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Das Kulturmagazin des MDR
Donnerstag, 29.01.2026 21:15 Uhr
MDR
Donnerstag
29.01.2026
21:15 Uhr
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* Wie unsterblich ist Ernst Thälmann? - Ostdeutschlands Thälmann-Straßen sollen verschwinden

"Thälmann vor allen - Deutschlands unsterblicher Sohn", heißt es in dem bekannten Arbeiterkampflied. Es wird seit 35 Jahren nicht mehr gesungen. Mit dem Ende der DDR verschwand auch der einstige KPD-Vorsitzende aus den Schulbüchern, dem öffentlichen Gedenken und wohl auch aus den Köpfen der Menschen. Doch auf vielen Straßen und Plätzen hält sich der Name Ernst Thälmann seit mehr als 35 Jahren beharrlich. Warum eigentlich? Das fragt sich die SED-Opferbeauftragte des Bundestages, Evelyn Zupke, und startete eine Initiative zur Umbenennung jener Straßen und Plätze, die Namen von Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck oder Otto Grotewohl tragen. Die ständige Präsenz dieser Namen würde bei den Opfern der SED-Herrschaft schmerzhafte Erinnerungen auslösen, so Zupke. Was aber hat Ernst Thälmann mit den Opfern der SED-Diktatur zu tun? Das fragen sich vermutlich manche Bürgermeister. Die Umbenennung von Straßen ist kommunale Angelegenheit, und es wird interessant zu erfahren, wie Bürgermeister und Bewohner vor Ort auf die Initiative der SED-Opferbeauftragten reagieren.


* Porträt des Pianisten Boris Giltburg

Boris Giltburg ist in diesem Jahr Artist in Residence bei den Dresdener Philharmonikern. Er gilt als sensibler und fesselnder Pianist und ist weithin anerkannt als führender Rachmaninow-Interpret. Die "Washington Post" lobt seine "singende Linie, die verschiedenen Anschlagsvarianten und die breite dynamische Palette, die ihn zu großen Energieschüben befähigt". Geboren ist Giltburg 1984 in Moskau, seine Familie wandert Anfang der 90er Jahre nach Israel aus. Mit fünf Jahren beginnt er Klavier zu spielen, mit 13 Jahren gewinnt er seinen ersten Klavierwettbewerb. Inzwischen konzertiert er in den renommiertesten Sälen der Welt, darunter die Elbphilharmonie in Hamburg und die Carnegie Hall in New York. Er spricht sechs Sprachen fließend, schreibt regelmäßig seinen Blog "Classical Music for All", der sich an Laien richtet, er übersetzt Lyrik, und er hat mit der Fotografie noch ein weiteres Hobby. Wie er das alles neben seiner immensen Konzerttätigkeit bewältigt und überhaupt schafft, was ihn mit der deutschen Sprache verbindet, was er an Dresden schätzt und bei Rachmaninow bewundert und wie Musik gerade in dunklen und schwierigen Zeiten nicht nur Eskapismus, sondern auch Inspiration sein kann – darüber hat Boris Giltburg mit „artour“ im Dresdner Kulturpalast und am Elbufer unter dem Blauen Wunder gesprochen.


* Dokumentarfilm "Triegel trifft Cranach"

Der Leipziger Maler Michael Triegel gilt als Solitär der zeitgenössischen Malerei. Seine Werke heben sich deutlich von denen seiner Kollegen der ‚Neuen Leipziger Schule‘ ab. Er malt wie die Alten Meister, nennt Michelangelo und Raffael seine Vorbilder. Berühmt wurde der Künstler für sein Papst-Porträt von Benedikt XVI.
Geboren in Erfurt, aufgewachsen in der DDR, war Triegel lange Atheist, bevor er im katholischen Glauben seine spirituelle Heimat fand.

Jetzt erscheint der Dokumentarfilm "Triegel trifft Cranach" über den Maler und dessen vielleicht persönlichstes Kunstwerk: Die Neugestaltung des Cranach-Altars im Naumburger Dom. Fast 500 Jahre, nachdem die Mitteltafel und die Predella von Lucas Cranach d.Ä. einem Bildersturm zum Opfer fielen. Doch nicht alle sind begeistert von Triegels Werk. Kurz nach der Einweihung 2022 meldet die UNESCO Kritik an und fordert, das Altarbild abzubauen. Andernfalls drohe der Verlust des Welterbe-Titels. Der Dokumentarfilm von Regisseur Paul Smaczny begleitet Michael Triegel bei dem herausfordernden Schaffensprozess, erkundet dessen künstlerische Wurzeln in Italien und ist ein sehenswertes Zeugnis über Kunst, die sich gegen äußere Widerstände zu behaupten weiß.


* Science-Fiction als Seelenerkundung: Woods of Birnam vertonen "Solaris"

„Solaris“ heißt das neuste Projekt der Dresdner Band "Woods of Birnam" um den Schauspieler und Sänger Christian Friedel. Ein Konzeptalbum, welches die dramatische Weltraum-Expedition zum mysteriösen Planeten Solaris zu Thema hat. Solaris ist von einem intelligenten Ozean bedeckt, der in der Lage ist, menschliche Erinnerungen zu materialisieren. Anstatt Kontakt mit den Forschern aufzunehmen, spiegelt Solaris immer nur das Wesen des Menschen selbst. Dem Album liegt der berühmte Science-Fiction-Roman des polnischen Autoren Stanisław Lem von 1961 zu Grunde. Die Geschichte um Solaris wurde mehrmals verfilmt, unter anderem von Andrei Tarkowski.

Der Schauspieler Christian Friedel, sehr erfolgreich geworden mit den Filmen "Das weiße Band", "Elser", "The Zone of Interest", hat aus Lems Vorlage ein Theaterstück inszeniert und mit seiner Band Songs beigesteuert. Mit diesen Solaris-Songs ist er nun auf Tour. Wir haben ihn in Leipzig getroffen.


Kulturkalender

* "Ein Kuchen für den Präsidenten" - Filmstart am 5.2.
* "Kohlhaas" - frei nach Heinrich von Kleist, Vogtlandtheater Plauen Zwickau, Premiere im Gewandhaus Zwickau am 30.1.
* Erfurter Band "Northern Lite" mit aktuellem Album "Vorwärts Leben" auf Tour: 31.1. Halle, 6.2. Jena, 7.2. Bautzen, 13.2. Zwickau

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 29.01.2026 um 21:15 Uhr auf MDR.