

Die Hitzewelle Ende Juni hat gezeigt: Deutschland ist schlecht vorbereitet, wenn es um den Schutz gegen Extremtemperaturen von über 40 Grad geht. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts sind mehr als 5000 Menschen infolgedessen gestorben. Die Zahl der Hitzetoten übertrifft damit schon jetzt zur Jahresmitte die Werte der Vorjahre bis einschließlich 2020. Dabei ist der jetzige Sommer nicht der erste, der temperaturmäßig aus dem Ruder läuft.
Gäste:
* Malte Kreutzfeldt, Table Media
* Claudia Reiser, MDR
* Miriam Scharlibbe, Mannheimer Morgen
* Tim Szent-Ivanyi, RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schon 2003 wurden in Deutschland ähnlich hohe Temperaturen gemessen, ganz Europa litt damals unter einer extremen Hitzewelle. Während Frankreich daraufhin eine radikale Kehrtwende im Gesundheitsschutz einleitete, um Alte, Kranke und Schwache besser zu schützen, ist in Deutschland seither wenig passiert. Warum nicht? Noch immer sind die meisten Krankenhäuser und Pflegeheime nicht klimatisiert, die Operationssäle ebenso wenig. Viele Menschen leben in schlecht gedämmten Dachgeschosswohnungen, was gerade in den Städten zu noch höheren Innentemperaturen führt, weil dort immer mehr Böden versiegelt sind - also betoniert, asphaltiert oder bebaut. Gemessen an der Katastrophe, die sich Ende Juni zehntausendfach im Stillen abgespielt hat, war die öffentliche Debatte über die Folgen der Hitzewelle bisher aber erstaunlich leise. Während die Grünen fordern, in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen, Kitas und Schulen sofort Klimaanlagen einzubauen, sagt die Bundesregierung, das sei Aufgabe von Ländern und Kommunen. Die bekämen schließlich 100 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz. Die Koalition will prüfen, ob Klimaschutz im Grundgesetz künftig als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern verankert werden muss, damit die Finanzierung dafür gesichert ist. Denn angesichts von kommunalen Rekordschulden in Höhe von 30 Milliarden Euro fällt Hitzeschutz häufig hinten runter. Ist der Rückstand bei Klima-Anpassungsmaßnahmen also eine Frage fehlenden Geldes oder eine der föderalen Zuständigkeiten?
Im ARD-Presseclub diskutieren Journalistinnen und Journalisten aus dem In- und Ausland aktuelle politische Ereignisse und Entwicklungen. Im Dialog entsteht ein Wettstreit der Meinungen und Interpretationen aktueller politischer Vorgänge. Durch die Sendungen führen im Wechsel Volker Herres, Jörg Schönenborn und Sonia Seymour Mikich. Im anschließenden „Presseclub nachgefragt“ können Zuschauerinnen und Zuschauer über die WDR 5 Hotline mit den Beteiligten der Sendung weiterdiskutieren und Fragen stellen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 12.07.2026 um 12:00 Uhr auf Phoenix.