

Es sind Reviere mit eigenen Gesetzen. Barrieren blockieren den Zugang zu den Hochhaussiedlungen im Norden von Marseille. Dealer und Drogenbosse haben das Sagen. Armut und oft Angst bestimmen den Alltag der Bewohner. Doch die beginnen, sich aus dem Bann der Drogenbanden zu befreien, wollen ihre Viertel zurück. Einer von ihnen ist der 18-jährige Amine. Sein Bruder starb im Drogenkrieg. Seitdem kämpft Amine mit seinem Verein Conscience für bessere Lebensbedingungen in den armen Stadtteilen. Die Jugendlichen sind selbst verantwortlich für ihr Handeln, dafür, dass sie dealen. Aber sie sind auch Opfer eines Systems, dass sie vergessen hat, sagt Amine beim Treffen mit ZDF-Korrespondentin Anne Arend.
Amines Freund Nasser nimmt Anne Arend mit in sein Viertel, Bassens. Dort boomt der Drogenhandel, Kunden holen sich ihre Ware direkt in einer Art Drive-in ab, ohne aus dem Auto aussteigen zu müssen. Als der französische Präsident Emmanuel Macron kürzlich Marseille besuchte, versprach er viel Geld für die Nordviertel. Es ist Wahlkampf in Frankreich. Kriminalitätsbekämpfung und Sicherheit zentrale Themen, mit denen sich Stimmen fangen lassen.
Kamel Guémari weiß, dass die Menschen in seinem Viertel vor allem eins brauchen: Perspektiven. Er will Arbeitsplätze schaffen, baut eine ehemalige Fastfood-Filiale zu einem solidarischen Restaurant um, verteilt Lebensmittelpakete an die Ärmsten.
Amine, Nasser und Kamel wollen die Hoffnung nicht aufgeben und ein anderes, positives Gesicht ihrer Stadt zeigen. Sie und die Bewohner der Nordviertel stehen im Mittelpunkt dieser Doku, in der auch Politik und Polizei zu Wort kommen.
Film von Anne Arend und Claudia Oberst
In „mein ausland“ berichten ARD- und ZDF-Korrespondenten über ihre Eindrücke, Erlebnisse und Besonderheiten in „ihren“ Ländern und Regionen: Ob die langen Sandstrände von Marokko, das Lebensgefühl in Brooklyn oder der bedrohte Regenwald am Amazonas – „mein ausland“ zeigt die Vielfalt der Kontinente und Länder. Auch Krisenregionen werden besucht, die politische Situation beleuchtet, die Menschen in ihrem Alltag begleitet. Die 45-minütigen Reportagen werden exklusiv für phoenix produziert. Sie bieten tiefe Einblicke in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anderer Länder und Kontinente und helfen, die politischen Ereignisse und Krisen in der Welt besser zu verstehen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 11.04.2022 um 07:15 Uhr auf phoenix.