

Nazis im deutschen Fußball
Film von Rainer Fromm und Udo Frank, ZDF 2021
Kaum ein Sportereignis hat die Deutschen so bewegt wie das "Wunder von Bern", der WM-Titel 1954. Doch auf dem Erfolg lastet ein dunkles Erbe: der Schatten der NS-Zeit.
Eine "Stunde null" hat es nach 1945 im deutschen Fußball nie gegeben. Beim Deutschen Fußballbund und seinen Vereinen wirkten auch Jahre nach dem Krieg noch immer ehemalige Nazi-Sportfunktionäre, frühere SS-Leute und NSDAP-Parteikader, oft in führenden Positionen.
Wie Peco Bauwens, der erste Nachkriegspräsident des DFB. Auf der Siegesfeier nach dem WM-Triumph 1954 führt er den Titel in nationalistischem Überschwang auf die Wahrung des "Führerprinzips" zurück. An seiner Seite hat er noch immer DFB-Funktionäre mit NSDAP-Vergangenheit, er fördert ihre Karrieren und hält auch nach 1945 alte Beziehungen aufrecht.
ZDF-Recherchen decken jetzt auf, wie Bauwens auch persönlich in verbrecherische Abgründe des NS-Regimes geriet. Als Mitinhaber eines Baugeschäfts in Köln profitierte er von der Ausbeutung von KZ-Häftlingen, die unterirdische Anlagen für die deutsche Rüstungswirtschaft errichten mussten.
Andere Fußballidole bereicherten sich an jüdischem Eigentum, wie Fritz Szepan von Schalke 04 oder Rudolf Gramlich von Eintracht Frankfurt. Beide konnten ihre Karrieren nach dem Krieg nahtlos fortsetzen, wirkten als hochgeachtete Vereinsfunktionäre. Dabei war damals bekannt, dass Gramlich im Krieg einer SS-Einheit angehörte, die in Kriegsverbrechen verstrickt war. Das Hamburger Fußball-Idol "Tull" Harder verdingte sich sogar als Wachmann im KZ Neuengamme und leitete später ein "Außenlager" in Hannover-Ahlem.
Neue Erkenntnisse zeigen, dass auch beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München braune Flecken auf der scheinbar weißen Weste zu finden sind. Selbstdarstellungen des Vereins, die von einem "Judenklub" sprechen, der von den Nazis geschmäht und angeblich verfolgt wurde, entpuppen sich als Legende. Der Aufstieg des Klubs in den 1960er-Jahren ist auch Männern mit NS-Vergangenheit zu verdanken.
"ZDF-History" dokumentiert die personelle und politische Kontinuität im deutschen Fußball, in Vereinen und beim Verband. Auf der Grundlage von unveröffentlichten Dokumenten, Zeitzeugenaussagen und Analysen wird das dunkelste Kapitel in der Nachkriegsgeschichte des deutschen Fußballs neu aufgearbeitet.
Fußball im Revier Wie alles begann
Heimatflimmern
Film von Ingolf Gritschneder, WDR 2022
Fußball im Ruhrgebiet: Darum ranken sich Legenden, Geschichten und Anekdoten. Viele erzählen von der engen Verbindung zwischen Zechen und Fußballplatz- der Tradition als Sport der Kumpel. Was ist dran an diesem Mythos?
Ihren Anfang nahm die wechselvolle Geschichte des Fußballs im Revier an ganz anderer Stelle: Am Realgymnasium Witten waren es die Söhne aus gutsituierten Familien, die 1891 einen Schülerverein gründeten. Vier Brüder hatten das Spiel zwischen den Toren in England kennengelernt. Und nur, wer eine höhere Schule besuchte, konnte dem Wittener FC 92 damals beitreten.
Das Deutsche Duell
Ein Fußballspiel im Kalten Krieg
Film von Lutz Pehnert
Eigentlich war es nur ein Spiel und doch mehr: ein Kampf der Systeme, ausgetragen in den Nationaltrikots der beiden deutschen Fußballmannschaften.
Fußball-Weltmeisterschaft 1974: Am 22. Juni treffen zum ersten und einzigen Mal die Kicker der BRD und der DDR aufeinander. Die DDR-Mannschaft gewann das Spiel, Weltmeister wurden trotzdem die bundesdeutschen Kicker. Nie vorher und nie danach waren die Deutschen in Ost und West derart miteinander verbunden und doch voneinander getrennt, wie in diesen 90 Minuten. Der Film rekapituliert die deutsch-deutschen Beziehungen des Jahres 1974, die geradezu exemplarisch für die Jahrzehnte der deutschen Teilung sind. Zahlreiche Zeitzeugen Spieler, Sportfunktionäre, Politiker, Prominente aus Ost und West erzählen, welcher Zeitgeist das innerdeutsche Verhältnis 1974 prägte und wie sie Das Deutsche Duell, den Klassenkampf auf dem Rase
n, verfolgten.
Das letzte Finale der DDR
Zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung
Film von Matthias Hufmann und Benjamin Unger, MDR 2020
Ost-Berlin im Juni 1990. Kurz nach den ersten freien Volkskammerwahlen und dem Ende der Stasi. Vier Wochen vor der Einführung der D-Mark. Ein Land im Wandel, im Aufbruch. Am 4. Juni 1990 soll in Berlin das letzte Pokalfinale in der DDR-Fußballgeschichte über die Bühne gehen. Favorit Dynamo Dresden trifft auf den Zweitliga-Außenseiter Polizeisportverein Schwerin. Das, was in all den Jahren zuvor der Schluss- und Höhepunkt der Saison war, steht in den wilden Umbruch-Zeiten des Jahres 1990 unter einem neuen Stern. Alles ist anders als sonst, wenn die zwei Finalisten nach dem begehrten FDGB-Pokal greifen.
Das Stadion ist nur mäßig gefüllt, knapp 6000 Tausend Zuschauer verlieren sich im Stadionrund. Die Menschen haben neue Prioritäten gesetzt, seit die Mauer gefallen ist und die Währungsunion ihre Schatten vorauswirft. Auch für die Kicker ist alles anders. Längst ist für die meisten klar, dass sie ihre Karriere als Profi-Fußballer im Westen weiter verfolgen wollen. Fast alle Dynamo-Stars werden den sächsischen Traditionsklub verlassen. Aufstrebende Talente wie Kirsten und Sammer haben längst lukrative Verträge in der Tasche. Auf der Tribüne sitzt mit Reiner Calmund von Bayer Leverkusen auch einer, der früh erkannte, welche Schätze der DDR-Fußball zu bieten hat.
Der Film beschreibt ausgehend vom letzten Pokalfinale der DDR die Situation der Menschen in der Noch-DDR im Sommer 1990. Die Situation der Fußballer, aber auch die der Fans und anderer Zeitgenossen, die überall im Land versuchen, sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen. Alles ist im Wandel, alles scheint möglich. Es gibt viele neue Hoffnungen, aber auch große Ängste.
30 Jahre danach wagen Matthias Hufmann und Benjamin Unger einen lebensvollen Rückblick. Fußballer von Dynamo Dresden und vom PSV Schwerin, Manager Reiner Calmund und Fernseh-Reporter Thomas Skulski erinnern sich an das letzte Pokalfinale der DDR und lassen tief hineinblicken in den Zeitgeist eines Jahres, das beispiellos ist in der deutschen Geschichte.
In „phoenix history“ erinnern wir an herausragende historische Ereignisse und Entwicklungen, mit deren Vermittlung und Einordnung phoenix einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung leistet. Von der Antike bis zur aktuellen Zeitgeschichte spannt sich der Erinnerungsbogen. Auf diesen historischen Zeitreisen zeigen wir klassische Dokumentationen, Reportagen im Stil einer historischen Spurensuche bis hin zu großen zeitgeschichtlichen Doku-Dramen. Mit dieser Vielfalt der Formen wollen wir komplexe Themen besser verständlich machen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 16.07.2023 um 00:00 Uhr auf phoenix.