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Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

Kaiser, Konkubinen und Konfuzius - Chinas Welterbe
Sonntag, 12.06.2016 06:45 Uhr
SR
Sonntag
12.06.2016
06:45 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Die Ausstellung "Die 8 der Wege - Kunst in Beijing" ist die Ausgangsstation für Max Moor bei seiner Reise zu den wichtigsten Welterbestätten Chinas. Der Titel verweist auf die Suche der Kuratoren nach den vielfältigen Ausdrucksformen der jüngeren Künstler- Generation im heutigen Peking. Die "8" gilt in der chinesischen Kultur als Glückszahl. Und im Deutschen klingt in "Acht" "Achtung" an. Achtung vor den Künstlern und ihrer Arbeit. Die Ausstellung zeigt, dass es viele chinesische Künstler immer weniger um ästhetische Fragen geht sondern um die Auseinandersetzung mit der gegenwärtige Politik, Wirtschaft und Kultur ihres Landes. Anfänge der chinesischen Mauer stammen von ihm, auch die legendäre Terrakottaarmee.
Fast neuntausend Kilometer windet sich die chinesische Mauer durch die Landschaft. Kein anderes Menschenwerk kann man mit ihr vergleichen. Ihre Entstehung ist eine Geschichte des Leidens und der Erfolge. Chinas erster Kaiser, Qin Shi Huangdi musste um 220 vor Christus die Angriffe der Hunnen abwehren. Um sich abzuschotten, ließ er eine Mauer errichten. Die Große Mauer aber war das noch nicht. Die wurde erst über tausend Jahre später gebaut. Am Juyongguan-Pass nahe Peking hat sich ein Stück Mauer aus ältesten Zeiten erhalten - die Wolkenterrasse. Von Buddhisten gebaut kündet sie vom friedlichen Nebeneinander verschiedener Kulturen. Sie war einem Gott geweiht, dem König des Himmels. Er sollte China beschützen, seine Krieger sollten die Feinde schrecken. Abschreckung tat not. Immer wieder rannten Feinde gegen die Mauer an. Beim Bau der Mauer wurden zuerst zwei sieben Meter hohe Ziegelsteinmauern errichtet. Diese hatten einen Abstand von sieben Metern voneinander. Zwischen die Mauern wurde Erde geschüttet und festgestampft. Hunderttausende Arbeiter sind bei dem Bau gestorben.
Vor 2200 Jahren formten Zwangsarbeiter die Armee des Qin Shi Huangdi aus Ton. Die Krieger waren als Schutztruppen für die Seele des Herrschers bestimmt. Der Kaiser fürchtete den Tod. Im Jenseits sollten die tönernen Soldaten erwachen und für ihn kämpfen.
1974 wurde die Terracotta – Armee entdeckt. Beim Bau eines Brunnens fand ein Bauer den ersten Soldatenkopf. Gleich nachdem er den Thron bestiegen hatte, ließ Qin Shi Huangdi auch seine Grabanlage errichten. 700.000 Menschen mussten dafür 12 Jahre lang arbeiten.
In elf, jeweils 230 Meter langen, Reihen stehen des Kaisers Soldaten in Schlachtordnung. Selbst die Pferde ließ der Kaiser in Lebensgröße nachbauen. Auch sie sollten ihn im Jenseits beschützen. Eine Halle schützt heute die Ausgrabungen. Neben der Großen Mauer und der Verbotenen Stadt sind die Tonsoldaten Chinas größte Attraktion. Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Xian, der Hauptstadt des ersten chinesischen Kaiserreiches.
Konfuzius, chinesisch Kong zi, Meister Kung, vor 2.500 Jahren einer von vielen Wanderpredigern und Weisen. Nach seinem Tod Begründer der chinesischen Staatsdoktrin. Konfuzius war schon lange tot als ihm zu Ehren ein Tempel gebaut wurde. Von Dynastie zu Dynastie wurde dieser vergrößert. Wer früher den Konfuziustempel in Qufu besuchte, hatte viel erreicht. Er war ein Anwärter auf ein hohes Staatsamt. Für die Mandarine, die hohen Beamten, war es Pflicht nach Qufu zu pilgern. Beamte, ausgebildet nach Konfuzius Regeln, bestimmten bis ins 20. Jahrhundert die Geschicke Chinas. Jeder Kaiser besuchte vor seiner Inthronisation Qufu, Von Konfuzius selbst ist nichts Schriftliches überliefert. Erst Generationen später wurden seine Texte niedergeschrieben. Schildkröten, Symboltiere für ein langes Leben, tragen Lehrsätze von Konfuzius.
Ideen und Religionen fanden ihren Weg in andere Länder Welt über die alten Handelsstrassen. Über die Seidenstrasse gelangte so der Buddhismus von Indien bis nach China, wo er zeitweise sogar zu etwas wie einer Volksreligion aufstieg. Ende des 4. Jahrhunderts eroberten die Toba, ein Nomadenvolk, den Norden von China. Aus ganz praktischen Gründen machten sie den Buddhismus zur Staatsreligion. Wenn ein Volk an den friedfertigen Buddhismus glaubt ist es leichter regierbar. Ein Mönch lässt die ersten Höhlen in die Felswand von Yungang schlagen. „Der Kaiser ist weise und liebt den Buddhismus, ist er nicht der lebende Buddha?". Mit dieser raffinierten Verknüpfung von göttlicher und weltlicher Macht, sichert er die Zustimmung für die neue Religion. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Tempel in den Yungang Grotten vergessen. Plünderer und Kunstdiebe raubten tausende Reliefs und Heiligenköpfe. Viele davon findet man heute in angesehenen Museen und Sammlungen auf der ganzen Welt. Später dienten die Buddhahöhlen den Menschen die in den naheliegenden Kohleminen arbeiteten, als Lagerschuppen und Viehställe. Erst 1950 wurden die noch erhaltenen 53 Höhlen unter staatlichen Schutz gestellt und die Siedlungen an und oberhalb der Höhlen abgerissen.
Mächtige Mauern beschützen eine Stadt im chinesischen Norden die im 16. Jahrhundert zum idealen Ort für Geschäfte wurde. Pingyao. Hier kreuzten sich zwei wichtige Handelsrouten. Jedes Haus beherbergte einst einen Laden, eine Wechselstube oder eine kleine Manufaktur. Es war eine geschäftige Stadt. Heute zeigt sie sich so wie eine typische chinesische Stadt vor 300 Jahren. Pingyao hat sich als Stadt der Banken einen Namen gemacht. Hier wurde 1823 der erste Wechsel in China ausgestellt. Ein Händler war es leid, dass seine Verkäufer immer wieder von Räuberbanden überfallen wurden und ohne den Erlös ihrer Geschäfte heimkamen. Er erfand den bargeldlosen Handel. Von da an wurden mit Wechseln aus Pingyao bis in die entlegensten Ecken Chinas Geschäfte abgewickelt. Heute hofft man in Pingyao auf Wohlstand durch Tourismus. Es gibt Pläne die letzten Bewohner der Altstadt auszusiedeln diese komplett zum Freilichtmuseum zu machen.
Im vierten Jahrhundert floh das Volk der Hakka in die unzugänglichen Täler von Chinas Südosten. Hakka bedeutet „an einem fremden Ort“. Die Knochen ihrer Vorfahren nahmen sie ebenso mit auf die tausende Kilometer lange Reise wie ihren Hausstand. Aber auch ihre Tugenden brachten sie mit. Fleiß, Tapferkeit, Gemeinschaftsgeist. Ihre Häuser, die Tulou-Rundbauten, entfalten eine einmalige Architektur - eine Art Reihenhäuser im geschlossenen Kreis. Das Wort Tulou bedeutet. „Runde-Stockwerk-Dörfer". Einzigartig auf der Erde. Über sechs Jahrhunderte haben die Hakka Tausende von Rundhäusern gebaut, ihren Stil entwickelt, verfeinert und den landschaftlichen Möglichkeiten angepasst. Die Tulou sind Gebäude die ihre Bewohner gleichsam umarmen und behütet aufnehmen. Bis heute bauen die Hakka ihre Tulou.
„Jeder Kaiser muss, wenn er seine offiziellen Pflichten erledigt hat, einen Garten haben in dem er müßig schlendern, Ruhe für Herz und Gedanken finden kann. Fehlt ihm ein solcher Ort, verliert er seinen starken Willen, erlahmt bald sein Eifer in der Regierung."
Mit dieser Begründung erzwang Kaiser Qianlong Mitte des 18. Jahrhunderts die Bewilligung von Geldern für seinen Traum. Der Sommerpalast übertraf dann alles, was vor den Toren Pekings an kaiserlichen Residenzen angelegt worden war. Der Sommerpalast war auch der Lieblingsort von Cixi, der letzten Regentin Chinas. Ahnenkult und Konfuzianismus lehnte sie ab, weil bei beiden die Frauen nur als Mütter von Söhnen etwas gelten. Als sich China 1860 weigerte, Engländern und Franzosen große Gebiete für ihren Handel abzutreten, zerstörten die ausländischen Truppen alle kaiserlichen Gärten, auch den Sommerpalast. Die 17- Bogenbrücke blieb unversehrt. Cixi, Konkubine des 1861 gestorbenen Kaisers, Mutter des einzigen Thronerben, wurde Regentin. Sie wollte die Schmach der Zerstörungen schnell vergessen und ließ ohne Rücksicht auf das verarmte Volk die Kulissen der Macht wieder aufbauen.
Im Zentrum von Peking erstreckt sich eine eigene Welt, abgeschlossen und fremd - die Verbotene Stadt. Eine größere Palastanlage wurde niemals gebaut. Hier feierten die chinesischen Kaiser sich selbst und ihre göttliche Abstammung, hier ließen sie sich verehren als Söhne des Himmels. Kaiser Jong Le nutzte im 15. Jahrhundert eine Zeit des Friedens um sich eine Heimstatt auf Erden zu bauen. Dieser Ort, Nabel der Welt, Zentrum des Universums, sollte den Namen tragen: „Die Himmlische Verbotene Stadt“. An die tausend Bauten sollten entstehen, Hallen, Pavillons, Höfe und Gärten. Um den Palast zu errichten, wurde ein unüberschaubares Heer von Arbeitskräften aufgeboten. Über eine Million einfacher Arbeiter und zehntausende der besten Handwerker aus allen Teilen des Reiches wurden hierher abkommandiert. Die Paläste selbst bestehen fast ganz aus Holz, nur ihre Fundamente sind aus Marmor. Vor dem goldenen Thron des angebeteten Kaisers spielten sich dem Alltag entrückte Momente, Rituale und Zeremonien ab, die Harmonie ausstrahlen sollten bis in die fernsten Winkel des Reiches. Kaiserinnen und Konkubinen, Generäle und Eunuchen, Minister und Mandarine. Alle haben sie ihre Spuren in der Verbotenen Stadt hinterlassen. Der einfachen Bevölkerung war der Zugang verboten, daher ihr Name. Das Schauspiel ist längst zu Ende, hallt aber bis heute nach.
Die wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt" erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern.

Autor: Goggo Gensch\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 12.06.2016 um 06:45 Uhr auf SR.