Boden, heiße Lava strömt aus und Aschewolken legen das Leben lahm. Aber die Menschen auf der größten Vulkaninsel der Welt gehen äußerst entspannt damit um. Sie machen sich die energiegeladene Natur bestens zunutze. Brot aus dem Vulkanbackofen, schmackhafte Möweneier, beheizte Freiluftswimmingpools für alle, Strom zum Nulltarif und fröhliche Fischerkinder, die auch im eiskalten Hafenbecken stundenlang planschen.
"mareTV" erzählt Geschichten aus Islands Norden, wo die Fjorde lang und einsam sind und wo gleich vor der Küste das Polarmeer beginnt.
Mitten im Skagafjörður, einem der größten Fjorde der Region, liegt die Insel Drangey, ein steiler, schroffer Felsen, der Brutplatz von Möwen und Papageientauchern ist. In harten Jahren waren die Eier der Vögel für die Bewohner des Fjordes oft die letzte Rettung, um Hunger zu stillen. Auch heute noch machen sich die Eriksons auf zum "Eierklau", ein großes, nicht ganz ungefährliches Familienabenteuer auf der Felseninsel.
Weiter im Nordosten von Island, in Mývatn, verwandeln heiße Quellen und Schwefeldämpfe die Landschaft in eine brodelnde Hexenküche. Dagny Hallgrimsdottir hat hier schon als kleines Mädchen gespielt. Jetzt macht sie sich jeden Morgen auf den Weg dorthin, um Brot in der heißen Erde zu backen. Das macht sie nach einer uralten Methode, simpel, aber wirkungsvoll: Dagny hat alte Waschmaschinentrommeln in den Boden eingegraben, dann kommt ein Deckel darauf und fertig ist der Erdofen mit 100 Grad heißem Dampf. So backt sie ein ganz spezielles Brot, mit dem sie ihr kleines Café in ganz Island bekannt gemacht hat.
Vor 100 Jahren löste die Heringsfischerei im Norden einen regelrechten Rausch bei den Fischern aus: "Das Silber des Meeres ist Islands Gold", hieß es damals. Heute sind die großen Heringsschwärme längst nicht mehr vorhanden. Fischer wie Sigurdur Oddsson gehen auf Kabeljau- und Schellfischfang. Sigurdur fischt mit so genannten Longlines, 500 Meter langen Köderschnüren. Er findet das Fischen mit der langen Leine fair. "Bei mir haben die Fische die Wahl. Es zwingt sie ja niemand, den Köder zu fressen!". Das Kilo Fisch bringt Sigurdur rund 1,50 Euro, aber nach Abzug der Kosten für Kutter, Diesel und Kühlhausgebühren bleibt gerade mal die Hälfte davon für ihn übrig. In der Fangsaison arbeitet Sigurdur fast Tag und Nacht, denn er muss das Geld für das ganze Jahr verdienen.
Heimir Hardarson hat andere Sorgen. Er kämpft gegen das Abwracken alter Holzboote. Sein neuestes Restaurationsprojekt ist der Kutter "Bjössi Sör", Baujahr 1975, solide Eiche, eines der letzten in Island aus Holz gefertigten Exemplare. Sechs Monate lang hat er an dem Kutter gewerkelt, den Motor komplett auseinander genommen und dem Schiff einen neuen Anstrich verpasst. Jetzt ist endlich der Tag des Stapellaufs gekommen. Für die "Bjössi Sör" der zweite Geburtstag.
Dokumentationsreihe Deutschland 2011

Regie: Till Lehmann\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 18.01.2017 um 16:15 Uhr auf arte.