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Weltreisen

Estlands stiller Peipussee
Samstag, 02.10.2021 12:45 Uhr
Radio Bremen TV
Samstag
02.10.2021
12:45 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Besonders das Nordufer hat es den wenigen Touristen angetan. Hier liegen kilometerlange Sandstrände, gesäumt von knorrigen, windgebeugten Kiefernwäldern. Der berühmte singende Sand entsteht in den Dünen des Nordufers, wenn der Wind den Sand zum Schwingen und Fließen bringt. Der estnische Grenzpolizist Aimar Köss achtet nicht auf das Naturphänomen. Der Peipussee ist die natürliche Grenze zum großen Nachbarn Russland, dem man im Baltikum wenig vertraut. Das Fernsehteam begleitet den Grenzpolizisten bei seiner Arbeit auf dem Wasser und in der Luft, mit einer spektakulären Aussicht über die riesigen Gewässer.
Der Reiz des ruhigen Westufers erschließt sich erst auf den zweiten Blick, ein weiter Schilfgürtel schützt den See und die dort lebenden Tiere. Gelegentlich unterbrechen steile rote Sandkliffs die sanfte Küstenlinie. Hier liegen die vielen traditionellen Dörfer, deren Bewohner sich immer noch vom Zwiebelanbau und Fischfang ernähren. Früher haben die Gärten am Peipussee das Gebiet von Helsinki und Petersburg bis hin nach Riga mit Zwiebeln versorgt. Immer noch säumen bunte Fischerhäuschen das Ufer, am Straßenrand türmen sich große Haufen Brennholz. An die Wände der Holzhäuser sind Fische zum Trocknen angenagelt. Grob mit Salz eingerieben - eine Delikatesse. Aber geruchsintensiv.
Bis vor wenigen Jahren war diese Gegend von Fremden unentdeckt. Jetzt entwickelt sich der Tourismus. Auf ihn baut Nina Baranina, eindrucksvolle Altgläubige aus Kolkja. Sie betreibt mit Hilfe der Familie ein kleines Fisch-Zwiebel-Restaurant. Hier kann man traditionelle Mahlzeiten der Küste probieren - Fischsuppe, gebackenen Fisch oder eben Zwiebelgerichte. Nina Baranina ist auch die Gemeindeälteste im Dorf. In dieser Gegend leben seit Jahrhunderten die russischstämmigen orthodoxen Altgläubigen. Vor 350 Jahren flohen sie vor einem reformwilligen Patriarchen aus Russland und ließen sich auf der Nord- und Westseite des Peipussees nieder. Heute leben 15 000 Altgläubige in Estland, die Kirchen sind gut besucht. Unser ARD-Team wurde nicht nur in die Kirche eingeladen, sondern durfte auch das russische Mittsommerfest mitfeiern, das bei den Altorthodoxen erst im Juli begangen wird. Eine ganz andere Welt.
Es ist ein ruhiges Leben am Peipussee. Der See liegt meist still und glänzend. Die Ruhe hat sich hier noch bewahren können, vielleicht auch, weil sie für die Touristen so wichtig ist. Wer hierher kommt, sucht nicht den Trubel. Gut für die vielen Tiere, die hier leben. Im Wasser, aber auch darauf. Die Insel Piirissaar ist heute ein wichtiges Naturschutzgebiet, hier leben seltene Froscharten, Pflanzen und vor allem Vögel, darunter auch der Wachtelkönig. Menschen gibt es nur noch wenig, ganze 86 überwiegend ältere leben in den drei Dörfern auf Piirissaar. Aber im Sommer lebt die Insel auf - die junge Generation kehrt ins Elternhaus zurück, um hier ihren Urlaub zu verbringen. Sommer in Estland.
Film von Clas Oliver Richter

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 02.10.2021 um 12:45 Uhr auf Radio Bremen TV.