Der Name Kyoto ruft Bilder herbei von einem Japan vor der Moderne. Rotgestrichene Shinto-Tore, Kimonos, Kirschblüte, alte Tempel, kahlgeschorene Mönche, Paläste der Kaiser, die tausend Jahre lang hier residierten, und Paläste der Shogune, die mit harter Hand regierten. Kyoto, denkt man, ist eine schöne alte Stadt. Man hätte es besser wissen können, sagt sich der Reisende: Kyoto ist eine moderne Großstadt, Millionenstadt, schlimmer - ein Häusermeer ohne Grenze zum benachbarten Osaka. Kein schöner Ort, wenn überhaupt ein Ort.
Mitten in der Betonwüste jedoch, und an ihren Rändern, zu Füßen der die Stadt von drei Seiten zurückdrängenden Berge, hinter Mauern, liegen Inseln der Schönheit: buddhistische Klöster und ihre bis ins kleinste Detail gestalteten Gärten. Vollendete Form in einer chaotisch sich auftürmenden Stadt. Nichts ist hier dem Zufall überlassen, nichts einfach gewachsen - alles seit Jahrhunderten gestaltet. Ein Mönch mag sein Leben mit der Pflege eines Zen-Gartens verbringen. Und doch wird er immerzu bemüht sein, durch ihn hindurch zu schauen ins Nichts.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 27.08.2016 um 08:45 Uhr auf SR.