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Ausgegrenzt: Israel und seine arabischen Bürger

Quelle: ARD-Pressebild
Quelle: ARD-Pressebild

In Israel gibt es 2,1 Millionen israelische Araber - das sind mehr als 20 % der Gesamtbevölkerung. Sie werden als arabische Israelis oder israelische Palästinenser bezeichnet. So verwundert es nicht, dass viele von ihnen selbst nicht immer wissen, wo sie stehen.
Zwar ist ihr Schicksal eng mit dem ihrer palästinensischen Familien in der West Bank und in Gaza verbunden, dennoch sind sie seit der Staatsgründung Israels 1948 eigene Wege gegangen, als viele Palästinenser flohen oder vertrieben wurden.
In Israel hat man ihnen schon immer misstraut, sie hinter vorgehaltener Hand als fünfte Kolonne der Palästinenser innerhalb Israels angesehen. Sie selbst hatten umgekehrt von jeher Schwierigkeiten sich mit dem jüdischen Staat zu identifizieren, gegen den Palästinenser und Araber immer wieder Krieg und Intifada geführt haben. Die meisten haben sich inzwischen mit den Staat Israel arrangiert und profitieren von dessen Wohlfahrt und Wohlstand. Dennoch fühlen sie sich diskriminiert und in allen gesellschaftlichen Bereichen benachteiligt. Sie sind israelische Bürger zweiter Klasse.
Im vergangenen Mai brach sich der Unmut während des Gazakrieges Bahn. In vielen gemischt arabisch-jüdischen Städten kam es zu massiven gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. Viele sind immer noch erschüttert über diesen unerwarteten Ausbruch von Gewalt. Eines zeigt er auf jeden Fall: Israel kann seine arabische Minderheit nicht weiter ausgrenzen. Ein gesellschaftlicher Entwicklungsprozess ist in Gang gekommen - nicht nur weil eine arabisch-islamischen Partei erstmals in der Regierung vertreten ist.
Die mein ausland-Reportage Ausgegrenzt stellt das Lebensgefühl dieser Menschen dar, zwischen Benachteiligung und Ablehnung - auch der eigenen. Michael Bewerunge, Studioleiter des ZDF in Israel, hat einige von ihnen getroffen. Menschen, die um ihre eigene Identität kämpfen und um Anerkennung und Wohlstand.
Zum Beispiel die beiden Rapper, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Uriya Rosenman und Sameh Zakout, einer Jude, der andere arabischer Israeli. Inzwischen ziemlich beste Freunde. Sie fanden sich zu einem Video-Projekt zusammen, dass am Jahrestag des Endes des Gaza-Krieges 2021 veröffentlicht wurde und in den sozialen Medien sofort viral ging. Ein Jude und ein Araber sitzen sich in einer Autowerkstatt gegenüber und werfen sich alles an Vorurteilen und Bitterkeit an den Kopf, die es in ihrem Verhältnis gibt. Ihre soziale Initiative Lets talk Straight will durch Musik und Bildungsprojekte zu einer besseren gemeinsamen Zukunft von jüdischen und arabischen Israelis beitragen.
Als ihr größtes Problem wird von den arabischen Israelis Gewalt und Mord im arabischen Sektor angesehen. Dass die israelische Gesellschaft jahrzehntelang nichts dagegen unternommen hat, wird selbst vom Ministerpräsident Bennett und seinem Polizeiminister nicht bezweifelt. Umgekehrt vertrauen arabische Israelis der israelischen Polizei nicht, weil sie oft nicht ernst genommen oder misshandelt werden. Michael Bewerunge zeigt am Beispiel von Wadfa Aljabaly, einer Mutter aus Taibe, deren Sohn ermordet wurde, welche Rolle die Gewalt in arabischen Communities spielt.
In vielen Bereichen fehlt aber auch die rechtliche Gleichstellung. Um den Zuzug von Palästinensern aus der Westbank und Gaza zu verhindern, wird ihnen bei einer Heirat mit einem Israeli die Staatsbürgerschaft verweigert. Damit sind sie in Israel in vielerlei Weise rechtlos. Bei vielen Menschen hat das zu einem Trauma geführt, so wie bei Familie von Tayseer und Lana Khatib aus der nordisraelischen Hafenstadt Akko. Sie müssen seit 16 Jahren damit leben, dass Ehefrau Lana aus Jenin in der Westbank in Israel nur eine provisorische Aufenthaltsgenehmigung hat und so gut wie keine Rechte besitzt.
Und doch tut sich etwas in Israels Gesellschaft. Seit letztem Jahr sitzt mit Ra´am, der Vereinigten Arabischen Liste, erstmals eine arabisch-islamische Partei in der Regierung. Ihr Führer Mansour Abbas hat milli
ardenschwere Projekte für die arabische Minderheit ausgehandelt. Können Abbas und Menschen wie Uriya Rosenman und Sameh Zakout vielleicht doch etwas bewirken?
In „mein ausland“ berichten ARD- und ZDF-Korrespondenten über ihre Eindrücke, Erlebnisse und Besonderheiten in „ihren“ Ländern und Regionen: Ob die langen Sandstrände von Marokko, das Lebensgefühl in Brooklyn oder der bedrohte Regenwald am Amazonas – „mein ausland“ zeigt die Vielfalt der Kontinente und Länder. Auch Krisenregionen werden besucht, die politische Situation beleuchtet, die Menschen in ihrem Alltag begleitet. Die 45-minütigen Reportagen werden exklusiv für phoenix produziert. Sie bieten tiefe Einblicke in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anderer Länder und Kontinente und helfen, die politischen Ereignisse und Krisen in der Welt besser zu verstehen.

Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 30.11.2022 um 08:15 Uhr auf phoenix.