Was für ein Gebimmel! An beiden Enden der Hauptstraße von Ötzingen im Westerwald steht je eine kleine Kapelle und immer wenn im Dorf jemand Geburtstag hat läuten zwei Rentner beide Glocken. Hubert Marx legt sich am südlichen Ende der Hauptstraße ins Zeug, Manfred Linden zieht am nördlichen am Seil. Und dann gibt es ja auch noch die katholische Kirche genau auf der halben Wegstrecke zwischen beiden Kapellen. Sind die Menschen in Ötzingens Hauptstraße besonders fromm?
Sie sind auf jeden Fall besonders treu, standorttreu nämlich. In anderen Gemeinden zieht die junge Generation fort, in Ötzingen bleiben junge Leute gerne wohnen. "Oft haben die Kinder ans Elternhaus angebaut und auch von der Enkelgeneration bleiben viele hier wohnen", sagt Ansgar Ritz, der Bürgermeister von Ötzingen. Er selbst hat sich in der Hauptstraße die Scheune des Elternhauses zum Wohnhaus umgebaut. Jeden Morgen vor der Arbeit geht er rüber, um in der Küche seiner Mutter einen Kaffee zu trinken, eine liebgewonnene Tradition. Eine relativ junge, aber schon fest etablierte Tradition ist das Straßenfest in der Hauptstraße, das jeden Sommer stattfindet.
Im Moment sind die Bewohner schon eifrig fürs nächste Fest am planen. Sie treffen sich einmal in der Woche im Festsaal des Dorfgasthofs, der ist in Ötzingens Hauptstraße nach wie vor das Zentrum des Dorflebens.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 20.03.2016 um 18:05 Uhr auf SWR.