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Panorama 3

Donnerstag, 22.06.2023 02:00 Uhr
Radio Bremen TV
Donnerstag
22.06.2023
02:00 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild


* Glasfaserausbau: Drückergeschäft an der Haustür

Sie gehen von Tür zu Tür, sagen sie kämen von der Telekom und wollen Glasfaser-Verträge verkaufen. Penetrant und unverschämt seien viele dieser Vertreter, berichten Anwohner aus Flensburg. Sie erzählen, dass die Vertreter zudem lügen, um eine Vertragsunterschrift zu bekommen. Sie behaupten einfach: Der Fernsehanschluss würde sonst abgestellt werden oder man könnte später gar nicht mehr oder nur zu horrenden Summen ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Gerade ältere Menschen lassen sich leicht überrumpeln und haben am Ende einen Vertrag abgeschlossen, den sie gar nicht brauchen.
Diese Drückerkolonnen arbeiten im Auftrag von Telekommunikationsunternehmen, wie zum Beispiel der Telekom, sie sind "autorisierte Vertriebspartner". Und diese versprechen ihren Mitarbeitern ein Gehalt ohne Obergrenze, wenn sie viele Verträge abschließen. Ein Insider berichtet Panorama 3, es ginge nur darum den teuersten Vertrag zu verkaufen, um die höchste Provision zu kassieren. Und das Geschäft mit den Glasfaseranschlüssen boomt, denn das Ziel der Bundesregierung ist bis 2025 diese Anschlüssen zu verdreifachen. Vor den Haustürgeschäften warnt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Verbraucherschutz trotzdem schon lange - mehr als eine 14 tägige Widerspruchsfrist ist aber gesetzlich nicht vorgesehen. Panorama 3 begibt sich auf die Spurensuche der windigen Haustürgeschäfte.

* Bedrohter Fluss: Viel Salz, wenig Leben

Bereits im Juni sind die Pegelstände vieler Flüsse niedrig. Aus der Oder werden wieder tote Fische geholt, weil offenbar immer noch zu viel salzhaltige Abwässer in den Fluss geleitet werden. Doch Abwassereinleitungen in Flüsse gibt es häufig, auch in Norddeutschland. Im vergangenen Jahr berichteten wir, wie salzhaltiges Abwasser, das bei der niedersächsischen Erdgasgewinnung übrigbleibt, den Fluss Lutter in Nordrhein-Westfalen bedroht. Wir wollten wissen: was hat sich seitdem getan? Welche Maßnahmen haben Behörden ergriffen und wie könnten solche Einleitungen eigentlich dauerhaft begrenzt werden?

* Renteneintritt: Wer kann, geht früher

Ein Jahr vor seinem offiziellen Renteneintritt hat Joachim van Beuning seinen Job an den Nagel gehängt. Länger zu arbeiten, das wäre für den 64-Jährigen nicht in Frage gekommen. Nun jobbt er immer mal wieder, aber nur wenn es ihm passt. Flexibel sein, selbst bestimmten können - mit diesen Ansprüchen ist der Rentner kein Einzelfall. Eine Kultur des Frühausstiegs hat sich in seiner Generation, die der sogenannten "Boomer", etabliert. Das geht nun erstmalig aus der lidA-Studie hervor, der größten und profundesten ihrer Art. Zwölf Jahre lang hat das Team rund um Martin Hasselhorn von der Universität Wuppertal geforscht, rund 2.000 Interviews geführt. Ein zentrales Ergebnis: Gerade einmal zehn Prozent der Deutschen sind bereit, bis zu ihrem offiziellen Renteneintrittsalter oder länger zu arbeiten.
Für Unternehmer wie Hans-Jörg Vollert ein Riesenproblem. Schon jetzt fehlen ihm die Fachkräfte. Regelungen, wie unbegrenzte Hinzuverdienstmöglichkeiten für Rentnerinnen und Rentner, die seit Anfang des Jahres gelten, ziehen bei seinen Mitarbeitenden nicht. Die Konsequenzen, die all dies in den kommenden Jahren für das Rentensystem haben wird, werden massiv sein, so Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates der Wirtschaft. Denn sofern die Koalition an ihrem Kurs festhält und weder am Renteneintrittsalter noch am Beitragsniveau schraubt, wird die Hälfte aller Bundesmittel als Steuerzuschuss ins Rentensystem fließen müssen, um dieses stabil zu halten. Doch die Politik, der diese Zahlen bekannt sind, scheint unbeeindruckt. Anstatt noch in dieser Legislaturperiode wichtige Zeit zu nutzen und einen Kollaps des Systems abzuwenden, hält man in Berlin die Füße still und schmückt sich lieber mit der Aktienrente.
"Panorama 3" ist das Politik-Magazin im NDR Fernsehen. Unser Reporterinnen und Reporter gehen in Norddeutschland unhaltbaren Zuständen auf den Grund, decken politische Fehlentwicklungen auf und dokumentieren die Folgen. "Panorama 3" bietet jede Woche dreißig Minuten lang Hintergründe - engagiert, pointiert und kritisch.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 22.06.2023 um 02:00 Uhr auf Radio Bremen TV.