ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

phoenix persönlich

Jessica Berlin (Sicherheitsexpertin) zu Gast bei Inga Kühn
Montag, 19.01.2026 00:15 Uhr
Phoenix
Montag
19.01.2026
00:15 Uhr
Teilen:
Bildquelle: ARD Foto
Bildquelle: ARD Foto

In der Sendung phoenix persönlich spricht Inga Kühn mit der Sicherheitsexpertin und Politikanalystin Jessica Berlin über das erste Jahr der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump.

Im Gespräch mit Inga Kühn warnt die deutsch-amerikanische Sicherheitsexpertin vor einer weiteren Erosion internationaler Regeln, vor geopolitischer Unberechenbarkeit und vor einem gefährlichen Vakuum europäischer Führung. Wir haben nicht ein Jahr Trump, sondern zehn Jahre Trump, so Jessica Berlin, die unter anderem für The Center for European Policy Analysis (CEPA) arbeitet. Trump habe systematisch die Grenzen des Sagbaren und des Machbaren verschoben, innen- wie außenpolitisch. Nach einem Jahr im Amt fühle er sich nun quasi grenzenlos und nur noch von seiner eigenen Moral begrenzt.

So kritisiert Jessica Berlin Trumps Anspruch auf Grönland und bezeichnet die offiziell angeführten sicherheitspolitischen Gründe als vorgeschoben: Es geht nicht um Sicherheitsinteressen der USA das ist faktisch falsch. Es ist eine klassische Trump-Verhandlungstaktik: Erst etwas Absurdes fordern und dann schauen, was man herausholen kann. Europa müsse hier klare Grenzen ziehen, um eine Eskalation zu verhindern.

Auch im Umgang mit dem Iran warnt Berlin vor Kurzschlussreaktionen. Zwar könne man Sympathie für die Protestbewegung empfinden, doch entscheidend sei das Wie. Donald Trump handelt nicht geostrategisch. Selbst wenn das Regime fällt er hat keinen Plan für den Tag danach. Ein militärisches Eingreifen ohne internationale Abstimmung könne Chaos erzeugen und einen fatalen Präzedenzfall schaffen.

Kritisch sieht die Sicherheitsexpertin auch den US-Militäreinsatz in Venezuela. Das sei ein Bruch mit internationalem Recht mit globalen Folgen: Trump habe genau das getan, was er anderen vorwerfe. Er habe eine Tür geöffnet, die eigentlich hätte geschlossen bleiben müssen. Damit liefere er autoritären Mächten wie Russland und China eine Blaupause für ihr eigenes Vorgehen.

Mit Blick auf die anstehenden Midterms in den USA sieht Berlin Chancen für eine demokratische Gegenbewegung, weist gleichzeitig aber auch auf Risiken hin: Selbst ein Wahlsieg der Demokraten könnte zu einer Verfassungskrise führen, wenn Trump sich über Institutionen hinwegsetzt. Europa dürfe deshalb nicht länger auf innenpolitische Korrekturen in den USA hoffen, sondern müsse eigenständig handeln. Es sei an der Zeit, aufzuhören, überrascht zu sein, so Jessica Berlin. Europa müsse bereit sein, sicherheitspolitisch Verantwortung zu übernehmen auch wenn dies wirtschaftliche und gesellschaftliche Opfer bedeute.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 19.01.2026 um 00:15 Uhr auf Phoenix.