* Sommerhit 2025 - Quo vadis Sommerhit?
Seit letzter Woche ist die Nachricht in der Welt: der Sommerhit des Jahres 2025 ist "Golden", ein Song aus dem Netflixfilm "KPop Demon Hunters". Er wird gesungen von Animationsfiguren in einem Animationsfilm. Damit ist zum ersten Mal seit 1990, seitdem die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) anhand diverser Datensätze den jährlichen Siegertitel ermittelt, eine fiktive Band gekürt worden, die es in Wahrheit gar nicht gibt. Viel hat sich getan in den letzten Jahrzehnten. Ein Sommerhit, nach dem alle tanzen und auf den sich alle einigen können, ist heutzutage fast unvorstellbar. Anders als in Zeiten von Songs wie "Live Is Life" oder "Dragostea Din Tei", "Bacardi feeling", "Mambo No. 5", "Despacito" und wie sie alle hießen: Ohrwürmer und Mitwippanlass für ganze Generationen. Quo vadis Sommerhit? "artour" blickt zurück und nach vorn mit dem Musikwissenschaftler Markus Henrik alias "Dr. Pop" und Mathias Giloth, dem Geschäftsführer der GfK Entertainment in Baden-Baden.
Autor: Rayk Wieland
* "Oststolz" - ein Aufruf an die Nachwendegeneration
Alexander Prinz, besser bekannt unter seinem YouTube-Namen "Der Dunkle Parabelritter", gehört seit Jahren zu den einflussreichsten Stimmen im deutschsprachigen Netz. Angefangen als Metal-Influencer, der sich mit Festivalberichten und Albumrezensionen einen Namen machte, hat er sich längst zu einem gesellschaftspolitischen Kommentator entwickelt.
Am 1. September 2025 erscheint mit "Oststolz - Appell eines Nachwendekinds" sein neues Buch. Darin erzählt der Autor seine Kindheit und Jugend im ländlichen Sachsen-Anhalt – in einem 800-Seelen-Dorf, geprägt von der Wendezeit, sozialen Brüchen und dem Gefühl des Abgehängtseins. Doch "Oststolz" ist weit mehr als eine persönliche Rückschau. Prinz beschreibt die "unsichtbare Mauer" zwischen Ost und West, die auch mehr als dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung in Form von niedrigeren Löhnen, fehlendem Vermögen und fehlender Anerkennung ostdeutscher Biografien spürbar bleibt. Mit klaren Worten analysiert er die gesellschaftlichen Unterschiede und wirbt für einen neuen, selbstbewussten Blick auf die eigene Herkunft.
Sein zentrales Anliegen ist ein leidenschaftlicher Aufruf an die Nachwendegeneration: den Osten nicht als Schwäche, sondern als Stärke zu begreifen. "Seid stolz auf eure Ost-Biografie, bleibt hier und gestaltet mit, bevor es andere tun".
"artour" hat Alexander Prinz in seinem Heimatort getroffen und mit ihm über sein neues Buch gesprochen.
Autorin: Ulrike Reiß
* Caroline Wahls neuer Roman "Die Assistentin"
Wut sei ein Gefühl, welches ihre Protagonistinnen antreibe, hat die Autorin Caroline Wahl einmal erzählt. Und wütend ist auch die Heldin ihres neuen Romans "Die Assistentin", die in München in einem Literaturverlag ihre erste Stelle nach dem Studium antritt, einen "Kackjob", wie sie später erkennt: „Charlotte schossen Tränen der Wut in die Augen, weil sie sich so ungerecht behandelt fühlte."
Wie in den beiden sehr erfolgreichen Vorgängerromanen "22 Bahnen" und "Windstärke 17" geht es im neuen Werk um eine junge Frau, die für sich kämpfen muss. Die eine neue Stelle als Assistentin beim Chef eines Literaturverlags antritt und einem ständigen Wechsel aus anstrengender Arbeit, überschwänglichem Lob und zermürbenden Drangsalierungen ausgesetzt ist: "... das Schlimmste war, dass er auch sie zu einem kleinen Psycho machte mit dem viel zu süßen Zuckerbrot und den zu festen Peitschenhieben. Das Chaos, in das er sie mit reinzog, machte sie kaputt.", heißt es an einer Stelle. Vieles davon kennt Caroline Wahl aus eigenem Erleben. Nach dem Germanistik-Studium arbeitete sie als Assistentin von Philipp Keel, dem Chef des Diogenes-Verlags. Viel Druck, wenig Einfluss, urteilt Caroline Wahl später über diese Zeit. Allerdings habe sie kein Enthüllungsbuch schreiben wollen, sagt sie im Interview. Vielmehr wolle sie die Mechanismen von Machtmissbrauch und Unterdrückung aufzeigen. In einer Woche kommt die Verfilmung ihres ersten Romans "22 Bahnen” ins Kino. Auch darüber sprechen wir mit der Erfolgsautorin Caroline Wahl.
Autor: Tom Fugmann
* Der Film "In die Sonne schauen": vier Frauen, ein Hof, ein Jahrhundert
Ein Vierseitenhof in der Altmark. Die Scheune, das Backsteingemäuer, die Zimmer; älter als ein Jahrhundert. Menschen, die hier wohnen, die hier gelebt haben und gestorben sind, seit über hundert Jahren. Welche Spuren finden sich von ihnen? War ihr Blick aus der guten Stube auf den Hof derselbe? Das Knarren der altersschwachen Dielen im Zimmer, der Geruch des Strohs in der Scheune? Wie haben sie all das wahrgenommen? Die Regisseurin Mascha Schilinski erzählt in ihrem Film "In die Sonne schauen“ über vier Leben und vier Familien in unterschiedlichen Zeitabschnitten. Beginnend mit der Kaiserzeit, 1910, über die 1940er Jahre, die DDR bis hin zur Gegenwart - sie alle verbindet der Ort des Vierseitenhofs. In Zeitsprüngen fließen die Geschichten ineinander, wechseln die Perspektiven der Frauen einander ab, kehren wieder, um weitererzählt zu werden, als wären all ihre Geschichten aufgehoben in einer einzigen Erzählung. Während Alma am Ende des Kaiserreichs aufwächst und entdeckt, dass sie nach ihrer verstorbenen Schwester heißt, versucht sich die lebenshungrige Angelika zwischen Schwimmtraining, Getreideernte in der DDR und erwachender Sexualität aus der Enge des Hofes zu befreien. Mit assoziativ verwobenen und faszinierenden Bildern entwickelt Mascha Schilinskis Film einen erzählerischen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Ein Film wie eine zärtliche, bisweilen melancholische Meditation über das Echo der Zeit und seinen Widerhall in uns. "In die Sonne schauen" ist beim diesjährigen Filmfestival von Cannes begeistert gefeiert und mit dem Preis der Jury ausgezeichnet worden. Filmstart ist der 28. August.
Autor: Jens-Uwe Korsowsky
* Kulturkalender
* Kunstfest Weimar: Taiwan-Fokus
* "Mythos Mosaik? Hannes Hegen, sein Werk und die Fans", Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig 27.08.2025 bis 31.05.2026
* Filmtipp: "Ausgsting" - ein ehemaliger Unternehmer segelt um die Welt, Kinostart 28.08.
Autorin: Julia Ribbe
"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen. Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 29.08.2025 um 02:40 Uhr auf MDR.