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artour

Das Kulturmagazin des MDR
Donnerstag, 14.08.2025 21:15 Uhr
MDR
Donnerstag
14.08.2025
21:15 Uhr
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* Ein Roman über die Sprachlosigkeit nach einer Katastrophe

"Gibt es einen guten Grund, eine Katastrophe in Kunst zu verwandeln?" Kaleb Erdmann war elf Jahre alt, als er 2002 den Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt überlebte. Jetzt hat er einen Roman darüber geschrieben. Er lautet "Die Ausweichschule". Doch dieser Roman ist keine linear nacherzählte Geschichte über das Geschehene. Im Gegenteil: Kaleb Erdmann macht sein Unvermögen, über das Unsagbare zu schreiben, zum Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Er legt die Schichten seiner Erinnerungen frei, hinterfragt und überprüft sie. So nähert er sich allmählich diesem Tag, dem 26. April 2002, und beginnt über den Elfjährigen zu erzählen, der gerade eine Biologiearbeit über Pinguine geschrieben hatte. Diese Arbeit wurde nie korrigiert. Seine Lehrerin, Frau B., gehörte zu den Opfern des Amoklaufs.

Kaleb Erdmann hat in Leipzig Literarisches Schreiben studiert, außerdem Soziologie und Politische Theorie. "Die Ausweichschule" ist sein zweiter Roman. "artour" hat Kaleb Erdmann zum Gespräch in Düsseldorf getroffen, wo er heute lebt und arbeitet.

* Wiederentdeckung nach 50 Jahren: Gerti Tetzner und ihr Roman "Karen W."

Eine Frau steigt aus, gibt ihren Beruf auf, verlässt ihren Mann und geht zurück in das thüringische Dorf, vor dessen Enge sie einst geflohen ist - und das mitten in der DDR, Anfang der 70er Jahre. Gerti Tetzners Debütroman "Karen W." von 1974 war in der DDR ein außerordentlicher Erfolg, erschien auch im Westen, wurde mit Christa Wolf und mit Brigitte Reimanns "Franziska Linkerhand" verglichen.

Und doch war ihr erster auch ihr letzter Roman: Nachdem die DDR-Zensur den zweiten abgelehnt hatte, verlegte sich Gerti Tetzner auf Kinderbücher, arbeitete nach dem Ende der DDR u.a. in der Schuldnerberatung. Ihre Karriere als Schriftstellerin blieb unvollendet. "Karen W." geriet in Vergessenheit.

Erst jetzt, über 50 Jahre nach der Veröffentlichung, kehrt sie zurück: Der Aufbau Verlag bringt Gerti Tetzners Debüt neu heraus. Ein Buch aus einer anderen Zeit, das zeitlose Fragen stellt: Wie will ich leben? Was ist Glück? Was machen wir aus uns - und was wird aus uns gemacht?

Gerti Tetzner, Jahrgang 1936, lebt heute in Berlin. Auch sie hatte einst alles hinter sich gelassen, ihren Beruf als Juristin aufgegeben, auf der Suche nach dem richtigen Leben. Hat sie es gefunden? "artour" hat sie besucht und mit ihr über das Leben, die Literatur und wie das eine mit dem anderen zusammenhängt, gesprochen.

* Ausstellung "Freiheit. Eine unvollendete Geschichte" im Deutschen Hygienemuseum Dresden

Freiheit ist ein rares Gut und eine umkämpfte Idee. Davon erzählt die aktuelle Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum Dresden. Gezeigt wird der Kampf um die Freiheit in drei autoritär regierten sozialistischen Ländern: in der DDR, der Tschechoslowakei und in Polen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

In der DDR und in der ČSSR waren es vor allem Bürgerrechtler und oppositionelle Künstler, die sich für dieses hehre Ziel einsetzten, in Polen die Gewerkschaft Solidarność, unterstützt von der katholischen Kirche. Die Ausstellung zeigt diese Emanzipationsbewegungen anhand von historischen Kunstwerken, Fotografien und interaktiven Stationen.

Doch es gibt nicht nur den historisierenden Blick auf die Freiheitsbewegungen im früheren Ostblock. Die Schau fragt auch, welche Vorstellungen von der Freiheit heute existieren und warum sie auch in Konkurrenz steht zur sozialen Sicherheit. Die Publizistin Hannah Ahrendt empfand Menschen dann als frei, wenn sie als Gleiche unter Gleichen am öffentlichen politischen Leben teilnehmen können. Sind wir heute soweit? Oder schränken gesellschaftliche Normen die Freiheit ein? Und ist es legitim, wenn der Staat in der Coronapandemie die Bewegungsfreiheit einschränkt? Sind das schon erste Anzeichen einer Gesundheitsdiktatur?

Es geht in der Ausstellung um das Zusammenspiel von äußerer Freiheit und innerer Willensfreiheit. Sie greift die Herausforderung auf, individuelle Freiheit mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden und eröffnet einen vielschichtigen Blick auf das komplexe Freiheitsverständnis. Im Beitrag kommen die Museumsleiterin Iris Edenheiser, die Kuratorin Viktoria Krason und der Politikwissenschaftler Alexander Leistner zu Wort.

* Die seltsame Welt der Reichsbürger

Der Film "Soldaten des Lichts" unterstreicht, was dokumentarisches Filmemachen leisten kann. Der Film ist eine Reise durch das Milieu der Reichsbürger. Was er entdeckt, sind Menschen, die trotz oft diametraler Weltsichten zusammenfinden. Der Film sucht nach den Gründen dafür: nicht, indem er psychologisiert, sondern sehr präzise die Mechanismen der Szene beobachtet.

* Kulturkalender

- "Leipzig 1972", Fotoausstellung von Timm Rautert und Ute Eskilden im Grassimuseum Leipzig, 9.8. bis 30.11.
- "Alles wird anders, alles wird gut", Sommertheater des Apron Theaters im Graben der Moritzburg Halle, 20. bis 23.8. & 27. bis 29.8.
- Grandbrothers - Konzert am 16.8. bei der Kulturarena Jena

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 14.08.2025 um 21:15 Uhr auf MDR.