ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

artour

Das Kulturmagazin des MDR
Freitag, 08.05.2026 01:30 Uhr
MDR
Freitag
08.05.2026
01:30 Uhr
Teilen:

Themen der Sendung:

* Chemnitz ringt um sein Theater - Kultur zwischen Anspruch und Kassenlage

Nach dem Glanz der Kulturhauptstadt steht Chemnitz vor einer Entscheidung zwischen Pest und Cholera: Soll die Stadt eine riesige Summe - die Chemnitz eigentlich nicht hat - für die Sanierung seines stillgelegten Schauspielhauses aufwenden oder die Spielstätte schließen? Wie geht es weiter mit den Spielstätten des Mehrspartenhauses?

Das Schauspielhaus ist seit Jahren geschlossen, gespielt wird im Spinnbau - der noch immer als Provisorium gilt, denn die umgebaute Werkskantine hat weder Bühnenturm noch Drehbühne. Gleichzeitig wächst der Druck, auch das Opernhaus zu sanieren. Dabei geht es vor allem um Geld: Chemnitz kann innerhalb der nächsten 12 Jahre auf rund 105 Millionen Euro, auf ein Sondervermögen vom Bund, zugreifen. Doch wie dieses Geld eingesetzt werden soll, ist umstritten. Einige wollen sich auf die Sicherung des Opernhauses beschränken, mit Kosten um die 20 Millionen. Andere wollen eine große Lösung aus Opernsanierung und möglichem Neubau - mit Kosten von bis zu rund 75 Millionen Euro.

Gleichzeitig ist klar: In Chemnitz gibt es viele Baustellen - nicht nur die Theater. Gegen diese Großsanierung regte sich Protest. Die Stadt diskutiert mehrere Varianten - von der Sanierung des alten Schauspielhauses über einen Neubau bis hin zum radikalsten Vorschlag: Alle Sparten unter einem Dach im Opernhaus zu bündeln. Das hieße: Alle Sparten müssen sich eine Bühne teilen. Das würde eine massive Einschränkung des künstlerischen Programmangebotes bedeuten. Die Chemnitzer Theatermacher warnen vor einem Theaterkahlschlag. Im Stadtrat gibt es keine klaren Mehrheiten. Die Entscheidung wird zur politischen Kraftprobe - zwischen Sparzwang, kulturellem Anspruch und den Erwartungen nach dem Kulturhauptstadtjahr 2025.

"artour" blickt hinter die Kulissen der Debatte, spricht mit dem Oberbürgermeister, Stadträten und den Theatermachern - und fragt: Was ist der Stadt ihr Theater wert und was kann sie bezahlen?

(Autor: Dennis Wagner)


* Buch von Katja Hoyer über die Stadt Weimar

Eine Stadt im Brennglas: In ihrem neuen Buch "Weimar. Glanz und Grauen der deutschen Geschichte" zeigt die deutsch-englische Historikerin Katja Hoyer, wie eng kulturelle Blüte und totalitäre Barbarei beieinander liegen können. Weimar ist die Stadt, in der die erste demokratische Verfassung Deutschlands verabschiedet wurde, die Stadt des Bauhauses und Lieblingsstadt Adolf Hitlers, Wiege der deutschen Klassik und zugleich Standort eines der größten Konzentrationslager während der Nazidiktatur. 1937 wurde es auf ausdrücklichen Wunsch des Weimarer Gauleiters Fritz Sauckel hier errichtet. Weil es weder mit dem Namen der Stadt noch mit dem des Ettersbergs verbunden werden sollte, auf dem Goethe einst wanderte, nannten es die Nazis euphemistisch "Buchenwald".

"Wie konnte sich Deutschland binnen weniger Jahre von einer der liberalsten Demokratien der Welt in eine völkermörderische Diktatur verwandeln? Welche Entscheidungen trafen einfache Deutsche, die diese Entwicklung möglich machten?" Katja Hoyer entfaltet 30 Jahre Stadtgeschichte zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg anhand ausgewählter Biographien: des Buchbinders Carl Weinrich, der Schwester des Philosophen Friedrich Nietzsche, Elisabeth Förster-Nietzsche, der jüdischen Hotelbesitzerin Rosa Schmidt und vieler anderer.

"artour" hat Katja Hoyer am King’s College in London zum Interview getroffen und sie gefragt, warum ausgerechnet Weimar wie kein anderer Ort für die Extreme des 20. Jahrhunderts steht und inwiefern die Geschichte der Stadt exemplarisch in unsere Gegenwart verweist.

(Autor: Rayk Wieland)


* Umgang mit dem Ukrainekrieg in Russland - Dokfilm "Innere Emigration"

Die Dokumentarfilmerin Lena Karbe hat heimlich über einen längeren Zeitraum drei Psychologen in Moskau begleitet, die ehrenamtlich eine Krisenhotline betreiben. "Innere Emigranten" heißt ihr Dokfilm, der am 14. Mai in die Kinos kommt.

Diese Krisenhotline besteht seit Beginn des militärischen Überfalls Russlands auf die Ukraine. Der Film ist das Psychogramm einer Gesellschaft von Menschen, die angesichts des autoritären Drucks versuchen, ihr Seelenheil im Privaten zu finden. Es rufen Menschen an, die entweder einen Angehörigen im Ukrainekrieg verloren haben oder bei denen beim Thema Putin ein Riss durch ihre Familien geht. Die Psychologen versuchen, den Anrufenden hilfreich und neutral beizustehen, aber nicht selten fällt es ihnen schwer, objektiv zu bleiben und persönliche Ansichten zurückzuhalten.

(Autor: Jens-Uwe Korsowsky)


* Fotobuch der preisgekrönten Journalistin Anja Niedringhaus

Mehr als 30 Jahre Leben und Arbeiten mit und für die Fotografie: Anja Niedringhaus dokumentierte mit ihrer Kamera, was der Krieg mit Menschen macht und was die Menschen im Krieg tun - auf dem Balkan, im Irak, in Libyen, in Gaza und in Afghanistan. Doch als "Kriegsfotografin" hat sie sich nie verstanden. 2005 erhielt sie den Pulitzer-Preis. 2014 wurde sie in Afghanistan von einem Polizisten erschossen, als sie unterwegs war, um für die Nachrichtenagentur AP über die Präsidentschaftswahl zu berichten. Ihre Schwester Gide Niedringhaus hat jetzt ihren fotografischen Nachlass herausgegeben. Das Buch erscheint im Steidl-Verlag.

(Autor: Oliver Schmid)


* Kulturkalender

- "Der verlorene Mann", Spielfilm mit Dagmar Manzel, Kinostart 7. Mai
- "Der fantastische Gerhard Altenbourg - Ausstellung zum 100. Geburtstag", 12.05. bis 16.08.2026
- Angélique Kidjo & Band - Festival Woman in Jazz, 8. Mai

(Autorin: Lisa Ehrenburg)

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 08.05.2026 um 01:30 Uhr auf MDR.