Die Jagd lohnt sich nur früh am morgen. Uwe sammelt Super-8-Filme. Um kurz nach 7.00 Uhr streift er über den Frankfurter Flohmarkt. Viele Verkäufer sind noch am Auspacken. Aber Super-8-Filme sind rar und die Konkurrenz schläft nicht. Deshalb ist der Kunststudent um kurz nach 6.00 Uhr mit der S-Bahn aus Mainz gekommen. Er hat Glück: nach einer halben Stunde wird erfündig. Unter einer Kamera und allerlei anderen technischen Geräten versteckt, findet er bei einem polnischen Verkäufer einige Super-8-Film-Spulen. Stückpreis 5 Mark. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. 'Feiern 1971' steht auf einer der Spulen. Jede birgt einGeheimnis.
Martin Schwarzer ist seit 4.00 Uhr in der Nacht unterwegs. Der Profi kommt aus Recklinghausen. Jedes Wochenende verkauft er auf einem der großen Märkte. Er hat sich auf Sakrales spezialisiert: alte Kreuze, Bibeln, Heiligenbilder. Heute hat er ein Biedermeierbild mitgebracht. Für 100 Mark in Belgien eingekauft. '900 Mark soll es schon bringen,' sagt er. Aber die Geschäfte laufen nicht so gut an diesem Samstag: 'Zu wenig echte Sammler unterwegs', sagt er. Doch kurz vor Ende des Marktes um halb eins, gibt es doch noch einen ernsten Interessenten. Und der ist mindestens genauso gewieft wie der gestandene Profi. Das Feilschen beginnt. Martin Schwarzer ist einer von rund 500 Verkäufern, die auf dem Frankfurter Flohmarkt ihre Waren anbieten: Profis, Laien, Hausfrauen - alle hoffen sie auf guten Umsatz. Über 20.000 Besucher des Marktes sind potenzielle Käufer.
Mario zieht erst gegen 11.00 Uhr mit seinem Handwagen los. Der Ex-Junkie sammelt Sperrmüll und fertigt Modeschmuck an. Die Standgebühren auf dem offiziellen Flohmarkt kann er sich nicht leisten. Deshalb verkauft er auf dem Eisernen Steg, der Brücke über den Main, die den Flohmarkt mit der City verbindet. 100 Mark nimmt er an diesem Tag ein - ein Zusatz zu seiner Sozialhilfe mit der Mario fest rechnet. Schließlich muss er außer für sich auch noch seine zwei Hunde versorgen.Der Flohmarkt bringt sie alle zusammen: die Profihändler, die Familien, die süchtigen Sammler, die kleinen Nebenexistenzen. Woher die Waren kommen, die hier verkauft werden: so genau weiß man das nicht. Angeboten wird alles vom Handy über Kleidung und Antiquitäten bis zu afrikanischer Kunst fürs Wohnzimmer und Topflappen für die Küche.
Kai Diezemann hat einige Flohmarktler begleitet. Beim Verkauf, beim Feilschen, beim Sammeln und beim Einkaufen. Beim Einpacken am frühen Morgen und beim Resümee am Nachmittag. Die Laien und die Profis. Die Erfolgreichen, die gutes Geld verdienen und die Gestrandeten, die ein paar Mark suchen um sich über Wasser zu halten.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 08.03.2016 um 15:00 Uhr auf EinsPlus.