nftige Rolle als Firmenchef vorbereitet, setzt Hermann Röchling sich gegen innerfamiliäre Rivalen durch und bringt sich und die Völklinger Stahlproduktion europaweit in vorderste Position. Politisches Kalkül Geschickt greift Hermann Röchling seit Beginn seiner Unternehmerkarriere in politische Prozesse ein, um sie für seine wirtschaftlichen Ziele nutzen. Im Ersten Weltkrieg setzt er voll auf Rüstungsproduktion und scheut, um seinen Absatz zu steigern, weder die Plünderung französischer Industrieanlagen noch den Einsatz von Zwangsarbeitern. Die Erzfelder und Industrieanlagen des seit 1871 vom Deutschen Reich annektierten Lothringen nutzt der Saar-Unternehmer schamlos wie einen Selbstbedienungsladen. Prozess nach Ende des Ersten Weltkriegs Als das Saargebiet nach dem Ersten Weltkrieg unter französische Verwaltung kommt, verlieren die Röchlings ihre Besitzungen in Frankreich. Der französische Staat macht Hermann den Prozess. Doch dieser erscheint weder vor Gericht noch tritt er die gegen ihn verhängte Haftstrafe an. Mit seinem Schachzug gegen die französische Gerichtbarkeit wird er zeitlebens kokettieren. Rüstungsproduzent und NS-Funktionär Hermann Röchling kann verhindern, dass das Völklinger Werk von einer französischen Kapitalmehrheit übernommen wird. Gleichzeitig baut er seinen politischen Einfluss aus und macht die Wiedereingliederung des Saargebiets ins Deutsche Reich zur Chefsache. Schon früh dient er sich Hitler an. Wieder kann Röchling mit Rüstungsgütern sein Unternehmen nach vorne bringen, wieder ist ihm jedes Mittel recht und wieder kann die Produktion mit Hilfe von Zwangsarbeitern expandieren. 1942 wird er zum "Reichsbeauftragten für Eisen und Stahl in den besetzten Gebieten". Bis Kriegsende gehört er der Spitze der NS-Elite an. Vor Gericht Mit Kriegsende kommt der Fall. 1948 stellt die französische Besatzungsmacht Hermann Röchling vor Gericht. Ähnlich den Nürnberger Prozessen werden im badischen Rastatt Kriegsverbrechen verhandelt und geahndet. In der Dokumentation kommt neben Historikern und Zeitzeugen auch Ingeborg Gußmann zu Wort, Hermann Röchlings einzige noch lebende Enkeltochter. In den Spielszenen ist die Rolle von Herman Röchling mit dem Schauspieler Klaus Schindler besetzt.
Schwarzes Gold Die Geschichte der deutschen Steinkohle Film von Jobst Knigge und Manfred Oldenburg Am 21. Dezember heißt es für die letzten Bergleute aus der Zeche in Bottrop "Schicht im Schacht". Damit endet die einst erfolgreiche Industriegeschichte des deutschen Steinkohle-Bergbaus. Die Dokumentation erzählt den Aufstieg und Niedergang des "Schwarzen Goldes" in Westeuropa. Wie hat die Steinkohle die Bergbauregionen seit der Industrialisierung geprägt? Wer hat profitiert? Wer gelitten? Wie hat sich der Alltag der Menschen im Revier verändert? Die Kohleförderung beginnt im Mittelalter in einfachen Gruben. Doch erst mit der Tiefbohrung Mitte des 19. Jahrhunderts legt der Unternehmer Franz
oom an der Ruhr. Haniel erschließt als erster Steinkohleflöze tief unter der Erde. Mit dem Brennstoff Kohle lässt sich nun hochwertiger Stahl erzeugen, die Geburtsstunde der industriellen Revolution. Kohle und Stahl beflügeln das Wachstum völlig neuer Branchen, im deutschen Kaiserreich entsteht eine Riege mächtiger Großindustrieller. Die Familienoberhäupter von Krupp, Thyssen und Hoesch werden auf Grund ihres Erfolgs auch Stahlbarone genannt. In kürzester Zeit schießen im 19. Jahrhundert Zechentürme, Hochöfen und Arbeitersiedlungen aus dem Boden. Noch scheinen die Kohlevorkommen unerschöpflich, das Ruhrgebiet gleicht einem Eldorado des Fortschritts. Arbeiter aus allen Himmelsrichtungen folgen dem Ruf der Kohle, auf der Suche nach Arbeit und materieller Sicherheit. Die Dörfer entlang der Ruhr werden immer größer und verschmelzen schließlich zu einer Metropol-Region. Der Abbau der Steinkohle lässt vormals ärmliche Agrarstaaten innerhalb weniger Jahre zu reichen und mächtigen Industrienationen wachsen - mit Hunderttausenden Beschäftigten. Die Dokumentation zeigt, wie eng die Steinkohle mit der kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklung Deutschlands und Europas verbunden ist. Hochkarätige Experten aus Wirtschaft und Politik kommen zu Wort und ordnen ein. Hochwertige Animationen erklären Funktion und Vorkommen der Kohle. Seltenes Archivmaterial und aufwändige Reenactments lassen das Leben mit und von der Kohle lebendig werden. Die Bergleute arbeiteten anfangs durchweg im Akkord und waren der Willkür von Vorgesetzten ausgesetzt. Die Arbeit unter Tage war und ist mit erheblichen gesundheitlichen Belastungen verbunden. Immer wieder kommt es zu schweren Grubenunglücken. Den Tod immer vor Augen, feiern die Kumpel das Leben: in Gesangsvereinen, bei der Brieftaubenzucht - und vor allem auf dem Fußballplatz. Die erfolgreichsten Mannschaften, die sie anfeuern, sind Schalke 04 und Borussia Dortmund. Immer schweißte die gemeinsame harte Arbeit die Kumpel zusammen. Bergmänner gründeten die erste Gewerkschaft im Deutschen Reich. 1920 probten sie einen Aufstand, um humanere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Der Ruhraufstand, der eine Armee von 50 000 Soldaten hervorbrachte, wurde allerdings blutig niedergeschlagen. Die Weltwirtschaftskrise 1929 traf das Ruhrgebiet mit voller Härte. Die Produktion ging stark zurück, und die Arbeitslosigkeit stieg. Die Verelendung vieler Menschen begünstigte den Aufstieg der Nationalsozialisten. Die Aufrüstung in den kommenden Jahren brachte zunächst Arbeit und Brot. Das Ruhrgebiet wurde zum Zentrum der deutschen Kriegsindustrie im Zweiten Weltkrieg. Nachdem die Alliierten die Region in Schutt und Asche gelegt hatten, begann der Wiederaufbau. Mit dem Schumann-Plan, der die Feindschaft von Frankreich und Deutschland beendete und die Zusammenarbeit in der Montanindustrie besiegelte, mauserte sich das Ruhrgebiet binnen zehn Jahren zur wirtschaftlichen Schlüsselregion der jungen Bundesrepublik Deutschland. 1956/57
llionen Tonnen ihren Jahreshöchststand nach dem Zweiten Weltkrieg. "Das Wirtschaftswunder war ja kein Wunder. Das ist ja durch Fleiß der Menschen entstanden. Deutschland, und vor allem die Wirtschaft, die hungerte nach Kohle", erinnert sich der Bergmann Reinhold Adam. Danach geht es wirtschaftlich rasant bergab. Die deutsche Steinkohle ist zu teuer. Jahrzehntelang hält der Staat die Montanbetriebe mit Subventionen am Leben. Doch das Ende ist nicht mehr aufzuhalten. Sei es der Braunkohle-Tagebau oder die Steinkohle unter Tage: Die Gewinnung und Nutzung des traditionsreichen Brennstoffs gerät in Zeiten des Klimawandels immer stärker in die Kritik. Probleme wie Smog, Baumsterben, saure Böden und Gewässer versetzen der wirtschaftlich unrentablen Kohlewirtschaft den Todesstoß. 2007 beschließt die Politik das Aus des deutschen Steinkohleabbaus bis Ende 2018. Längst hat im Ruhrgebiet eine neue Epoche begonnen. Der Strukturwandel ist in vollem Gange. Und ab dem neuen Jahr zeugen nur noch Re
likte wie die alten Fördertürme und Schlote als Industriedenkmäler von jener großen, 250 Jahre währenden Erfolgsgeschichte.
In "phoenix history" erinnern wir an herausragende historische Ereignisse und Entwicklungen, mit deren Vermittlung und Einordnung phoenix einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung leistet. Von der Antike bis zur aktuellen Zeitgeschichte spannt sich der Erinnerungsbogen. Auf diesen historischen Zeitreisen zeigen wir klassische Dokumentationen, Reportagen im Stil einer historischen Spurensuche bis hin zu großen zeitgeschichtlichen Doku-Dramen. Mit dieser Vielfalt der Formen wollen wir komplexe Themen besser verständlich machen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 28.03.2021 um 00:00 Uhr auf phoenix.