Ganz vorsichtig setzt Max Biller sein scharfes Messer an der Weihrauchpflanze an. Mit einem präzisen Schnitt trennt er den Steckling von der Mutterpflanze. In Substrat gesteckt soll er bald eigene Wurzeln schlagen und sich zu einer neuen, selbstständigen Pflanze entwickeln. Dabei muss Max sehr vorsichtig sein. Die Pflanzen sind empfindlich. Wäre er zu grob, könnten Druckstellen entstehen - und die Pflanzen allesamt faulen! Max ist 18 Jahre alt und im zweiten von insgesamt drei Ausbildungsjahren. Sein Interesse für die Natur wurde ihm quasi in die Wiege gelegt: Die Eltern besitzen eine Gärtnerei, gerne möchte er sie mal übernehmen. An seinem künftigen Beruf schätzt Max besonders, dass er die Pflanzen ihr gesamtes Wachstum über begleiten darf. Im Frühjahr haben die Auszubildenden in der Gärtnerei besonders viel zu tun. Vanessa Sartor, ebenfalls im zweiten Lehrjahr, freut sich auf die Arbeit in den nächsten Wochen: Da sie bisher schon viel gesät hat, weiß sie, dass bald mit dem Topfen begonnen werden kann. Denn sobald die Pflänzchen ordentlich gewachsen sind, heißt es "umziehen" in einen größeren Topf! Mit der Hand macht der Gärtner von heute das aber nicht mehr alles. Einen Großteil der Arbeit übernimmt eine Maschine. Allerdings muss die auf die jeweilige Topfgröße umgestellt werden. Für die Auszubildenden bedeutet das am Anfang tüfteln. Zwar werden sie die große Maschine nie komplett auseinander und wieder zusammen bauen müssen, ein grundsätzliches technisches Verständnis ist trotzdem unverzichtbar. Ein gewisses Maß an Eigenständigkeit erwartet der Chef von ihnen. Dass ein Gärtner auch Computer-Grundkenntnisse haben sollte, weiß Azubi Veit Vogelsang. Er absolviert seine Ausbildung in der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim. Gemeinsam mit Gärtnermeister Thomas Schneider kümmert er sich am Morgen im Betrieb um das Gießwasser: Veit rührt eine hochkonzentrierte Stammlösung aus Dünger und Wasser an und füllt diese noch einmal mit Wasser verdünnt in die großen Kanister des Gießsystems. Vom Büro aus kontrollieren die beiden über den Computer die voll automatisierten Gießtische. Alleine darf Veit da allerdings während seiner Ausbildung nicht ran: Zu groß ist die Gefahr, dass ihm ein kleiner Fehler mit großer Wirkung unterläuft - und die Pflanzen dann zu viel oder zu wenig Wasser bekommen und im schlimmsten Fall eingehen. Auch beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln ist Verantwortungsbewusstsein ein ganz großes Thema. Manchmal sind Pflanzen so schlimm von Blattläusen befallen, dass es nichts mehr bringt, Nützlinge wie zum Beispiel Marienkäfer zu verteilen. Veit rechnet penibel aus, wieviel Pflanzenschutzmittel er braucht. Dann vermischt er das Mittel sorgfältig mit der richtigen Wassermenge. Dabei und auch beim Spritzvorgang selbst trägt er Schutzkleidung: Mindestens Handschuhe, eine Schutzbrille und Gummistiefel. Veit hat sich ganz bewusst für einen "grünen" Beruf entschieden. Er empfiehlt ihn Menschen, die sich für Pflanzen interessieren, gut zupacken können und gerne lernen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 21.03.2022 um 07:15 Uhr auf ARD alpha.