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artour

Das Kulturmagazin des MDR
Donnerstag, 18.09.2025 21:15 Uhr
MDR
Donnerstag
18.09.2025
21:15 Uhr
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* Welterbestatus in Gefahr - Streit um Triegel-Altar in Naumburg
Syzzo und Wilhelm sind nicht mehr zu sehen. Die Blickachsen sind gestört. Das ist jedenfalls die Ansicht von ICOMOS, einer Berater-Organisation der UNESCO, die davor warnt, dass der Naumburger Dom seinen Weltkulturerbe-Titel, den er seit 2018 besitzt, wieder verlieren könnte. Syzzo und Wilhelm sind zwei der insgesamt zwölf Stifterfiguren im weltberühmten Westchor des Doms. Zusammen mit Uta und Reglindis, Hermann und Ekkehard und den anderen stehen sie dort, so, wie sie der Naumburger Meister im 12. Jahrhundert erschuf, im Halbkreis um eine Mitte. Und in der Mitte steht, im Jahr 2022 feierlich geweiht, der große Altar mit den Flügeln von Lucas Cranach d.Ä. und einer vom Leipziger Maler Michael Triegel neu geschaffenen Mitteltafel. Für die Domstifter und die Kirchengemeinde ist die Rückkehr des Altars, der schon im 16. Jahrhundert hier stand, ein Glücksfall, nicht nur wegen der modernen Darstellung der Jesusgeschichte durch Triegel. Petrus trägt ein rotes Basecap. Der Dom sei nicht nur Museum, sondern auch aktiv genutzter Kirchenraum, sagt Domprediger Michael Bartsch. Die Gutachter von ICOMOS sehen hingegen, was sie nicht sehen wollen. Die Stifterfiguren seien teilweise vom Altar verdeckt, das Gesamtensemble damit nicht mehr welterbewürdig. Der Altar, eigens für diesen Standort geschaffen, müsse wieder verschwinden. Der Streit darüber schwelt seit Jahren, eine Lösung ist nicht in Sicht. Der vermeintliche Kompromissvorschlag der sachsen-anhaltischen Staatskanzlei, den Altar in eine dunkle Ecke des Doms zu versetzen, empört die Kirchenvertreter. Verhärtete Fronten, ein wackelndes Weltkulturerbe, eine Gemeinde, die sich übergangen fühlt, und ein Altarbild, das genau für den Ort in Auftrag gegeben wurde, an dem es jetzt nicht mehr stehen soll - wer blickt da noch durch? "artour", im Gespräch mit Michael Triegel, mit Pfarrer Michael Bartsch, mit Charlotte Tennler, Sprecherin der Vereinigten Domstifter, und mit Staatssekretär Sebastian Putz, versucht sein Bestes ...

* Film über die deutsche Retterin eines Welterbes in Peru "Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca-Linien"
In Deutschland ist sie weitgehend unbekannt. In Peru ist sie eine Heldin, es gibt Denkmäler, ein Museum über ihr Leben und der Flughafen von Nazca trägt ihren Namen. Maria Reiche: die Deutsche, die in Peru mit einem Strohbesen die Wüste kehrte.
"Ich habe nach dem Hauch, nach dem Atem, nach der Lebenskraft dieser Frau gesucht. Die Energie, die mir ihr Schicksal gab, alles, was sie in ihrem Leben geleistet hatte, hat mich als jungen Mann sehr geprägt." So beschreibt der Regisseur Damien Dorsaz im Interview mit "artour" seine Faszination. Er hat Maria Reiche kurz vor Ihrem Tod 1998 in Peru getroffen und war so beeindruckt, dass er jetzt, nach 17 Jahren Arbeit an diesem Stoff, seinen Film "Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien" präsentieren kann. Maria Reiche wurde 1903 in Dresden geboren, hat dort Mathematik, Physik und Geografie studiert und wurde 1932 Hauslehrerin beim deutschen Konsul in Peru. Zufällig stößt sie dort auf die sogenannten Nazca Linien, unbekannte Zeichen, Zeichnungen in der Wüste, teils kilometerlang, riesig. Das wird ihr Leben bestimmen: diese freizulegen, zu kehren, zu erforschen und sie vor der Zerstörung zu bewahren. Seit 1994 gehören die von ihr entdeckten, sogenannten Scharrbilder, zum UNESCO Welterbe.
Der Film wurde in der Wüste von Nazca, in der Nähe der originalen Bilder und Zeichnungen, gedreht. Denn die stehen jetzt unter Schutz, und so wurden für den Film kilometerlang, Meter für Meter, die Linien originalgetreu im Wüstenboden nachgebildet. Die stille Heldin Maria Reiche wird gespielt von Devrim Lingnau Islamoğlu. Und wie sie das macht, muss man einfach sehen. Am 25. September kommt der Film ins Kino.

* Figurentheater als Bildungserlebnis in Buchenwald
Ilka Vierkant erzählt in ihrem dokumentarischen Figurentheaterstück "ZweitZeuge" von der Begegnung zwischen der Enkelin eines NS-Täters und dem Holocaust Überlebenden Jean Vaislic. Das Stück ist eine Auseinandersetzung mit den Themen Schuld, Erinnerung und Verantwortung. Diese Woche wird es in der Häftlingskantine der Gedenkstätte Buchenwald aufgeführt, und zwar vor Schulklassen im Rahmen der Bildungsarbeit der Gedenkstätte. Wie gehen Schülerinnen und Schüler mit der schwierigen Geschichte ihres Landes um? Was kann Theater, was kann Kunst zu einem besseren Verständnis beitragen? Ilka Vierkant stellt sich der Diskussion mit den Jugendlichen und hofft, dass ihre eigene Geschichte zur aktiven Auseinandersetzung anregt.

* Von Daniel Küblböck zu Lana Kaiser - ARD-Dokumentation über das Drama eines unangepassten Stars
Lana Kaiser wurde als Daniel Küblböck deutschlandweit bekannt. Als erster Reality-Star eines neuen Casting-Phänomens der Nullerjahre fegte Küblböck alle Vorstellungen davon, was ein Popstar in Deutschland darf oder nicht darf auf der Bühne: Singen konnte diese Person zunächst nicht, dafür vibrierte sie vor Charisma. Und sie trat als erster Entertainer selbstbewusst queer auf. Bekannt wurde der damals 17-jährige Daniel als Kandidat von "Deutschland sucht den Superstar“ und sprengte die spießige Norm einer durch die aufkommende Digitalisierung angeschlagenen Musikindustrie. Völlig ungeschützt gab sich der Teenager so wie er war: exzentrisch, mit Lust auf das Leben und queer, einem Begriff, den es damals noch nicht gab. Für Zyniker wurde er zum Medien-Clown. Seine Fans liebten ihn fanatisch - und die Sensationspresse überschüttete ihn mit Häme. Die Kämpfe zwischen Fans und Hatern waren der Beginn des Social-Media-Zeitalters in Deutschland. Kein Winkel seines Privatlebens schien unbekannt. Jetzt erzählt die ARD-Mediathek-Serie "Die Küblböck-Story - Eure Lana Kaiser“ von der existentiellen Suche dieses nur vermeintlich ausgeleuchteten Reality-TV-Stars. Vom homophoben Image des "schrillen Paradiesvogels" versuchte sich damals noch Daniel durch eine eigene Karriere zu befreien. Er landete in den Charts mit seinem Album "Positive Energie", nahm Gesangsunterricht, studierte Schauspiel - doch für die facettenreiche und liebenswerte Person gab es wenig Raum, in dem sie ein selbstbestimmtes Leben ausprobieren konnte. Eine Schiffsreise Richtung New York sollte dem damals 33-jährigen diesen Raum öffnen: 2018, kurz vor seinem Verschwinden, outete sich Daniel Küblböck als Lana Kaiser. Die ARD-Serie von Regisseur Tristan Ferland Milewski erzählt nun ihre Geschichte.

* Kulturkalender
- Galerie Analog Art Photography Leipzig: "Liebesgrüße und Anarchie", exklusive Ausstellung mit Werken von Olaf Martens, bis 1. November
- Anhaltisches Theater Dessau: "Valses/Der grüne Tisch“ Tanzabend mit Choreografien von Stefano Giannetti und Kurt Jooss im Rahmen des 100jährigen Bauhausjubiläums, Premiere 19. September
- "Anna & Oma", Dokumentation von Ellen Rudnitzki, ab 18. September im Kino
Autorin: Julia Ribbe


"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen. Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 18.09.2025 um 21:15 Uhr auf MDR.