"Die rechte Socke sitzt noch nicht richtig!" "Die Nase juckt." "Den Strohhalm für den Kaffee bitte!" Solche Aufforderungen hört Christoph tagaus tagein. Und tagaus tagein geht er auf die Wünsche ein. Christoph Massow aus Jena ist Mitte zwanzig. Er lernte Heilerziehungspfleger, wurde in einem ambulanten Dienst stellvertretender Leiter, litt unter der Pflege im Minutentakt und beschloss: Ich werde Persönlicher Assistent. "Sich zurück zu halten, sich überhaupt nicht einzumischen und wirklich nur Muskelkraftersatz zu sein - das fällt schon manchmal extrem schwer...", meint er. "Aber es ist die beste Art der Betreuung, die ich mir vorstellen kann."
Als "Mädchen für alles" erledigt er das, was der Mensch normalerweise selbst machen würde, wenn er könnte und nicht Gefangener in seinem Körper wäre. Seit Anfang 2008 besteht in Deutschland ein Rechtsanspruch auf ein "persönliche Budget", mit dem ein Mensch mit Behinderung selbst über einen bestimmten Betrag verfügen kann. In Modellprojekten entstanden die sogenannten "Persönlichen Assistenten", die rund um die Uhr für Menschen mit schwersten körperlichen Einschränkungen den Ersatz der eigenen Muskelkraft bieten.
Doch auch wenn der Rechtsanspruch besteht, ist es nicht einfach, einen Persönlichen Assistenten finanziert zu bekommen. Während in der einen Stadt die Sozialämter großzügig das Geld bewilligen, türmen sich bei der nächsten Gemeinde die Schwierigkeiten. Die Wege sind lang, oft geht es nicht ohne Gerichte. Christoph Massow kämpft für jeden, der sich an ihn wendet. Zum Beispiel Jacky, der Musiker, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt nicht mehr Herr seiner Glieder ist. Oder Kathrin, die seit ihrer Geburt an einer Muskelerkrankung leidet und deren Mutter bisher die Betreuung übernahm. Jetzt ist die Mutter 83. Ein Persönlicher Assistent würde Kathrin vor dem Heim bewahren. Jeder hat ein Recht auf ein Leben in den eigenen vier Wänden - dafür setzt sich Christoph ein. Er gründete in Jena den Verein "Pro_Assistenz", mit inzwischen 11 Mitarbeitern. Viele sind Quereinsteiger. Empathie müssen sie mitbringen, kein Fachwissen, meint Christoph, das kann man sich aneignen. Doch einem Menschen nahe sein, sein "zweites Ich" werden - dafür muss man schon ein besonderer Mensch sein.
Film von Heike Bittner
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 15.01.2017 um 17:00 Uhr auf ARD alpha.