Themen:
* China: Männer in Not: Chinas Männer finden keine Frauen mehr – eine Folge der Ein-Kind-Politik und der systematischen Abtreibung weiblicher Embryos über Jahrzehnte. In China leben heute 30 bis 40 Millionen mehr Männer aus Frauen, in den nächsten fünf Jahren wird deshalb einer von fünf Männern schon aus rein mathematischen Gründen keine Frau zum Heiraten finden. Vor allem in manchen ländlichen Regionen finden sich ganze Dörfer, in denen vor allem Junggesellen mit ihren Eltern leben. Die wenigen jungen Frauen dort flohen in die Städte, um dort einen „reichen Mann“ zu heiraten. Manche Herren aus den Junggesellen-Dörfern reisen auf der Suche nach der Dame ihres Herzens weit in andere Regionen Chinas. Einige fahren sogar ins Ausland, nach Myanmar, Vietnam oder Indonesien, um sich dort eine Frau zu kaufen. Sogar in den Industriegebieten wie dem Perlfluss-Delta, einem der größten Wirtschaftsräume Chinas, sind Frauen Mangelware und heiß umworben von den jungen Arbeitern dort. Die Not der Männer ohne Frauen ist so groß, dass kriminelle Banden sich darauf spezialisiert haben, Frauen zu entführen und sie weit von ihren Heimatregionen entfernt an heiratswütige Männer zu verkaufen.
Offiziell hat China jetzt nach immerhin 35 Jahren die Ein-Kind-Politik beerdigt, aber das ganze Land trägt schwer an ihrem Erbe, dem massiven Ungleichgewicht der Geschlechter und der daraus resultierenden tiefen Verzweiflung der Männer ohne Frauen: Man nennt diese Unglücklichen auch „Guang Gun – Tote Äste“, weil sie niemals Früchte tragen werden.
* USA: Häuser für Obdachlose: „Housing Works“ holt viele Obdachlose in Los Angeles von der Straße - mit einer ganz neuen Methode.
Die Sozialarbeiter von Housing Works nehmen sich vor allem der scheinbar hoffnungslosen Fälle an, Männer und Frauen, die schon Jahre und Jahrzehnte auf der Straße leben, die suchtkrank sind oder psychiatrische Probleme haben. Bislang war es Bedingung, dass diese Obdachlosen erst einmal ihre Alkohol- oder Drogenprobleme lösen sollten, ehe sie eine Wohnung vermittelt bekamen. Housing Works sieht das anders: Sie vermitteln ihnen zuerst eine Wohnung und arbeiten dann mit ihnen an ihrer neuen Integration in die Gesellschaft. Die Wohnung ist für sie das Symbol des Neuanfangs und der Ort, das Leben von dort aus in den Griff zu bekommen.
Diese neue Methode überzeugt die Behörden in den USA mehr und mehr, vor allem finanziell: Ein Obdachloser kostet die Gemeinschaft im Jahr bis zu 150.000 Dollar, durch die Kosten für eventuelle Behandlungen in Notaufnahmen, Vertreibung oder Festnahme durch die Polizei, Gefängnis oder Massenunterkunft. Dagegen kostet es die Behörden nur etwa 25.000 Dollar pro Jahr, sich um einen ehemaligen Obdachlosen in einer Wohnung zu kümmern. In den USA hat der Bundesstaat Utah auf diese Weise bis jetzt 91 Prozent seiner Obdachlosen geholfen – „Housing first“ war zunächst von der Regierung unter Barack Obama ins Leben gerufen worden, um bis 2016 alle obdachlosen Armee-Veteranen von der Straße zu holen.
Produzent: ARTE\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 05.03.2016 um 17:05 Uhr auf arte.