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Ein blinder Held - Die Liebe des Otto Weidt

Dokudrama von Kai Christiansen
Donnerstag, 15.12.2016 23:45 Uhr
HR
Donnerstag
15.12.2016
23:45 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Die Werkstatt des Bürstenherstellers Otto Weidt gilt 1941 bei den Berliner Juden als gute Adresse. Weidts irritierend enge Kontakte zur Gestapo, begleitet von regelmäßigen Bestechungen, bieten ihm den Spielraum, seine überwiegend blinden jüdischen Angestellten vor den alltäglichen Herabwürdigungen zu schützen. Zu den wenigen Nicht-Blinden in der Werkstatt zählt Alice Licht, eine hübsche junge Frau aus gutbürgerlichem Haus. Mit Witz, Charme und Organisationstalent wird sie bald zu Ottos rechter Hand. Die beiden verbindet mehr, als eine reine Arbeitsbeziehung und mehr als nur Freundschaft. Otto ist verheiratet, kein Jude, Ende 50 und fast blind; Alice ist Jüdin und 40 Jahre jünger. Sie bewundert ihn. Für Otto ist Alice die Verheißung auf ein Leben, das er gern geführt hätte. Aber die Schlinge um die Werkstatt zieht sich zu.
Trotz regelmäßiger "Besuche" der Gestapo scheint zunächst alles gut zu gehen. Nachdem seine jüdischen Mitarbeiter auf einen Schlag abgeholt wurden, schafft es Otto Weidt noch, sie aus dem nahen Sammellager der Gestapo wieder herauszuholen. In aller Heimlichkeit beginnt er nun mit der Vorbereitung von Verstecken. Als die massenhaften Deportationen beginnen, sind Weidts Angestellte untergetaucht. Doch in einem Moment der Vertrauensseligkeit werden die Verstecke an einen "Greifer" verraten. Weidt ereicht es noch, dass Alice und ihre Eltern zunächst "nur" nach Theresienstadt kommen, aber dann trifft eine Postkarte von Alice ein, in der sie verklausuliert von ihrer Verlegung nach Auschwitz berichtet. Otto Weidt zögert nicht lange und macht sich auf den Weg, um sie zu retten. Über einen Hilfsarbeiter gelingt es ihm, den Kontakt zu Alice herzustellen, die mittlerweile als KZ-Häftling in einer Munitionsfabrik arbeitet. Er versteckt Kleidung und Geld für den Fall ihrer Flucht. Im Januar 1945 schafft Alice den Weg zurück nach Berlin, wo Otto und seine Frau sie bis nach Kriegsende verstecken.
Aber Alice kann und will nicht bleiben. Sie erhält die Einreisegenehmigung in die USA und verlässt Berlin. Otto bleibt zurück, zwei Jahre später stirbt er. An sein Wirken erinnert heute nur noch das "Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt" in Berlin-Mitte und die israelische Ehrung als "Gerechter unter den Völkern".
Die Geschichte (mit Edgar Selge und Henriette Confurius in den Hauptrollen) wird auf bewegende Weise von der 91-jährigen Inge Deutschkron erzählt, der einzigen noch lebenden ehemaligen Angestellten des Otto Weidt. Das preisgekrönte Dokumentarspiel ist seit kurzem Bestandteil des Yad Vashem Visual Center, der führenden internationalen Filmbibliothek zum Thema Holocaust.

Otto Weidt: Edgar Selge\nAlice Licht: Henriette Confurius\nInge Deutschkron: Julia Goldberg\nElse Weidt: Heike Hanold-Lynch\nRosa Katz: Katrin Pollitt\nChaim Horn: Fabian Busch\nWerner Basch: Rainer Frank\nFranz-Wilhelm Heintze: Uwe Bohm\nZimmerwirtin: Isabelle Barth\nElektriker: Axel Gottschick\nRegie: Kai Christiansen\nDrehbuch: Heike Brückner von Grumbkow, Jochen von Grumbkow\nInterview mit Inge Deutschkron: Sandra Maischberger\nKamera: Jan Kerhart\nTon: Corinna Zink, Robert F. Kellner\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 15.12.2016 um 23:45 Uhr auf HR.