Mit den Anschlägen von Paris am 13. November erlebt die Flüchtlingsdebatte einen traurigen Höhepunkt: An einem der Tatorte wird ein syrischer Pass gefunden - ausgestellt auf Ahmed Almohamed, der auf der Balkanroute als Flüchtling registriert wurde. Markus Söder twittert: "#ParisAttacks ändert alles. Wir dürfen keine illegale und unkontrollierte Zuwanderung zulassen." Affekt oder Überzeugung? Selbst Seehofer distanziert sich. "Wir müssen dringend darauf achten, dass wir nicht aus den Opfern Täter machen", sagt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Und doch gibt es eine Verbindung zwischen den Flüchtlingen und dem Anschlag: Der IS nutzt die Debatte, um die Gesellschaft zu spalten - und trifft einen wunden Punkt.
Nicht erst seit diesem verhängnisvollen 13. November stellt sich die Frage: Was sind wir für ein Land? Wie gehen wir mit den Menschen um, die bei uns Schutz und Zukunft suchen? Noch im Sommer steht Deutschland für Offenheit und Mitgefühl. Nach "Blitzkrieg" und "German Angst" macht das Wort "Willkommenskultur" weltweit Karriere. Wir haben Grund, stolz auf uns zu sein - trotz Pegida, trotz Heidenau und Höcke.
"Wir schaffen das!" - das ist Merkels Mantra. Doch schnell wird klar: der Zustrom der Flüchtlinge schafft auch Probleme. Unterbringung, Integration, Beschäftigung - nur mit Ehrenamt und Euphorie ist das kaum zu stemmen. Die Flüchtlingszahlen steigen, Merkels Umfragewerte sinken. Das Volk murrt - und viele Bürger sind besorgt. Es sind schon längst nicht mehr "nur" die Rechten, die die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung kritisieren. Es ist auch nicht mehr "nur" der Osten, der jetzt lautstark fremdelt. In Altena im Sauerland brennt eine Flüchtlingsunterkunft - nach Angaben der Polizei kommen die Täter nicht aus der rechtsextremen Szene. Der Grund für die Tat: "Ärger über den Einzug von Flüchtlingen." Aus Ärger wird Hass, aus Hass wird Gewalt. Die Stimmung ist gefährlich. Und dann auch noch: das Drama Paris.
Mehr denn je stellt sich seitdem die Frage: Was sind wir für ein Land? Wie viel Menschlichkeit darf sich ein Staat leisten? Schwierige Fragen - interessante Antworten: Der Historiker Jörg Barberowski sieht Merkels Politik kritisch, Schriftsteller Navid Kermani hingegen ist im Sommer ein echter Merkel-Fan geworden. Der ARD-Journalist Rolf-Dieter Krause wertet nicht - er analysiert. Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz beteiligen sich an der Debatte. Außerdem im Interview: Journalist Georg Mascolo, Filmemacher Hubertus Koch und der syrische Flüchtling Jigar Isso.
Gesprächsbedarf gibt es reichlich. Denn diese eine Frage bestimmt maßgeblich die Zukunft unseres Zusammenlebens: Was sind wir für ein Land?
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 23.02.2016 um 16:45 Uhr auf PHOENIX.