Film von Andreas Fauser und Dirk Schneider, MDR 2024
"Wladimir gegen Wolodymyr" oder: der jahrhundertealte Kampf zwischen russischen und ukrainischen Geschichtsnarrativen, bei dem ein Fürst des Mittelalters als Rechtfertigung für Putins Angriffskrieg dient. "Blackbox Ukraine - Kampf um die Geschichte" begibt sich auf eine Spurensuche zu den Schlüsselmomenten ukrainischer Geschichtsschreibung und deckt auf, wie es zu einem der blutigsten Kriege in Europa seit 1945 kommen konnte.
Die Dokumentation zeichnet den langen Kampf der Ukrainer gegen eine russische Unterdrückungskultur nach und entschlüsselt, wie ihr Ringen um Freiheit und Unabhängigkeit vor allem eine Schlacht um die eigene Geschichte ist, die schon seit Generationen geführt wird.
Zu Wort kommen u.a. der Schweizer Grandseigneur der Osteuropa-Geschichte Andreas Kappeler, die russische Geschichtslehrerin Tamara Eidelman, deren Youtube-Sessions Millionen Menschen in Osteuropa folgen, der Bestsellerautor und Star der Osteuropawissenschaften Timothy Snyder sowie der preisgekrönte ukrainische Filmemacher Sergei Loznitsa.
Sie erzählen von einem Landstrich, der wie in einem Brennglas europäische Geschichte bündelt: von wagemutigen Wikingern, vom blühenden Mittelalter als Brücke zwischen Europa und Asien, von ritterlichen Kosaken, die im 16. und 17. Jahrhundert zu Helden in Westeuropa werden, von einer ehrgeizigen Zarin, der Deutschen Katharina II., die den Süden der heutigen Ukraine unterjocht und so zur brutalen Vorreiterin von Stalin und Putin wird.
Nicht zuletzt erzählt der Film die Geschichte der sogenannten "Bloodlands", einem Landstrich, in dem Millionen von Menschen im 20. Jahrhundert durch Kriege, Revolutionen, Pogrome und Hunger umgekommen, ermordet oder deportiert worden sind. Heute erinnert sich die Ukraine wieder mühsam ihrer eigenen Geschichte - ganz im Schatten von Wladimir Putin, für den nicht nur Panzer, sondern vor allem die Geschichte selbst zur Waffe wird.
Im Fadenkreuz Moskaus
Die Geschichte der Ukraine
Film von Michael Kloft und Andreas Hancke, ZDF 2022
Ist die "moderne Ukraine vollständig von Russland geschaffen" worden, wie Putin behauptet? "ZDF-History" liefert die historischen Hintergründe der aktuellen Invasion durch russische Truppen.
Schon die Zaren gingen rigoros gegen jede Manifestation einer eigenen ukrainischen Identität vor. Die Sprache wurde verboten, alle Bestrebungen zu mehr Unabhängigkeit unterdrückt. Erst die Russische Revolution brachte die Ukraine auf den Weg der Eigenständigkeit.
Zunächst wurde die Unabhängigkeitserklärung 1918 von den Bolschewiki blutig bekämpft, Kiew von der Roten Armee besetzt. Jeder, der noch öffentlich Ukrainisch sprach, riskierte, getötet zu werden. Alle ukrainischen Symbole wurden zerstört, sogar Straßenschilder auf Ukrainisch. Dann durfte sich die Ukraine als Republik in die Sowjetunion einreihen - als Getreidelieferant und später als Waffenschmiede. Die ukrainische Landbevölkerung widersetzte sich den Vorgaben aus Moskau, daraufhin verschärfte die sowjetische Regierung die Repressionen.
"Holodomor" bezeichnet den Teil der Hungersnot in der Sowjetunion in den 1930er-Jahren, der schätzungsweise vier Millionen Ukrainer zum Opfer fielen. Stalin benutzte die Ukraine als Satelliten ohne Macht mit einem willfährigen Parteichef, Nikita Chruschtschow. So kam es, dass die Wehrmachtssoldaten beim Überfall 1941 in großen Teilen der Ukraine als Befreier begrüßt wurden. Doch der Jubel verstummte bald, da die Nationalsozialisten alle Slawen als "Untermenschen" betrachteten und ebenfalls nur an der "Kornkammer" interessiert waren. Kiew wurde als letzte Großstadt der Sowjetunion erobert und erst Ende 1943 von der Roten Armee befreit.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden der Ukraine neue Landesteile zugeteilt, zuletzt 1954 die Krim. Jahrzehntelang blieb es ruhig, aber mit dem Aufstieg von Michail Gorbatschow bildeten sich auch in der Ukraine wieder separatistische Bewegungen. Die Folge: die Erklärung der Unabhängigkeit nach dem Zerfall der Sowjetunion.
Putin betrachtet diese Entwicklung nach wie vor als größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Er wirft der damaligen Führung in Moskau vor, sie hätten "den Zusammenbruch des historischen Russlands, der UdSSR, auf dem Gewissen". In der Ukraine beginnt ein Stellvertreterkrieg zwischen dem westlich orientierten Teil des Landes und dem russlandhörigen Osten zunächst auf der Straße und dann ab 2014 auch mit Waffengewalt.
Kampf um Kiew der Euromaidan
Film von Teytana Detig und Alexander Detig, ZDF 2020
Anfang 2014 kommt es in Kiew zum Kampf zwischen pro-russischer Regierung und pro-europäischer Protestbewegung. Er wird zur Zerreißprobe für die Ukraine und Europa.
Auf Druck Russlands lässt der ukrainische Präsident Janukowitsch ein Abkommen mit der EU platzen. Das ruft eine pro-europäische Massenbewegung auf den Plan, den Euromaidan. Nach blutigen Straßenschlachten wird der Präsident im Februar 2014 gestürzt. Er flieht.
"ZDF-History" rekonstruiert drei dramatische Monate, die Europa tiefgreifend verändert haben. Der Machtkampf in der Ukraine zwischen November 2013 und Februar 2014 hat nicht nur das Schwanken des Landes zwischen Ost und West, zwischen Russland und der Europäischen Union, erst einmal entschieden. Der Sieg des Euromaidans führte zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen Moskau und der westlichen Staatengemeinschaft, das - verschärft durch Russlands Annexion der Krim - bis heute andauert.
Prominente Zeitzeugen schildern ihre Sicht der Ereignisse: zum Beispiel die ehemaligen Präsidenten der Ukraine, Krawtschuk und Juschtschenko, der ehemalige Boxweltmeister und damalige Oppositionsführer, Vitali Klitschko, ebenso ukrainische Bürger, die als Demonstranten vor Ort waren. Unter ihnen ist der Vater des 19-jährigen Studenten Ustym Holodnyuk, der bei den Protesten erschossen wurde. Authentische Aufnahmen der Straßenkämpfe und der Flucht des Präsidenten lassen die Atmosphäre dieser dramatischen Wochen nachempfinden.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 05.02.2025 um 02:15 Uhr auf Phoenix.