

Melanie ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und hatte einen guten Job. Die Diagnose Schizophrenie war ein Schock. Wie geht das Leben jetzt weiter? Die Frage stellte sich auch Sophie. Als sie vor einigen Jahren die Diagnose Schizophrenie bekam, wurde ihr zur Frühverrentung geraten. Doch das kam für sie nicht infrage. "Ich glaube schon, dass Menschen mit psychischen Problemen und gerade auch mit Schizophrenie sehr oft abgestempelt werden. Du kannst nichts, du bist nichts." Sophie lässt sich nicht entmutigen. Mittlerweile arbeitet sie als Volontärin für eine Regionalzeitung.
Statistisch gesehen erkrankt ein Prozent der Bevölkerung, also rund 800.000 Menschen, in Deutschland im Laufe des Lebens an Schizophrenie. Bei Menschen mit einer schizophrenen Störung ist die Informationsübertragung im Gehirn gestört. Dadurch nehmen die Betroffenen die Realität anders wahr. Viele fühlen sich verfolgt, hören Stimmen oder denken wie Melanie, sie allein hätten die Welt verstanden. Das kann zu Verhaltensweisen führen, die für Außenstehende befremdlich sind. "Der Begriff der Schizophrenie wurde lange Zeit als ein Schimpfwort benutzt", sagt der Psychiater und Psychologe Arno Deister. "Diese psychiatrischen Erkrankungen sind immer noch etwas, was sehr in einer Nische stattfindet, mit dem viele Menschen möglichst nichts zu tun haben wollen."
Die Diagnose Schizophrenie ist nicht nur für die Betroffenen eine Herausforderung, sondern auch für die Angehörigen. Elkes Sohn zeigte schon als Kind erste Symptome der Krankheit. In seiner Jugend verschlechtert sich sein Zustand. Immer wieder wird er in Kliniken eingewiesen. Doch es passiert, was leider sehr vielen mit der Diagnose Schizophrenie passiert: Es gibt nur wenige Angebote zur ambulanten weiteren Behandlung. Nach dem kurzfristigen Psychiatrieaufenthalt sind die Betroffenen und ihre Familien häufig auf sich allein gestellt. Es kommt zu Rückschlägen und nach kurzer Zeit zur erneuten Einweisung in die Klinik.
Experten sprechen von der Drehtür-Psychiatrie. "Ich habe den Glauben verloren an dieses System", sagt Elke. Mittlerweile geht es ihrem Sohn so schlecht, dass er langfristig in einer Einrichtung untergebracht werden musste. Psychiater Arno Deister hofft, dass schwere Verläufe wie dieser in Zukunft besser behandelt werden. "Die Gesellschaft muss die Verantwortung dafür übernehmen, diese Erkrankungen wirklich behandeln zu wollen und auch die Mittel dafür zur Verfügung zu stellen."
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 11.09.2023 um 22:00 Uhr auf Radio Bremen TV.