

Der Hitler-Fake, Geschichte einer Jahrhundertfälschung, Film von Christian Bock, NDR 2023
Von der größten Entdeckung zur peinlichsten Blamage in nur wenigen Tagen: Das ist die Geschichte der "Hitler-Tagebücher", die das Wochenmagazin "Stern" im April 1983 der Öffentlichkeit vorstellte. Das Magazin war auf einen gigantischen Betrug hereingefallen, der auch 40 Jahre später noch Fragen aufwirft: Wer hatte ein Interesse an dieser Geschichtsfälschung? Und was sollte damit erreicht werden?
Reporter Gerd Heidemann, der die vermeintlichen Tagebücher Adolf Hitlers für den "Stern" kaufte, ist Jahrgang 1931. Er fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Für das Filmprojekt "Der Hitler-Fake" öffnete er sein Tausende Aktenordner umfassendes Archiv in einem Hamburger Keller und machte auch bislang unveröffentlichte Dokumente zugänglich. Außerdem sämtliche aufgezeichneten Telefonate mit dem Fälscher Konrad Kujau, die bizarren und verstörenden Details des Betrugs werden in diesen Tondokumenten ganz unmittelbar deutlich.
Doch viele Fragen sind noch unbeantwortet. Warum schrieb Kujau so explizit über Hitlers Privatleben, über Hunde, Magenverstimmungen, Eva Braun und homosexuelle NS-Funktionäre? In "Der Hitler-Fake" sind Fälschungen Kujaus zu sehen, die jenseits des Medienskandals noch ein anderes Licht auf die Tagebücher werfen: Der Holocaust sollte relativiert, Hitler und damit auch das deutsche Volk in der Verantwortung für millionenfachen Mord entlastet werden. Und der "Führer" sollte als eine menschliche Gestalt mit im Grunde guten Absichten gezeichnet werden.
Die Dokumentation "Der Hitler-Fake", produziert im Auftrag von SWR, NDR und rbb, blickt aber auch auf das Netzwerk alter Nazis, das um Heidemann herum existierte, und zeigt, dass die Sammelleidenschaft von Hitler-"Reliquien" in bestimmten Kreisen nach wie vor ungebrochen ist.
Abgezockt!, Die Auschwitz-Tagebücher, Film von Sophie Hafner, ZDFinfo 2020
Was ein historischer Sensationsfund zu sein schien, entpuppte sich als dreiste Fälschung: angebliche Tagebücher des KZ-Arztes Josef Mengele. Die ZDFinfo-Doku-Reihe "Abgezockt!" rollt gemeinsam mit Opfern und Zeugen einen wahrlich unglaublichen Fall auf. Zum Teil äußern sie sich zum ersten Mal dazu.
Gut 30 Jahre nach dem Skandal um Hitlers Tagebücher sollten geheime Auschwitz-Tagebücher aufgetaucht sein eine Sensation oder eine dreiste Lüge? Eine angeblich ungarische Gräfin, Magdolna K., gab im Jahr 2015 vor, im Besitz von Tagebüchern ihres Großvaters zu sein, der als jüdischer Lagerarzt in Auschwitz für den berüchtigten KZ-Arzt Mengele gearbeitet habe. Filmautorin Sophie Hafner rekonstruiert den spektakulären Kriminalfall mit Beteiligten darunter eine ehemalige Freundin der Hochstaplerin oder der Kriminalhauptkommissar Tom Gottmann. Der Historiker Bogdan Musial schildert, wie er den entscheidenden Fehler der raffinierten Fälschung entdeckte und Magdolna K. so enttarnte.
Der Fälscher, Die Geschichte des Michael Born, Film von Christoph Würzburger, SWR 2018
Michael Born - Hochseekapitän, Kriegsreporter und Filmfälscher. Eine schillernde Persönlichkeit. Der 60-jährige Lahnsteiner filmte an den Fronten der Welt - und fälschte nach eigenen Angaben mehr als 200 Fernsehreportagen. Er erschütterte Mitte der 1990er Jahre die deutsche Medienlandschaft wie kaum ein anderer. Heute lebt Michael Born als Olivenbauer und Anarchist in Griechenland.
Der "Kujau des deutschen Fernsehens" konstruierte fiktive Wirklichkeiten, die, wie er glaubte, nur in den Köpfen von weltfremden TV-Redakteuren existierten. Bizarre Geschichten über Krötenlecker, Rechtsradikale, Katzenjäger oder Geisterbeschwörer. Für seine wilden Konstruktionen musste sich der Fälscher letztlich 1996 vor dem Koblenzer Landgericht verantworten. Ein Prozess mit internationalem Presserummel - sogar die BBC berichtete damals aus Koblenz. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.
Michael Born hatte Kontakte zu Gott und der Welt, war befreundet mit Jassir Arafat, trank mit Gaddafi und rauchte
mit Fidel Castro - so sagt er. Ob das stimmt - man weiß es nicht genau. Denn Born ist ganz gewiss ein Schlitzohr - ein verurteilter Betrüger. Er selbst sieht sich als ein Bauernopfer quotengeiler TV-Redaktionen. Born, der bekennende Kommunist, wurde u. a. wegen Volksverhetzung verurteilt. Für ihn ein wunder Punkt. Denn Michael Born behauptet bis heute, Fernsehredaktionen hätten ihn sogar zu Fälschungen angestiftet.
Ein Jahr lang gewährte der Filmfälscher einem SWR Team an verschiedenen Orten Einblicke in seine Lebensgeschichte. Born erzählt mitreißende, nachdenkliche und lustige Geschichten: über seine Heimat Lahnstein, die Zeit im Knast und seinen erfolgreichen Hungerstreik, über seine Fälschungen in Griechenland und die "Ku-Klux-Klan Höhle" in der Eifel. In emotionalen Gesprächen über das erlebte Grauen des Krieges im Nahen Osten legt er ein Geständnis ab und erklärt, wie und weshalb es letztlich zu seinen Fälschungen kam. Aber sagt der Mann denn die Wahrheit? Kann man Michael Born überhaupt trauen?
Geschickt hinterfragt der Autor Christoph Würzburger Borns Erzählungen und verwebt sie mit Archivmaterial und mit Ausschnitten aus den Original-Fälschungen. Wegbegleiter, Freunde und Kritiker kommen zu Wort sowie außenstehende Medienwissenschaftler, die für den Zuschauer die Wirkung des Bornschen Medienskandals auf die Öffentlichkeit verständlich machen. Sogar eine von Borns Ex-Freundinnen - er hat vier Kinder mit vier Frauen - erzählt offen vom Menschen Michael Born und vom immensen Druck der Sendeanstalten, der nach ihrem Eindruck auf ihm lastete.
Entstanden ist ein bewegender Film, der sich erstmals im deutschen Fernsehen umfänglich mit dem ausschweifenden Leben des berühmten Fälschers beschäftigt.
In „phoenix history“ erinnern wir an herausragende historische Ereignisse und Entwicklungen, mit deren Vermittlung und Einordnung phoenix einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung leistet. Von der Antike bis zur aktuellen Zeitgeschichte spannt sich der Erinnerungsbogen. Auf diesen historischen Zeitreisen zeigen wir klassische Dokumentationen, Reportagen im Stil einer historischen Spurensuche bis hin zu großen zeitgeschichtlichen Doku-Dramen. Mit dieser Vielfalt der Formen wollen wir komplexe Themen besser verständlich machen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 10.09.2023 um 14:00 Uhr auf phoenix.