Auf dem Gemälde "Die Ricotta-Esser" (1580) von Vincenzo Campi sind eine Frau und drei Männer abgebildet, die genüsslich einen ganzen Ricotta essen. Dabei galt die Naschsucht als schweres Laster, sie zählte sogar zu den sieben Todsünden. Vincenzo Campis Ricotta-Esser lassen sich davon nicht beirren. Sie geben sich ihrem Genuss mit einer Freude hin, die über die einfache Nahrungsaufnahme weit hinausgeht. Beim Betrachten des urwüchsig-sinnlichen Ölgemäldes aus der italienischen Renaissance meint man fast, man könne den Ricotta auf der Zunge spüren.
Das Genrebild verblieb zu Campis Lebzeiten im Atelier, wurde später mehrfach verkauft und schließlich 1875 dem Musée des Beaux-Arts in Lyon vermacht. Das Bild lädt den Betrachter auf eine Reise in die Heimat des italienischen Küchenchefs Roberto Rispoli ein. Der Sternekoch aus Rom fühlt sich durch das Motiv an die Sonntage mit seiner Familie erinnert, als alle den frischen Ricotta direkt mit dem Löffel aßen. Noch heute wird der Käse von den sizilianischen Schäfern nach traditionellem Rezept hergestellt.
Gemeinsam mit dem Olivenölhersteller Cédric Casanova enthüllt Roberto Rispoli die Geheimnisse der Fabrikation dieses Weichkäses und lädt den Zuschauer auf einen Rundgang in seinen eigenen Olivenhain ein, von dem das im Restaurant verwendete Öl stammt. Seit Jahrtausenden sind dessen gesundheitsfördernden Eigenschaften bekannt. Die ausgewiesene Olivenölexpertin Fabienne Roux verkostet sein Produkt und analysiert dessen besonders intensiven Geschmack.
Zu Wort kommen in der Sendung Roberto Ripolin, Koch des Pariser Sternerestaurants "Il Carpaccio" im Hotel "Le Royal Monceau", Ludmila Virassamynaïken, Kuratorin am Musée des Beaux-Arts in Lyon, der Ernährungshistoriker Allen Grieco, Salvatore Campisi und Francesco Turano, beide Ricotta-Hersteller auf Sizilien, die Olivenölspezialistin Fabienne Roux sowie der sizilianische Olivenölhersteller Cédric Casanova.
Die Dokumentationsreihe "Augenschmaus" bietet kulinarische Ausflüge in die Welt der Kultur: Ausgehend von Kunstwerken, welche die typische Küche einer bestimmten Epoche in Szene setzen, analysieren Kunsthistoriker und Geschichtswissenschaftler die Gastronomie dieser Zeit. Was aßen die Menschen damals? Welche Essgewohnheiten und Rituale hatten sie? Wie sahen Besteck und Geschirr aus? Auch der historische Kontext und die künstlerische Strömung, der das jeweilige Werk angehört, werden beleuchtet.
Dokumentationsreihe Frankreich 2014
Regie: Franck Gombert\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 27.02.2016 um 05:15 Uhr auf arte.