* ' Geheimakte Mauerbau - Die Nacht der Entscheidung' von Jörg Müllner
Vor über 50 Jahren, in den frühen Morgenstunden des 13. August 1961, begann der Bau jenes menschenverachtenden Monstrums aus Stahl, Stacheldraht und Beton, das nicht nur eine Stadt teilte, sondern auch zum Sinnbild für die Spaltung Deutschlands, Europas und der Welt wurde: die Berliner Mauer. Sie trennte Familien und Freunde, kostete viele Menschen das Leben, die der SED-Diktatur entfliehen wollten. Sie einte allein in der Hoffnung, dass sie eines Tages wieder eingerissen wird.
Was ging dem Mauerbau voraus? Wie kam es wirklich zur Sperrung der Sektorengrenze in der "Frontstadt" des Kalten Krieges. Wer gab den Befehl, wer trug die Verantwortung? War es DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht, dem das eigene Volk davon lief? Oder Nikita Chruschtschow, der mächtige Staats- und Parteichef der Sowjetunion? War es nur eine innerdeutsche Frage, oder drohte eine Krise zwischen Ost und West - womöglich mit der Gefahr einer nuklearen Eskalation?
Jetzt freigegebene Akten aus dem russischen Staatsarchiv für Zeitgeschichte in Moskau geben Antworten auf offene Fragen und werfen ein neues Licht auf die Geschichte der Mauer. Eine Grenze entstand, die von Anfang an Menschen dazu brachte, mit dem Mut der Verzweiflung die Flucht in die Freiheit zu wagen. Unter ihnen auch Grenzpolizisten und Soldaten der DDR. Einige von ihnen berichten zum ersten Mal, warum sie ihr Leben riskierten, um in den Westteil Berlins zu gelangen. Aufwändige Computer-Grafiken machen die Dimension des Mauerbaus anschaulich. Der Film zeigt auch neu entdeckte Farbaufnahmen aus jenen Tagen in Berlin und zur internationalen Lage, als sich das Ringen der Supermächte um den Status von Berlin bedrohlich zuspitzte.
* 'Die Insel - Westberlin zwischen Mauerbau und Mauerfall' von Claus Richter und Stefan Aust
Als am 9. November 1989 vor dem Brandenburger Tor tausende Menschen aus Ost und West auf der Mauer tanzten, als Ost-Berliner in Sektlaune in den Westen strömen und den Kurfürstendamm eroberten, wurde schnell klar: Dies war das Ende der DDR. Doch es war auch das Ende einer Stadt, die wie keine andere das Symbol der deutschen Teilung, des Kalten Krieges, des Aufbruchs und des gesellschaftlichen Wandels war - des in Ost und West geteilten Berlin. Es war auch das Ende eines in der Geschichte einmaligen Sozialexperiments: Leben in einer in Friedenszeiten eingeschlossenen Stadt.
Die zweiteilige Dokumentation "Die Insel" schildert die wichtigsten und spannendsten Ereignisse aus knapp drei Jahrzehnten West-Berlin.
"Es war", so die Autoren Aust und Richter, "ein bisschen Disneyland, ein bisschen Horrorkabinett, ein bisschen Museum, ein bisschen Weltstadt, ein bisschen Gartenlaube und ein bisschen Truppenübungsplatz. Ein vielfältiger Anziehungspunkt für die schrägen Vögel dieser Welt."
Die Dokumentationen öffnen den Blick in ein Panoptikum. Es ist eine Reise durch die deutsche Nachkriegsgeschichte, die Berlin wie keine andere Stadt geprägt, erschüttert und zerrissen hat. Eine Kollage von persönlich Erlebtem, von kleinen und großen Geschichten, die sich verdichten zur Geschichte der Stadt.
Sie wird chronologisch erzählt: Teil eins der Dokumentation beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Zeitspanne zwischen Mauerbau und den großen Studentendemonstrationen und endet mit dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg. Teil zwei behandelt die Zeitspanne zwischen dem Ende der 1960er Jahre und dem Fall der Mauer im November 1989.
Als US-Präsident John F. Kennedy im Jahr 1963 vor dem Schöneberger Rathaus seinen historischen Satz sagte: "Ich bin ein Berliner!", da sprach er über eine Frontstadt, aber auch über ein Lebensgefühl. West-Berlin war mehr als eine eingemauerte Stadt. Es war ein Hort der Freiheit, ein Ort des trotzigen Widerstands. Unter den besonderen Lebensbedingungen dieser "Insel" entstand ein eigenes kulturelles und geistiges Klima, das Künstler und Abenteurer aus der ganzen Welt anzog.
All das geschah vor einer besonderen politischen Kulisse: Berlin war ein kleiner Provinzstaat auf der großen Weltbühne des Kalten Krieges. Es war eine besetzte Stadt. Offiziell waren die obersten Entscheidungsträger bis zur Wiedervereinigung die Stadtkommandanten der Alliierten. Berlin war in Ost und West auch das Mekka der Spione: Hier wurden Agenten eingeschleust und ausgetauscht, hier kamen die Geheimdienstler aus aller Welt zu konspirativen Treffs zusammen, um auf gegnerisches Terrain vorzudringen, oder um selbst Weltpolitik zu machen.Eine Insel - vom westdeutschen Festland aus nur per Flugzeug oder über streng kontrollierte Transitverbindungen zu erreichen. Berlin war um Haaresbreite der Ausgangspunkt für den dritten Weltkrieg, aber es war auch eine Stadt des Aufbruchs, der Studentenbewegung, der Ideen und der Revolte. Es war die Stadt von Hildegard Knef, Harald Juhnke und Romy Haag, aber auch der radikalen Studenten Rudi Dutschke, Rainer Langhans, Fritz Teufel und Uschi Obermaier. In den 1970er Jahren wurde das Berliner Milieu zur Keimzelle des Terrorismus.
West-Berlin, das war die Stadt ohne Sperrstunde. Es war die Stadt eines Rolf Eden, des ewigen Playboys. Kultur und Subkultur konkurrierten, ergänzten und beharkten sich in West-Berlin. Aber dank reichlicher Unterstützung aus dem fernen Westdeutschland konnte der Senat es sich leisten, beide zu fördern. Das hoch subventionierte "Schaufenster des Westens" war auch die Heimat großer Skandale, des politischen Filzes.
Ebenso war die Stadt ein Magnet für Wirrköpfe und selbsternannte Revoluzzer, die sich hier dem Wehrdienst ungestraft entziehen und den Aufstand als Hausbesetzer oder Autonome in der "Kreuzberger Republik" proben konnten.
Die Autoren Stefan Aust und Claus Richter sprachen mit prominenten Zeitzeugen - wie den früheren Regierenden Bürgermeistern der Stadt Richard von Weizsäcker, Walter Momper, Eberhard Diepgen und Klaus Schütz in seinem letzten großen Fernsehinterview vor seinem Tod. Sie sprachen mit Politikern wie Egon Bahr und dem früheren US-Botschafter Richard Burt, mit Stars wie Ute Lemper, Gunter Gabriel oder Romy Haag, mit Protagonisten der Studentenbewegung wie Uschi Obermaier und dem Schriftsteller Peter Schneider, aber auch mit weniger prominenten Spionen, Regierungsbeamten, Bauunternehmern oder Taxifahrern, die mit ihren Schilderungen ein lebendiges Bild der geteilten Stadt wiederaufleben lassen.
Er könne verstehen, sagte der verstorbene Berliner Politiker Egon Bahr im Gespräch mit den Autoren, dass West-Berlin "für den Osten unerträglich" gewesen sei. "Dieses Juwel sah durch seinen Reichtum für die Bevölkerung jeden Tag so aus, wie wir uns nach dem Kriege die Schweiz vorgestellt haben: reich, hell, Luxus!" "Es war eine Stadt mit den kleinen Mietskasernen, mit den Narben des Zweiten Weltkrieges", erinnert sich dagegen Chansonsängerin und Schauspielerin Ute Lemper, "die da in den Osten gepackt und wie ein Gefängnis abgeschirmt war. West-Berlin, so Ute Lemper, sei "einfach stolz auf seine Hässlichkeit" gewesen. "Ohne die Existenz Berlins hätte eine Mauer nie fallen können", kommentiert der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, "insofern hat Berlin seine historische Funktion erfüllt."
Der Film zeigt die Überreste der Mauer, besucht die zum Teil unveränderten Schauplätze, etwa die Bunker unterhalb West-Berlins, wo einst die "Senatsreserve" für den gefürchteten Angriff aus dem Osten lagerte, oder die Hallen des Flughafens Tempelhof, der damals West-Berlin mit der großen, weiten Welt verband. An den authentischen Schauplätzen erzählen die Protagonisten ihre Geschichten und Erlebnisse. Sie nehmen, unterstützt von zum Teil unveröffentlichten Archivmaterialien, die Zuschauer mit in die Zeit von Mauer, Stacheldraht und Schlaghosen. Musik aus dreißig Jahren, in Berlin produziert oder mit Berlin-Bezug, von Hildegard Knef über Udo Lindenberg bis zu den Rolling Stones und David Bowie, gibt das Lebensgefühl jener Zeit in West-Berlin wieder.
West-Berlin war mehr als eine eingemauerte Stadt. Es war ein Hort der Freiheit, ein Ort des trotzigen Widerstands. Unter den besonderen Lebensbedingungen dieser "Insel" entstand ein eigenes kulturelles und geistiges Klima, das Künstler und Abenteurer aus der ganzen Welt anzog.
All das geschah vor einer besonderen politischen Kulisse: Berlin war ein kleiner Provinzstaat auf der großen Weltbühne des Kalten Krieges. Es war eine besetzte Stadt. Offiziell waren die obersten Entscheidungsträger bis zur Wiedervereinigung die Stadtkommandanten der Alliierten. Berlin war in Ost und West auch das Mekka der Spione: Hier wurden Agenten eingeschleust und ausgetauscht, hier kamen die Geheimdienstler aus aller Welt zu konspirativen Treffs zusammen, um auf gegnerisches Terrain vorzudringen, oder um selbst Weltpolitik zu machen.
Eine Insel - vom westdeutschen Festland aus nur per Flugzeug oder über streng kontrollierte Transitverbindungen zu erreichen. Berlin war um Haaresbreite der Ausgangspunkt für den dritten Weltkrieg, aber es war auch eine Stadt des Aufbruchs, der Studentenbewegung, der Ideen und der Revolte. Es war die Stadt von Hildegard Knef, Harald Juhnke und Romy Haag, aber auch der radikalen Studenten Rudi Dutschke, Rainer Langhans, Fritz Teufel und Uschi Obermaier. In den 1970er Jahren wurde das Berliner Milieu zur Keimzelle des Terrorismus.
West-Berlin, das war die Stadt ohne Sperrstunde. Es war die Stadt eines Rolf Eden, des ewigen Playboys. Kultur und Subkultur konkurrierten, ergänzten und beharkten sich in West-Berlin. Aber dank reichlicher Unterstützung aus dem fernen Westdeutschland konnte der Senat es sich leisten, beide zu fördern. Das hoch subventionierte "Schaufenster des Westens" war auch die Heimat großer Skandale, des politischen Filzes. Ebenso war die Stadt ein Magnet für Wirrköpfe und selbsternannte Revoluzzer, die sich hier dem Wehrdienst ungestraft entziehen und den Aufstand als Hausbesetzer oder Autonome in der "Kreuzberger Republik" proben konnten.
Die Autoren Stefan Aust und Claus Richter sprachen mit prominenten Zeitzeugen - wie den früheren Regierenden Bürgermeistern der Stadt Richard von Weizsäcker, Walter Momper, Eberhard Diepgen und Klaus Schütz in seinem letzten großen Fernsehinterview vor seinem Tod. Sie sprachen mit Politikern wie Egon Bahr und dem früheren US-Botschafter Richard Burt, mit Stars wie Ute Lemper, Gunter Gabriel oder Romy Haag, mit Protagonisten der Studentenbewegung wie Uschi Obermaier und dem Schriftsteller Peter Schneider, aber auch mit weniger prominenten Spionen, Regierungsbeamten, Bauunternehmern oder Taxifahrern, die mit ihren Schilderungen ein lebendiges Bild der geteilten Stadt wiederaufleben lassen.
* Wahnsinn '89 - Wie die Mauer fiel' von Jörg Müllner und Mario Sporn
Udo Lindenberg und die junge Hauptdarstellerin des Erfolgs-Musicals "Hinterm Horizont", Josephin Busch, sind die Protagonisten in der Dokumentation "Wahnsinn 89. Wie die Mauer fiel".
Josephin Busch, die 1986 in Ost-Berlin geboren wurde, war noch viel zu jung, um die DDR und ihr Ende bewusst mitzuerleben. Im Generationen-Dialog mit Udo Lindenberg, der sich jahrelang um einen Auftritt in der DDR bemüht hatte und für den der Fall der Mauer eine ganz besondere Genugtuung darstellte, spürt sie der Geschichte noch einmal nach: "Ich hab' gedacht, so ein abartiges Ding, so grotesk, so ein krankes Teil da mitten durch Berlin - die Mauer kann nicht stehenbleiben.", meint Udo Lindenberg im Gespräch mit der Musical-Hauptdarstellerin. Im Film spricht sie mit vielen weiteren Beteiligten und Zeitzeugen aus Ost und West, redet mit Menschen, für die die "Wende" damals auch zur persönlichen Wende wurde.
Menschen, wie der Schauspieler Roman Knizka, der im Sommer 1989 über die geöffnete Grenze Ungarns in den Westen floh. Andere wollten in ihrer Heimat bleiben und eine bessere DDR schaffen - wie Marianne Birthler, die in Ost-Berlin in oppositionellen Gruppen aktiv war, oder die Leipzigerin Katrin Hattenhauer, die im September 1989 für "ein offenes Land mit freien Menschen" auf die Straße ging und daraufhin verhaftet wurde. Vor allem die "Montagsdemos" brachten die scheinbar unerschütterliche Macht der Staatspartei ins Wanken. Auch Schauspielerin Claudia Wenzel war dabei, als am 9. Oktober 1989 in Leipzig mehr als 70.000 Menschen auf die Straße gingen. "Ich bekomme heute immer noch so eine Art Gänsehaut, es war eine Sensation. Es war unfassbar in der DDR, dass die Leute so mutig losmarschierten. Das war ein irres Erlebnis." Der Comedian Volker "Zack" Michalowski bekam in Dresden hingegen wie tausende Andere noch einmal die Härte des Regimes zu spüren: Er wurde verhaftet und ins berüchtigte Gefängnis Bautzen gebracht.
Wenige Tage später war nichts mehr wie zuvor: Günter Schabowski verkündete am Abend des 9. November versehentlich zu früh die Reisefreiheit für alle DDR-Bürger - und die Menschen nahmen ihn beim Wort. Pierre Sanoussi-Bliss, heute bekannt als Assistent des ZDF-"Alten" überquerte die Grenzlinie an der Bornholmer Straße - dort, wo die Schlagbäume zuerst hochgegangen waren: "Das war so ein Menschenstrom und ich sagte: "Wisst ihr was? Wenn die Mauer jetzt offen ist, dann wird die auch nicht wieder zugemacht." Auch die Schauspielerin Gesine Cukrowski, die damals in West-Berlin lebte, zog es zum Brandenburger Tor, wo sie mit Zehntausenden auf der Mauer tanzte.Andere, die in der Bundesrepublik lebten, setzten sich spontan ins Auto oder in den Zug, wie Caroline Peters ("Mord mit Aussicht"), damals Gymnasiastin in Köln. Udo Lindenberg, der am 9. November in München gastierte, nahm sofort den nächsten Flieger, mischte sich inkognito unters Volk und spielte drei Tage später mit anderen Musikern aus Ost und West auf dem "Konzert für Berlin".
Im Gespräch mit Josephin Busch, dem "Mädchen aus Ost-Berlin, ordnen die "Wende-Protagonisten" ihre Erlebnisse rückblickend ein: Wie war das Leben in der DDR Ende der 1980er Jahre? Warum spitzte sich die Lage im Land immer mehr zu? Warum verließen mehr und mehr Menschen den zweiten deutschen Staat? Welche Hoffnungen und Befürchtungen hegten sie, als die Mauer schließlich fiel? Und wie änderte sich danach ihr Leben?
"25 Jahre. Ich freue mich heute noch als wäre es gestern gewesen, dass die Scheiß-Mauer endlich weg ist und wir zusammen eine bunte Republik machen können", so Lindenberg zu Josephin Busch: "Ein wirklich schönes Feeling ist das."
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 07.08.2016 um 14:00 Uhr auf Phoenix.