Saint-Emilion zählt zu den romantischsten Weinorten der Welt. Die kleine Stadt liegt auf einem Plateau aus Kalkstein, eingerahmt von Weinbergen, auf denen die Trauben der berühmten "grands crus" wachsen. Im Verlauf der Jahrhunderte ist in Saint-Emilion eine Symbiose aus Natur und Mensch entstanden.
Es waren die Römer, die im fünften Jahrhundert in diesem Gebiet ihre ersten Rebstöcke pflanzten und damit eine außergewöhnliche Landschaft zu kultivieren begannen. Mit dem Benediktinermönch Emilion verbindet sich die eigentliche Entstehung des Ortes im achten Jahrhundert. Unter dem Felsplateau fand er eine Quelle in einer Grotte, die er zur Ermitage ausbaute. Emilion begann zu predigen. Legenden von seinen Fähigkeiten zu heilen und Wunder zu vollbringen verbreiteten sich schnell. Immer mehr Menschen pilgerten zu dem Einsiedler und ließen sich in seiner Nähe nieder. St. Emilion wurde von einem Ordenskapitel und einer weltlichen Behörde - der Conseil des Jurats - der Jurade verwaltet. Im Jahr 1199 gewährt Johann ohne Land, König von England und Herzog Aquitaniens, den Bewohnern das Gemeinderechtmit allen Privilegien und Freiheiten. Die "Jurade", einst weltliche Regierung, ist nach über 800 Jahren noch immer aktiv, heute gilt ihr ganzes Interesse ausschließlich dem Wein. Im September jeden Jahres wird in einem farbenprächtigen Schauspiel durch die "Jurats" die Weinlese verkündet. Auf 5.400 Hektar Anbaugebiet der Appellationen "Saint-Emilion" und dem Zusatz "Grand cru", werden die Traubensorten Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon angebaut. Das feine Zusammenspiel des regionalen Ökosystems " Flüsse, unterirdische Quellen und das Gemisch aus Lehm, Kies und Kalkstein - geben den Trauben eine unverwechselbare Geschmacksrichtung. Und doch hat jeder Rotwein der 860 Winzer seine persönliche Note. Ob das besondere Bouquet gesammelten Erfahrungen aus vielen Generationen zu Grunde liegt, oder ob man die hohe Kunst beherrscht, Weine unterschiedlicher Rebsorten zu einem "Grand cru classé" zu komponieren, ist das Geheimnis jedes einzelnen Kellermeisters.
Mit Saint-Emilion hat die UNESCO auch den Wein zum Weltkulturerbe erklärt. Zu Recht, denn Saint-Emilion steht für die Vollendung des Weines.
Die wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt" erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern.
Autor: H. Jürgen Grundmann\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 22.06.2016 um 07:35 Uhr auf SR.