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Historische Ereignisse

Good Bye DDR
Sonntag, 02.10.2016 14:00 Uhr
Phoenix
Sonntag
02.10.2016
14:00 Uhr
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Es war ein Glanzpunkt der deutschen Geschichte. 70.000 Menschen demonstrierten am 9. Oktober 1989 auf dem Ring von Leipzig für die Freiheit. Jene Demonstrierenden der ersten Stunde, die "Wir sind das Volk" gerufen haben, wollten freilich erst mal nicht die deutsche Einheit, sondern eine bessere DDR. Die Kräfte aber, die ihr Mut entfesselt hatte, waren schließlich stärker als sie selbst. Und dennoch haben sie Erstaunliches vollbracht: Das scheinbar angepasste Volk der DDR kam aus den Nischen und machte Revolution - die erste deutsche Revolution, die glückte und die glücklich endete. Garaus für den vielzitierten Lenin-Spruch: "Wenn die Deutschen auf dem Bahnhof eine Revolution machen wollen, kaufen sie sich vorher eine Bahnsteigkarte."
Sechzehn Jahre nach der Wiedervereinigung ist die DDR wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. "Ostalgie"-Shows haben sich, zum Teil affirmativ, den Lebensbedingungen im zweiten deutschen Staat gewidmet. Der komplexen historischen Realität sind diese Sendungen nicht immer gerecht geworden. Umfragen haben ergeben, dass die heutige Schülergeneration nur noch wenig über die DDR weiß. In Magdeburg etwa konnte nur noch eine Minderheit befragter Gymnasiasten sagen, wann die Mauer gebaut wurde, viele von ihnen hielten Siegmund Jähn für einen Fußballer und vermuteten Schwerin im Westen. Vor allem der Alltag in der DDR ist vielen fremd. Wer wissen will, wie man gelebt, geliebt und überlebt hat in der DDR, muss deren Widerspruch erfassen.
Die Dokumentarreihe "Goodbye DDR" schildert in vier Folgen DDR-Geschichte von der Staatsgründung 1949 bis zum Mauerfall 1989: die ausgeprägte Solidarität der Menschen ebenso wie die Terrorpraktiken der Stasi; Stolz auf sportliche Glanzleistungen und Frust wegen der katastrophalen Wirtschaftslage; anpassungsfähigen Pragmatismus ebenso wie bitter enttäuschten Idealismus. Anhand der Biographien von Walter Ulbricht, Erich Mielke, Katarina Witt und Erich Honecker bietet die Serie ein differenziertes Bild der Lebenswirklichkeit im "anderen Deutschland". Dazu ergänzt eine ganze Reihe unbekannter Einzelschicksale das Gesamtbild - Geschichten von Mauerflüchtlingen und Grenzsoldaten, von Dissidenten und Bürokraten, von gebrochenen Rebellen bis hin zum ganz normalen Dasein in der "Nische".
In vier Folgen entsteht eine ebenso spannende wie erhellende Geschichte der DDR - mit viel Zeitgeist, historischer Analyse und bewegenden Schicksalen.
Darin die Dokumentationen:

* "Good Bye DDR (1/4) - Ulbricht und der Anfang"

Film von Peter Hartl und Henry Köhler
Wie kein anderer prägte er die DDR. Walter Ulbricht war einer der dienstältesten Potentaten des Ostblocks. Dabei flogen ihm bei öffentlichen Auftritten keineswegs die Herzen zu. Umständliches Gehabe, eiskalte Ausstrahlung und dröge Monologe mit sächselnder Fistelstimme prädestinierten den gelernten Tischler aus Leipzig nicht unbedingt zum charismatischen Volkstribun. Der starke Mann der DDR verstand sich eher darauf, die Menschen zu beherrschen als sie für sich einzunehmen. Unumschränkter Staatenlenker und pedantischer Parteisoldat, wie geht das zusammen? Es waren gerade die Wesenszüge des perfekten Apparatschiks, die Ulbricht für seine Aufgabe qualifizierten. Das Spiel mit der Macht immerhin beherrschte er meisterhaft: Akribisch, arbeitswütig und mit einem phänomenalen Personengedächtnis setzte er Funktionsträger stets so ein oder ab, wie es seinen Zwecken dienlich war. Gegner verfolgte er unerbittlich, parteiinterne Rivalen spielte er gegeneinander aus.
Vor allem aber lenkte er seinen Kurs instinktsicher in die Richtung, die der Wind aus dem Osten gerade wies. Als treuer Statthalter Moskaus in Ost-Berlin erst errang Ulbricht seine dominierende Rolle. Trotz Versorgungsmängeln und Massenflucht, Kurswechseln im Kreml und parteiinternen Rivalitäten, trotz Volksaufstand und Mauerbau (dessen Absicht er kurz zuvor noch öffentlich abgestritten hatte), stieg Ulbricht zum beinahe unumschränkten Staatschef auf. Doch auf dem Höhepunkt der Macht zeigte der Apparatschik eine erstaunliche Wendung. Mit kleinen Freiheiten und mehr Konsum versuchte er sich die - eingemauerte - Bevölkerung gewogen, mit modernen Reformen seine Planwirtschaft wettbewerbsfähig zu machen. Doch am Ende fiel er selbst dem Machtspiel zum Opfer, das er zeitlebens gepflegt hatte. Ausgerechnet sein politischer Ziehsohn Erich Honecker beförderte den Vorgänger aufs Altenteil.
Die Dokumentation verknüpft den Werdegang des eigenwilligen SED-Chefs mit einer Zeitreise durch die Frühgeschichte der DDR, die aus heutiger Sicht mitunter geradezu exotisch anmutet. Die Darstellung bewegender Einzelschicksale sowie Erlebnisberichte von Zeit-"Genossen" wie dem Schriftsteller Erich Loest, dem Politiker Hans Modrow, dem Filmregisseur Kurt Mätzig und der Journalistin Carola Stern geben einen Einblick in das Innenleben des frühen "Arbeiter- und Bauernstaats". Authentische, zum Teil unbekannte oder ungezeigte Aufnahmen aus jenen Jahren, die etwa Ulbricht im Jahr 1932 oder die DDR-Gründung in Farbe zeigen, beleuchten aus ungewohnter Perspektive jenes politische Großexperiment, das mit hohen Erwartungen begann, und dessen Folgen bis heute spürbar sind.
"Good Bye DDR (2/4) - Mielke und die Freiheit"
Film von Stefan Bayer und Jürgen Ast
„Ich liebe euch, ich liebe doch alle Menschen.“ Die Person, von der diese historische „Liebeserklärung“ stammt, war der wohl meist gefürchtete und gehasste Mann der DDR. Erich Mielke diente Ulbricht und Honecker, der Stasi-Chef und sein Ministerium bestimmten, wer ein Staatsfeind war und wer nicht, wer bespitzelt, verhaftet, verurteilt oder im Einzelfall sogar „liquidiert“ wurde. Mielkes unanfechtbare Stellung fußte auf der Maxime „Wissen ist Macht“. 91.000 offizielle und fast 200.000 inoffizielle Mitarbeiter standen unter seinem Befehl. Sein wichtigstes Ziel: die Verhinderung von Opposition und Fluchten. Sein größter Feind: der Freiheitswille der Menschen.
Erich Mielkes Karriere begann mit einem Mord, mit Schüssen auf drei Polizisten am Bülowplatz 1931. Die KPD schützte ihn, organisierte seine Flucht nach Moskau. Dafür schwor er der Partei ewige Treue. Nach dem Krieg begann er, einen stalinistischen Sicherheitsapparat im Osten Deutschlands aufzubauen. 1957 avancierte er zum Minister für Staatssicherheit. Doch gegen die immer größer werdende Fluchtwelle in den Westen konnte auch er nichts ausrichten. Die Mauer rettete das Regime. Bald wurde die Grenze so dicht, dass jeder Versuch, sie zu überwinden, lebensgefährlich war. Doch die Sehnsucht nach Freiheit war nicht auszulöschen. Der Grenzpolizist Rudi Thurow wagte im Februar 1962 zusammen mit Kameraden die Flucht über den Stacheldraht. Nur knapp entgingen sie ihren Verfolgern. Als Thurow bald darauf einen Tunnel von West nach Ost buddelte, um andere DDR-Bürger in den Westen zu bringen, versuchte Mielke, ihn „liquidieren“ zu lassen. Ellen Thiemann versuchte 1972 mit ihrer Familie zu flüchten. Doch sie wurde gefasst und verbrachte Jahre im Zuchthaus. Der eigene Ehemann wurde zum Verräter. Der Familie Gutheil dagegen gelang 1980 eine spektakuläre Flucht über die Ostsee.

* "Good Bye DDR (3/4) - Kati und der schöne Schein"

Film von Ricarda Schlosshan und Heike Schnaar
Sie war das "Schmuckstück" der DDR, das "schönste Gesicht des Sozialismus": Eisläuferin Katarina Witt wurde sechs Mal Europameisterin, vier Mal Weltmeisterin und gewann zwei Mal olympisches Gold. Ihren Erfolg heftete sich das marode System DDR an die Fahne - zum Prestigegewinn im In- und Ausland.
Mit glänzenden Leistungen im Sport wurden manche Schattenseiten des Regimes überstrahlt. Doch Athleten, die politisch nicht auf Linie waren, erhielten Startverbot. Die Sprinterin Ines Schmidt musste ihre Laufschuhe abgeben, als ihre Liebe zu einem Westsportler und ihr Kontakt zu Oppositionsgruppen bekannt wurde. Diskuswerfer Wolfgang Schmidt, der bei Olympia in Montreal Silber gewonnen hatte, wanderte nach einem Fluchtversuch ins Gefängnis.
Doch nicht nur im Sport trog der schöne Schein, sondern überall dort, wo es um Kunst, Kultur und Musik ging. Während die "Puhdys" im Westen auftreten durften, wurde die bei vielen DDR-Jugendlichen beliebte Rockgruppe "Renft" verboten, weil manche ihrer Songs auch von "Wehrdienstverweigerung" und "Republikflucht" handelten. Der Selbstbetrug wurde am Ende denen zum Verhängnis, die ihn angeordnet hatten.
Als Erich Honecker gemeinsam mit Bundeskanzler Helmut Schmidt die mecklenburgische Kleinstadt Güstrow besuchte, wurden die Bürger der Stadt in ihre Häuser verbannt. Statt dessen jubelten bestellte Mitarbeiter der Staatssicherheit ihrem "Erich" zu. Honecker schien am Ende selbst zu glauben, dass es das Volk war, das ihn liebte. Wie sehr die Fassade bröckelte, darüber sahen die Mächtigen gern hinweg.
Die Zeit eilte dem Regime davon. Längst plante Katarina Witt ihre Karriere im Westen - sie ließ sich nicht gängeln, avancierte vom DDR- zum Weltstar. Der Film spiegelt ihren Werdegang mit den Lebensgeschichten anderer Sportler und Künstler. Prominente Zeitzeugen wie Wolfgang Lippert, Wolfgang Schmidt und Katrin Saß legen dar, wie sie Schein und Sein in der DDR erlebten.

* "Good Bye DDR (4/4) - Erich und die Mauer"

Film von Christian Frey und Mario Sporn
"Das Volk steht hinter der Partei", konstatierte Erich Honecker zufrieden, als er im Oktober 1989 die Parade der "Freien Deutschen Jugend" zum 40. Geburtstag der DDR abnahm. Wenige Tage später war er gestürzt, davongejagt von dem Volk, dem er jahrzehntelang das Recht auf Selbstbestimmung abgesprochen hatte.
Vierzig Jahre lang prägte Erich Honecker, Bergarbeitersohn aus dem saarländischen Neunkirchen, die Geschichte der DDR. Im Oktober 1949 wurde er Chef des Jugendverbands FDJ und organisierte den Fackelzug der Jugend zur Staatsgründung der DDR. Es folgten Jahrzehnte unaufhaltsamen Aufstiegs. 1961 war Honecker "Sekretär für Sicherheitsfragen" im Politbüro und damit der zweitmächtigste Mann im Staat.
Es war Erich Honecker, der 1961 den Bau der Mauer organisierte. "Wir trauten unseren Augen nicht", erzählt Doris Mohnstein, "da erschienen plötzlich Maurerbrigaden und Grenztruppen und zogen die Mauer hoch". Von diesem Tag an war Doris Mohnstein von ihrer Schwester und ihrer Mutter getrennt. Erst acht Jahre später kam es zu einem Wiedersehen: für 10 Minuten aus der Entfernung. Die Mauer war Erich Honeckers "Gesellenstück". 1.400 km lang. Jeder Kilometer Todesstreifen kostete die ewig kränkelnde DDR-Wirtschaft mindestens eine Million DDR-Mark. Zeit seines Lebens verteidigte Honecker die Mauer allen Ernstes als "antifaschistischen Schutzwall". Dabei war sie die Begrenzung eines Zwangsstaates DDR, den zu verlassen tödlich enden konnte. An Weihnachten 1983 versuchte der Berliner Silvio Proksch die Flucht und wurde von Grenzern erschossen. Erst nach der Wende erfuhr seine Familie, dass Silvio Proksch an der Mauer verblutet war. Er war eines von etwa 1.000 Todesopfern an der Mauer.
Doch alle Mauern und Beschränkungen konnten nicht verhindern, dass die DDR auf Dauer zu Grunde gehen musste. Ohne Milliardenkredite aus der Bundesrepublik war sie in den 80er Jahren nicht mehr lebensfähig. Da die Schuldentilgung einen Großteil des Staatshaushalts auffraß, konnte kaum noch investiert werden. Die Städte verfielen, die Umwelt war zunehmend ruiniert. Der Berliner Siegbert Schefke dokumentierte den Niedergang mit seiner Videokamera und schmuggelte die Bilder über Kuriere in den Westen. Mit ungeahnten Konsequenzen. Als "Staatsfeind" wurde ihm die Ausreise nahe gelegt. Hunderttausende wollten in diesen Jahren nichts lieber als das Land verlassen und suchten nach Schlupflöchern im Eisernen Vorhang. Nicht so Siegbert Schefke. Er weigerte sich zu gehen, dokumentierte mit seiner Kamera die Leipziger Montagsdemonstrationen und hielt so die friedliche Revolution der DDR-Bürger im Bild fest. Erich Honecker wollte bis zuletzt nicht sehen, dass seine Zeit abgelaufen war. Die Mauer hat seine Amtzeit nur kurz überdauert. Nach seinem Sturz am 18. Oktober dauerte es nur noch drei Wochen, bis seine Nachfolger sich dem Druck von unten beugen mussten und die Grenzen öffnete.
Die Dokumentation verknüpft das Psychogramm des Staats- und Parteischefs mit Lebensgeschichten aus dem Mauerstaat - Geschichten von Angepassten und Oppositionellen, von Grenzsoldaten und Maueropfern, Politbürokraten und Montagsdemonstranten. Zu Wort kommen auch prominente Zeitzeugen wie Michail Gorbatschow, Hans Modrow, Wolfgang Schäuble und Günter Schabowski.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 02.10.2016 um 14:00 Uhr auf Phoenix.