Über Jahrtausende erfuhren Tauben eine hohe Wertschätzung. Im alten Ägypten stehen sie hoch im Kurs, als Nahrungsmittel und beste Düngerlieferanten. Und schon in der Antike nehmen Seefahrer sie bei ihren Fahrten mit, denn Tauben fliegen immer zurück zu ihrem Heimatschlag. So melden sie die baldige Ankunft eines Schiffes und bei Sturm gilt ihr Eintreffen als Hilferuf - das SOS der Antike. Tauben werden sogar als fliegende Postboten eingesetzt. Die Zitadelle von Kairo, um 1250 das Machtzentrum der Mamelucken, war zugleich ihre "Hauptpost", die Drehscheibe des frühen Taubenpostverkehrs. 1850 eröffnet Julius Reuter mit rund 40 Tauben eine Nachrichtenagentur in Aachen und befördert - schneller als die Eisenbahn - die gefragten Börsen- und Wirtschaftsnachrichten der Zeit. Damit legt er den Grundstock für das heutige Weltunternehmen mit Sitz in London. Die fliegenden Boten haben sich auch als gefiederte Soldaten bewährt, in beiden Weltkriegen. Sie retten Menschenleben und beeinflussen Kriegsstrategien. Doch wie orientieren sich Botentauben?
Der Schweizer Taubenforscher Hans-Peter Lipp kennt ihren verblüffenden Magnet-, Geruchs-, Hör- und natürlich Sehsinn und er ist überzeugt, es gäbe noch einen weiteren geheimnisvollen Sinn zu entdecken. Von den Supersinnen ihrer Lieblinge profitieren auch die Taubenzüchter. Auf Wettflügen fliegen sie ihnen Millionen ein, zum Beispiel beim schwersten Taubenrennen der Welt in Sun City in Südafrika.
Film von Volker Arzt und Claudia Pachnicke
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 08.04.2016 um 15:15 Uhr auf RBB.