* Irak: Bikers Club
In Bagdad, der vom Krieg schwer versehrten Stadt, träumt ein Club von Bikern von der großen Freiheit auf zwei Rädern …
Bilal ist ihr Präsident, Jalal schneidert die Kutten, und Mohammed schraubt an den Maschinen. Die drei sind der harte Kern in diesem Club von hundert Gleichgesinnten von jung bis alt, die sich immer am Freitag treffen, dem „muslimischen Sonntag“, um alle gemeinsam mit ihren Maschinen im Konvoi durch Badgad zu donnern; auf ihren Rücken prangt stolz ihr Badge: Iraq Bikers.
Sie sind keine Outlaws, wollen mit Rotlicht, Drogen und Waffen nichts zu tun haben. Alle haben Jobs, viele sind Familienväter, sie lieben es, den Wind im Gesicht zu fühlen, die Vibrationen ihrer Motoren zu spüren und den Sound der Maschinen zu genießen. Sie sehen aus wie die Biker im Westen, mit Stiefel, Lederjacke und Kutte, aber ihre Freiheit endet an den Grenzen ihres Landes. Natürlich träumen sie davon, zu Treffen zu fahren, in andere Länder, aber die Grenze des Irak ist zu – ihnen bleibt nur Facebook, um internationale Kontakte zu knüpfen. Für ihre Landsleute sind sie auf den ersten Blick beinahe gefährlich exotisch. Also versuchen sie Vorbild zu sein, sie engagieren sich sozial, helfen der Polizei und geben in diesem von Religionskriegen bedrohten Land ein gutes Beispiel für Toleranz: Bilal und Mohammed sind Moslems, Jalal ist Christ. Sie akzeptieren sich, wie sie sind, sie diskutieren niemals über Religion und auch nicht über Politik. Wie alle Biker reden sie am liebsten Benzin …
* Kosovo: Land ohne Zukunft?
Über 300 Kosovaren sollen als IS-Kämpfer nach Syrien gegangen sein - gemessen an den 1,8 Millionen Einwohnern ein trauriger europäischer Rekord …
Viele Kosovaren wollen weg aus ihrer Heimat, die wenigsten allerdings wählen die radikale Lösung – die meisten wollen vor der Misere in ihrer Heimat lieber in die EU flüchten. Doch dort bekommen sie kein Asyl, weil ihr Land nicht mehr auf der Liste für politische Verfolgung steht. Seit 2008 ist das Kosovo unabhängig, doch trotz aller Hilfen der EU, finanziell und personell, kommt das Land wirtschaftlich nicht auf die Beine. Natürlich hat die Finanzkrise die Lage nicht gerade erleichtert.
Armut und gut 30 Prozent Arbeitslosigkeit lösen vor allem in jungen Leuten das Fernweh aus – die radikalen Videos des IS locken seit Neuestem nicht mehr nur mit der Lust am Töten im Namen Allahs, sondern auch mit idyllischen Bildern von einer Art islamistischem Disneyland, in dem bewaffnete Männer in Uniform mit Kindern auf dem Arm, begleitet von ihrer Ehefrau in Burka plus Kinderwagen, in der Sonne spazieren gehen. Sie rufen auf zu einem gottesfürchtigen Leben nach ihrer eigenen perversen Art und Weise.
Die ARTE-Reporter zeigen ein Land, dessen Menschen auf Europa hoffen, immer noch, dem aber die Dämonen der neuen Religionskriege und die wirtschaftliche Not immer härter zusetzen.
Aktuelle europäische und internationale politische Themen und Herausforderungen, ergänzt durch historische Erläuterungen und geopolitische Analysen. ARTE Reportage berichtet über die Fakten und die menschlichen Verhältnisse, die sich hinter diesen Fakten verbergen. Durch die Sendung führen abwechselnd Andrea Fies und William Irigoyen, jeden Samstag.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 19.03.2016 um 17:05 Uhr auf arte.