ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

phoenix history

Klassenkampf und Freiheitsdrang
Samstag, 07.05.2022 10:00 Uhr
phoenix
Samstag
07.05.2022
10:00 Uhr
Teilen:
Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild


* Die Deutschen II: Karl Marx und der Klassenkampf / Film von Peter Hartl

Er ist einer der wirkungsvollsten Bestsellerautoren der Weltgeschichte, und doch haben die Wenigsten sein Werk vollständig gelesen. Seine Lehre wurde zu einer Ersatzreligion, auch wenn der Urheber sich nie als Glaubensstifter verstand, sondern als wissenschaftlicher Analytiker. "Ich bin kein Marxist", kokettierte Karl Marx (1818 bis 1883), der mit seinem Werk wie kein Deutscher seit Luther den Lauf der Weltgeschichte beeinflusste. Ab Mitte des 20. Jahrhundert wurde etwa die Hälfte der Menschheit von Regierungen geführt, die sich auf den deutschen Denker beriefen.
In seinem Hauptwerk "Das Kapital" sezierte Karl Marx, geprägt von dialektischen und materialistischen Modellen seiner Zeit, mit brillanter Tiefenschärfe die komplexen Zusammenhänge von Geld und Warenwelt. Seine Sicht auf das soziale Elend der frühen Industriezeit schärfte der Fabrikantensohn Friedrich Engels. Von seinem Gesinnungsfreund inspiriert, schuf Marx 1848 im "Kommunistischen Manifest" das theoretische Rüstzeug für eine internationale Arbeiterbewegung, die später in sozialdemokratisch orientierten Parteien ihren Siegeszug antrat. Sein Gedankengut diente aber auch als Legitimation für kommunistische Diktaturen, die dazu beitrugen, dem 20. Jahrhundert einen totalitären Stempel aufzudrücken.
Dabei hatte der scharfsinnige, bisweilen sarkastische Theoretiker es vermieden, sich allzu sehr in die Belange der praktischen Politik einzumischen. Gleichwohl zogen deren Folgen ihn mit seiner Familie zeitlebens in Mitleidenschaft. Seit die preußische Regierung die von ihm geleitete, regierungskritische Rheinische Zeitung in Köln 1843 verboten hatte, verbrachte Karl Marx die Hälfte seines Lebens als politisch Verfolgter im Exil. In Paris, Brüssel und London wurde er zum klarsichtigen Zeugen der Revolutionen und Umwälzungen des 19. Jahrhunderts, die er in einem ebenso umfangreichen wie fragmentarisch gebliebenen Gesamtwerk kommentierte.
Der Film zeigt Karl Marx, der Weltgeschichte schrieb, auch in seiner Herkunft, als Privatmann und Familienvater. 1883 starb der zu Lebzeiten kaum bekannte Autor, von Krankheiten und Schicksalsschlägen heimgesucht, im Londoner Exil. Erst nach seinem Tod entfaltete die Sprengkraft seiner - oft umgedeuteten oder falsch verstandenen - Ideen ihre durchschlagende Wirkung.

* Friedrich Engels: Der Unterschätzte / Film von Nina Koshofer und Martin Becker

Friedrich Engels bildet mit Karl Marx eines der berühmtesten Duos der Weltgeschichte. Im Gegensatz zu Marx scheint Engels jedoch heute in Vergessenheit zu geraten. Zu Unrecht. Zu seinem 200. Geburtstag am 28. November 2020 verfolgt die Dokumentation seinen turbulenten Lebensweg. Sich selbst bezeichnete er mal als zweite Violine hinter Marx. Dabei war er es, der die intellektuelle Grundarbeit zum Manifest der Kommunistischen Partei machte. Engels führte Marx an das Leid der Arbeiter im frühen 19. Jahrhundert heran. Und ohne ihn wäre Das Kapital vermutlich nie veröffentlicht worden.
Aus dem religiös geprägten Wuppertal beginnt für Friedrich Engels 1839 eine Reise durch die Zentren Mittel- und Westeuropas: Berlin, Köln, Brüssel, Manchester, London, Paris. Als Sohn einer Textilfabrikantenfamilie erlebt er hautnah die Ausbeutung der Männer, Frauen und Kinder, die unter katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen für den Wohlstand der Unternehmer sorgen. Getrieben vom Wunsch, die Menschen aus ihrer fürchterlichen Lage zu befreien, trifft er in Paris auf Karl Marx. Eine unvergleichliche Freundschaft entsteht. Gemeinsam entwickeln sie eine Befreiungstheorie, die im 20. Jahrhundert von Staatssozialisten in ein Unterdrückungssystem verkehrt wurde. Bewegende Archivbilder, Doku-Aufnahmen und Graphic Novels führen zurück in die Zeit Friedrich Engels, der die kommunistische Bewegung prägte wie kein anderer. Friedrich Engels: der Unterschätzte.

* Rosa Luxemburg: Der Preis der Freiheit / Film von Inga Wolfram

Rosa Luxemburg gilt neben K
arl Liebknecht als wichtigste Repräsentantin internationalistischer und antimilitaristischer Positionen in der SPD. Anfang des 20. Jahrhunderts, als kaum Frauen studierten, gehörte sie zu den wenigen promovierten Akademikerinnen in Deutschland und war zugleich eine der wenigen Frauen in der aktiven Politik. Ihre leidenschaftliche und überzeugende Kapitalismuskritik war der Motor ihres revolutionären Tuns.
Hundert Jahre nach dem grausamen Mord an Rosa Luxemburg erzählt die Dokumentation von dem Leben und den Idealen der großen Sozialistin. Ihre berühmte Aussage "Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden" hat schon die Proteste der Bürgerbewegung der DDR inspiriert und bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Der Film führt an die wichtigsten Lebensorte von Rosa Luxemburg, zeigt im animierten Graphic-Novel-Stil Zeichnungen der jungen britischen Künstlerin Kate Evans unterschiedliche Lebensphasen der Revolutionärin.
Erzählungen zahlreicher Persönlichkeiten wie der Regisseurin Margarethe von Trotta, der Historiker Jörn Schütrumpf und Holger Politt, der polnischen Kunsthistorikerin Dorota Sajewska, der brasilianischen Biografin Isabel Loureiro und der Politiker Sahra Wagenknecht und Gregor Gysi liefern einen detaillierten Einblick in das facettenreiche Leben der mutigen großen Dame der sozialistischen Bewegung.
In Zeiten, in denen Populisten in Europa und der ganzen Welt ihre nationalistischen Ansichten immer lauter kundtun, sind Luxemburgs Bestrebungen von großem Interesse und erinnern an die humanistischen Wurzeln der europäischen Kultur.

* Die Unentbehrlichen: Mehr Anerkennung für harte Arbeit / Film von Denise Dismer

Beschäftigte in Pflege und Transport stellen sicher, dass alle Menschen gut versorgt sind. Aber was ist mit besserer Bezahlung und mehr Anerkennung? Viele fühlen sich ungerecht behandelt. Leere Tankstellen und Supermarktregale Versorgungsengpässe wie in Großbritannien sind auch in Deutschland möglich, denn es fehlen rund 80.000 Lkw-Fahrer. In Transport, Pflege und Lebensmittelproduktion sollen neue Arbeitsmodelle gute Leute im Job halten. Sie pflegen Alte und Kranke, ernten und verkaufen Lebensmittel und transportieren unverzichtbare Waren durch ganz Europa. Doch einen angemessenen Lohn und eine gesellschaftliche Anerkennung bekommen Beschäftigte in systemrelevanten Berufen viel zu selten. In einer Situation wie Covid merkt man natürlich, was man an der Pflege hat, aber das vergisst man wieder ganz schnell, sagt Kerstin Leib.
Sie arbeitet als Krankenpflegerin an den Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm und setzt sich dafür ein, dass sich die Arbeitsbedingungen im Kollegium langfristig ändern - durch mehr Mitbestimmung, eine wertschätzende Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten und eine höhere Akademisierungsrate der Pflegekräfte. Die Idee stammt aus den USA und ist die Basis des sogenannten Magnet-Qualitätssiegel für Krankenhäuser. 2023 will die Ulmer Klinik als erstes deutsches Krankenhaus das Siegel erhalten. Ähnlich wie die Pflege leidet auch die Transportbranche unter Fachkräftemangel. Unregelmäßige Arbeitszeiten und zunehmender Stress machen den Job des Lkw-Fahrers unattraktiv. Speditionen müssen kreativ sein, um Beschäftigte zu finden und zu halten.
"Wir versuchen natürlich für die Fahrer ein bisschen Heimat zu schaffen, sodass sie nicht nur ein gutes Equipment vorfinden, sondern auch gut betreut werden", sagt Kurt Metz. Er ist Fuhrparkleiter bei der Spedition Bork im hessischen Langgöns und begann bereits vor rund zehn Jahren, die Arbeitsbedingungen auf polnische Fahrer zuzuschneiden: mit Übersetzungshilfen, polnisch sprachigen Ausbildern und Sprachkursen. Viele Trucker pendeln zwischen Polen und Deutschland. Wer bereit ist, mit der Familie nach Hessen zu ziehen, dem hilft die Spedition bei der Wohnungssuche und bietet Schichtbetrieb an.
Unter welchen Bedingungen Produkte des täglichen Bedarfs transportiert und hergestellt werden, ist für Konsumentinnen und Konsumenten oft nu
r schwer nachvollziehbar. Darum reist Fairtrade-Unternehmerin Christiane Lüst regelmäßig nach Italien, wo das Obst und Gemüse angebaut wird, das sie verkauft. Wir wollen, dass die Menschen, die auf dem Feld arbeiten und unser Essen produzieren, faire Löhne bekommen, sagt die Bayerin. Sie arbeitet mit Yvan Sagnet zusammen, dem Pionier für mehr Gerechtigkeit im Obst- und Gemüseanbau in Italien. Er hat das No-Cap-Siegel erfunden, das Tariflohn und die Einhaltung von gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten garantiert. In einer Branche, in der mafiöse Strukturen und Ausbeutung vorherrschen, ist das eine Revolution. Christiane Lüst vertreibt die No-Cap-Produkte jetzt auch im deutschsprachigen Raum - mit großem Erfolg.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 07.05.2022 um 10:00 Uhr auf phoenix.