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Geheimnisvolle Orte

Oberschöneweide - Chicago an der Spree - ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“
Dienstag, 01.11.2016 20:15 Uhr
RBB
Dienstag
01.11.2016
20:15 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Oberschöneweide hatte zu Zeiten der DDR keinen guten Ruf. Das Areal stand für Schmutz und Dreck. Der Berliner kalauerte den Ort schon früh zu „Schweineöde“. Und doch wurde hier deutsche Industriegeschichte geschrieben. Als der Industriepionier Emil Rathenau für die expandierende AEG neue Produktionsflächen sucht, stößt er auf die noch unbebauten Spreewiesen im Südosten Berlins. 1897 entsteht dort eines der ersten Drehstromkraftwerke Deutschlands. Kurz danach beginnt das Kabelwerk Oberspree zu produzieren. Innerhalb weniger Jahre entsteht eines der größten zusammenhängenden Industrieareale Europas mit etwa 25 kleinen und großen Werken. Oberschöneweide wird zum boomenden Stadtquartier, zum „Chicago Berlins“, wie es damals hieß. Die Massenproduktion nach amerikanischem Vorbild zieht in Berlin ein und macht die Stadt zur aufstrebenden Industriemetropole Europas. Emil Rathenau entwickelt die AEG in wenigen Jahren zu einem Weltkonzern.
Oberschöneweide bündelt wie in einem Brennglas die jüngere deutsche Zeitgeschichte: Der Pioniergeist am Anfang des 20. Jahrhunderts, Rüstungsproduktion und massenhafter Einsatz von Zwangsarbeitern zur Zeit des Nationalsozialismus. Nach dem Krieg Enteignung und Demontagen. Die großen Betriebe, wie das Kabel- und Transformatorenwerk werden sowjetische Aktiengesellschaften, die als Reparationsleistung für die Sieger des Krieges produzieren. Als Volkseigene Betriebe können sie an die Innovationskraft der AEG nicht anknüpfen, dennoch produzieren sie auch für den Export und bemühen sich in den Grenzen der Planwirtschaft um Qualität. Die Wende erleben die Arbeiter von Oberschöneweide als ein Wechselbad zwischen Hoffnung und Resignation. Ein Betrieb nach dem anderen schließt. Als es 2006 gelingt, die Hochschule für Wirtschaft und Technik auf dem Gelände des ehemaligen Kabelwerkes anzusiedeln, bekommt das Areal einen Impuls für die weitere Entwicklung. Inzwischen hat sogar der kanadische Rocksänger Bryan Adams eine der Industriehallen gekauft, um dort Ateliers einzurichten und einen Ausstellungsort. Die große weite Welt interessiert sich wieder für das Industrieareal Oberschöneweide.
Film von Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich

* ARD-Themenwoche 2016: "Zukunft der Arbeit"

"Zukunft der Arbeit" ist der Titel der ARD-Themenwoche 2016, die in diesem Jahr vom Hessischen Rundfunks (hr), vom Saarländischen Rundfunk (SR) und von Radio Bremen verantwortet wird. Eine Woche lang, vom Sonntag, 30. Oktober, bis Samstag, 5. November, beleuchten Sendungen im Ersten, in allen dritten Programmen und in den Partnerprogrammen der ARD, im Radio und im Internet die unterschiedlichen Facetten der digitalen Arbeitswelt und wie sich die Menschen heute und morgen über ihre berufliche Tätigkeit definieren.
Wer sind die Gewinner und Verlierer?
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Zukunft der Arbeit hat längst begonnen. Digitalisierung und Globalisierung schreiten unaufhaltsam voran. Die klassische Erwerbsarbeit des Industriezeitalters verliert an Bedeutung. "Industrie 4.0", "Sharing-Ökonomie" oder "Cloud-Working" heißen die Schlagworte. Das "Internet der Dinge" wird schon bald Produkte aus dem 3D-Drucker möglich machen, individueller und billiger als heute. Software wird Sachbearbeiter in den Büros ersetzen, Automaten werden sich selbst optimieren. Neue Plattformen und Netzwerke machen bereits jetzt jeden Autobesitzer potentiell zum Billig-Taxi-Anbieter und jeden Wohnungsbesitzer zum Vermieter von Gästezimmern. Aber wer sind bei all diesen Veränderungen eigentlich Gewinner und Verlierer?
Der Stellenwert von Arbeit
Und wie verändern sich der gesellschaftliche und der persönliche Stellenwert von Arbeit? Arbeit wird mit Geld entlohnt. Doch entspricht der Lohn auch der Leistung? Das monatliche Einkommen eines Bankers ist weit höher als das einer Altenpflegerin, ein Immobilienmakler verdient mehr als ein Konditor, eine Hausfrau bekommt gar keinen Lohn. Andere wiederum vermehren ihr Vermögen, ohne dafür zu arbeiten. Immer häufiger wird gefragt: Ist das gerecht? Wer und was bestimmen eigentlich heute und in Zukunft den Wert der Arbeit in unserer Gesellschaft?
Die ARD-Themenwoche 2016 beschreibt die "Zukunft der Arbeit" nicht als technologische Vision, sondern stets mit dem Blick auf den Wert der eigenen Arbeit: Welchen Stellenwert hat meine Arbeit? Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Wie verdiene ich morgen mein Geld? Was müssen unsere Kinder heute lernen, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu bestehen? Wer sorgt dafür, dass unsere Arbeitsgesellschaft nicht auseinanderfällt?
Diesen Fragen gehen die Programme der ARD eine Woche lang aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach - in Spielfilmen und Fernseh-Dokumentationen, in aktuellen Radioprogrammen und in Ratgeber-Sendungen und mit einem umfangreichen Dossier im Netz.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 01.11.2016 um 20:15 Uhr auf RBB.