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Wendejahr 1989
Samstag, 22.03.2025 10:00 Uhr
Phoenix
Samstag
22.03.2025
10:00 Uhr
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Bildquelle: phoenix
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Das Neue Forum und der Herbst 1989

Film von Hans Sparschuh und Rainer Burmeister, rbb 2019

Das Neue Forum und der Herbst 1989 - Die Dokumentation erinnert an den Mut, die Zivilcourage und an das große Maß an Verantwortung, mit dem die Bürgerbewegung den gewaltfreien Übergang von der Diktatur zur Demokratie geebnet hat.

Im Sommer 1989 herrscht trotz allgegenwärtiger Stasi und permanenter Verhaftungsbedrohung Gründungsfieber unter den Oppositionellen. Der Starrsinn der Parteilenker, Fluchtwelle und Botschaftsbesetzungen, Sprachlosigkeit der Regierung angesichts des Problemstaus, repressive Überreaktionen und außenpolitisch motivierte Nachgiebigkeit mobilisieren viele beherzte Bürger. Das Neue Forum wird gegründet.

Als sich im Mai 1989 in Ungarn erste Risse im Eisernen Vorhang auftun, wird die ohnehin schon große Ausreisewelle aus der DDR zu einer nicht mehr aufzuhaltenden Flut. Zehntausende stimmen in den folgenden Monaten mit den Füßen gegen die verordnete Friedhofsruhe im Land ab und flüchten über die nun offene ungarische Grenze in den Westen. Die dramatischen Fluchtbilder erreichen via Westmedien Abend für Abend auch Millionen im Land verbliebene Bürger.

Die wenigen bis dahin gegründeten Menschenrechtsgruppen, Umwelt- und Friedens- Initiativen erhalten immer mehr Zulauf. Es kommt zu Demonstrationen und zu öffentlichen Protesten, die von Seiten der Staatsmacht durch Volkspolizei und Staatssicherheit mit Gewalt beantwortet wird. Als sich am 9. September 1989 im Haus des DDR-Dissidenten Robert Havemann in Grünheide bei Berlin Oppositionelle versammeln und das NEUE FORUM gründen, unterschreiben 30 von ihnen den Gründungsaufruf "Aufbruch 89. Neues Forum", unter ihnen Bärbel Bohley, Jens Reich, Rolf Henrich, Katja Havemann. Konstatiert wird darin ein tiefer Riss zwischen Staat und Gesellschaft, eine gestörte Beziehung, die das gesamte gesellschaftliche Leben lähmt.

Die Unterzeichner rufen zu einem demokratischen Dialog über die zukünftigen Aufgaben des Rechtsstaates auf, zu öffentlichen Diskussionen über Reformen in Wirtschaft und Kultur und berufen sich auf das in Artikel 29 der DDR-Verfassung festgeschriebene Grundrecht auf Anerkennung des Neuen Forums als Verein.

Doch der Staat sieht in der Bürgerbewegung einen Angriff auf die Grundfesten der sozialistischen Ordnung und lehnt eine Zulassung zunächst ab. Nach dem massenhaften Zulauf von Sympathisanten und zehntausenden Mitgliedern knickt der Staat schließlich ein. Am 9. November 1989 wird die Zulassung des Neuen Forum in einer Pressekonferenz verkündet. Es ist der Tag, an dem auch in Berlin die Mauer fällt.

Die Dokumentation von Hans Sparschuh und Rainer Burmeister erinnert mit vielen Zeitzeugen und teils noch unveröffentlichtem Filmmaterial an den Mut, die Zivilcourage und an das große Maß an Verantwortung, mit dem die Bürgerbewegung Neues Forum den gewaltfreien Übergang von der Diktatur zur Demokratie geebnet hat.

Grenzenlos

Das Jahr 1989

Film vom rbb 2019

Der 4. November ´89 ist ein grauer Tag, Nieselregen über Ostberlin. Am Alexanderplatz haben sich eine halbe Million Menschen versammelt, um der Führung der DDR zu sagen: Wir sind das Volk! Die Demonstranten fordern freie Wahlen und das Ende der Diktatur der SED. Hunderttausendfache Hoffnung, Selbstbewusstsein, Anspruch auf Veränderung. Noch Wochen zuvor wäre die Demonstration als staatsfeindliche Zusammenrottung eingestuft worden. Es ist ein diszipliniertes Aufbegehren, eine "friedliche Revolution".

Der Film begleitet den Politiker Gregor Gysi, dessen politische Karriere in jenen Tagen im Herbst 1989 begann, der sich vom eloquenten Anwalt zum Politstar wandelte. Er war am 4. November einer der Redner vor den rund 500.000 Menschen auf dem Alex. Im Dezember wird er Parteivorsitzender der SED-PDS. Seine Schwester, Gabriele Gysi, lebt da schon seit langem jenseits der Mauer in Bochum. Für die Journalistin Annette Leo ist der 4. November ein Einschnitt: Sie möchte an ihrem Traum vom Sozialismus festhalten, doch die Ignoranz der Genossen erscheint ihr wie Verrat und einige der Demonstranten sind ihr nicht geheuer. Sie verlässt die Partei und beginnt für eine veränderte DDR zu kämpfen. Ihr Sohn, Maxim Leo, ist neunzehn und erlebt die unglaublichste Zeit seines Lebens auf den Dächern von Berlin. Mit der Zuversicht der Jugend schaut er der DDR beim Untergehen zu. Das Ehepaar Ekke und Wilfriede Maaß sind eine Institution im Prenzlauer Berg. In ihrer Wohnung treffen sich die Unangepassten und Subversiven. Für sie ist die Welt größer, als der eingezäunte Schrebergarten DDR, aus dem sie raus wollen. Die Begleitmusik zum Untergang der Titanic DDR spielen die Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel und Steffen Mensching, mit ihren Clownsfiguren Weh und Meh. Hofnarren, denen nichts heilig ist. Mit Humor kämpfen sie gegen die Unerträglichkeiten im Land, verkünden Letztes aus der DaDaeR.

Die Dokumentation von Gabriele Denecke erzählt Geschichten aus dem Jahr 1989, von einem Jahr des Aufbruchs und des Umbruchs. Nach den letzten Republikfluchten, den Wahlfälschungen, dem Lavieren und dem Rücktritt der Regierung, steht die Mauer im Herbst, nach 28 langen Jahren, plötzlich offen. Was bedeuten diese Tage im Herbst und dieses Jahr im Leben jedes Einzelnen. Wie hat das Jahr 1989 sie verändert, wie ihren Blick auf das Land DDR und auf sich selbst beeinflusst?

Letzter Sommer DDR

Das Jahr, in dem die Einheit kam

Film von rbb 2020

Die DDR im Sommer 90: ein Land zwischen zwei Gesellschaftssystemen, zwischen Nichtmehr und Nochnicht. Das Leben ist im Umbruch, die Welt steht offen. Alles scheint möglich und nichts sicher. In Ost-Berlin wird die Einheit verhandelt und gegen die drohende Abwicklung demonstriert. Der Film erzählt vom Sommer der ungeahnten Möglichkeiten. Vom Aufbruch ins Ungewisse und Momenten der Anarchie. Der letzte Sommer in einem untergehenden Land das ist ein Freiraum, den es so nie wieder gab. Im März 1990 ist das Ende der DDR besiegelt: Bei den ersten demokratischen Volkskammerwahlen triumphiert die Allianz für Deutschland mit Bundeskanzler Helmut Kohl als Mentor im Rücken und mit dem Versprechen von D-Mark und schneller Einheit. In den folgenden Monaten überschlagen sich die Ereignisse. Das ist nicht mehr das Land von gestern, aber auch noch nicht das von morgen. Ein Sommer im Übergang: Trabbis, für die man noch vor Monaten zehntausend DDR-Mark hingeblättert hat, stehen verlassen am Straßenrand. Im ehemaligen Familienlokal gibt es neuerdings Striptease-Shows. Ein Urlaub am Mittelmeer ist plötzlich möglich. Das Geld, mit dem man jahrzehntelang seine Brötchen bezahlte, wird es morgen nicht mehr geben. Die DDR zerbröckelt in Absurdität und Anarchie. Mit einem alten DDR-Feuerwehrwagen kapert der Fotograf Andreas Rost zusammen mit Freunden die größte Ruine in Ost-Berlin. Sie wollen das Kunsthaus Tacheles gründen: Unser Spruch war: Die Ideale sind ruiniert, rettet die Ruine! Ein Volkspolizist sieht zu und versichert: Ich hab nischt gesehen. Andreas Rost fotografiert in diesem Frühjahr in der ganzen DDR, um selbst zu verstehen und wird ein Chronist der Umbruchszeit. Die junge Designerin Ira Hausmann besetzt mit zwei Freundinnen eine Wohnung und gründet ein Modelabel. Sie erwartet im Sommer 1990 ihr erstes Kind. In welchem Land wird es groß werden? Graue Häuserwände werden begehrte Werbeflächen für knallbunte Plakate, doch Tausende werden noch in diesem Sommer arbeitslos. Diese Unsicherheit, was passiert jetzt? Werde ich gehen müssen oder wird es die Kollegin sein? Und wenn sie es ist: Darf ich froh sein, dass ich es nicht bin?: Carla Kniestedt ist als Pressesprecherin des Ost-Berliner Centrum-Warenhauses am Alexanderplatz dabei, als neue West-Waren in die Regale geräumt werden und die Käufer Schlange stehen. Als die D-Mark kam, war Geld nicht nur wichtig. Es war plötzlich das Wichtigste. Mit dem neuen Geld erfüllt sich Thomas Brussig einen ganz großen Traum: Er fliegt nach New York und fährt mit einem Mietwagen durch das Land, das eben noch Lichtjahre entfernt war. Seine erste Westreise: Jeder Mensch muss einmal so einen Urlaub gemacht haben, an den er sich irgendwie immer erinnert. Der Film erzählt von einer Zwischenzeit, in der das Alte nicht mehr galt und das Neue noch nicht da war: Voller Hoffnung und trotzigem Gründermut, ersten Enttäuschungen und ungekannterEuphorie. Von Menschen im Ausnahmezustand!

Die Andersdenkenden

Was aus DDR-Bürgerrechtlern wurde

Fünf Bürgerrechtler berichten von ihrem Weg in die DDR-Opposition, über ihre revolutionäre Erweckung im Herbst '89 und ihren politischen Werdegang in den vergangenen 35 Jahren. Was haben sie gewollt? Was haben sie gekonnt? Was haben sie geschafft? Welche Rolle spielten sie damals und welche spielen sie in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen der Gegenwart?

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 22.03.2025 um 10:00 Uhr auf Phoenix.