Marseille ist Frankreichs älteste und zweitgrößte Stadt und gilt als die heimliche Hauptstadt des Mittelmeers. Für die einen vibriert sie vor Lebenslust und Kreativität, für die anderen versinkt sie in sozialen Problemen. Noch vor wenigen Jahren war die Hafenmetropole verrufen: laut, dreckig, kriminell. Hunderte Millionen wurden investiert, um dieses Image zu verbessern. Heute erstrahlt die Stadt in neuem Glanz. Die Einwohnerzahl steigt. Seit die Mittelmeermetropole 2013 Kulturhauptstadt Europas war, blüht Marseille kulturell auf.
An der Seite von Marinemalerin Marie Détrée-Hourrière erreicht das Filmteam Marseille auf dem schönsten Weg: vom Meer aus. Die Künstlerin gehört zur friedlichsten Truppe der französischen Armee, statt zum Gewehr greift sie zu Tusche und Pinsel.
In den Banlieues des Marseiller Nordens, bekannt durch Bandenkriege, Einbrüche, Schießereien, begegnet das Filmteam dem Kunstreiter Manolo Bez. Seine Projekte, die sich an Kinder aus instabilen Verhältnissen richten, spielen mit dem Mythos des Zentauren, der magischen Verbindung zwischen Mensch und Tier. Die Situation der meisten Kinder in Marseille-Nord ist prekär, die Zukunftschancen sind schlecht. Manolo will ihre Fantasie beflügeln und den Glauben daran, dass Unmögliches möglich ist.
In den Calanques, dem Küstenmassiv im Süden Marseilles, trifft das Team den Fischer Jean-Claude Bianco. Sein größter Fang schrieb Geschichte rund um die Welt: In seinem Netz fand er ein Silberarmband, das das Rätsel um den 1944 verschollenen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry lösen half.
Wie ein gestrandeter Dampfer wirkt die "Cité radieuse", die "strahlende Stadt" des Architekten Le Corbusier. Der futuristische, anfangs ungeliebte Betonklotz ist heute Kult. Junge Designer und Künstler aus Paris bringen neues Leben in den Architekturklassiker. Das Dach wurde zum Dorfplatz umfunktioniert, und in einem schicken Apartment darf probegewohnt werden.
Im Norden Marseilles findet eine Begegnung mit Boxtrainer Kayser statt, der die Aggression der Leute auf der Straße in sportlichen Ehrgeiz umwandelt. Die Musikerin Karine Hallakoun singt von Visa, die Menschen erlauben, sich genauso frei in der Welt zu bewegen wie Waren. Und in einem Atelier mitten im Fährhafen trifft man auf einen Maschinenkünstler, der die Welt verbessern will.
Es heißt, Marseille habe sich in den letzten Jahren so stark verändert wie Berlin nach dem Fall der Mauer. Der Film taucht ein in die mediterrane Welt der Stadt, porträtiert Menschen, die von der Hafenmetropole geprägt wurden und deren Visionen für das neue Lebensgefühl der "Schönen des Südens" stehen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 13.10.2016 um 21:00 Uhr auf NDR.