

Katastrophale Zustände in Krankenhäusern, gespenstisch leere Innenstädte und Tage, an denen bis zu tausend Menschen starben: in kaum einem Land hat Corona solche Verwüstungen hinterlassen wie in Spanien. Die Epidemie hat den Menschen in Rekordgeschwindigkeit genommen, was ihr Leben ausmacht: den engen Zusammenhalt der Großfamilie, die Begrüßung mit Küsschen und Umarmung, das lärmende Leben draußen - auf der Straße, in Parks, Cafés und Restaurants.
ARD-Korrespondentin Natalia Bachmayer ist für phoenix rund ein Jahr lang durch ein Land gereist, das von der Pandemie besonders erschüttertes ist, doch die Reporterin beleuchtet auch Signale der Hoffnung und des Aufbruchs.
Filmautorin Bachmayer hat Menschen wie David getroffen, der den einsamen Tod seiner Großmutter nicht verwinden kann. "Dass wir nicht wissen, wie sie im Krankenhaus gestorben ist, verfolgt uns", sagt er. "Vielleicht hätte sie ein bisschen Wärme gebraucht, irgendjemand an ihrer Seite. Aber es durfte einfach nicht sein." Oder Frauen wie Aura, die als Migrantin mit Träumen nach Spanien kam, nun muss sie in einer der vielen "Hungerschlangen" nach Lebensmitteln anstehen.
Die Reporterin hat aber auch erlebt, wie die Krise in einem Madrider Viertel aus Nachbarn, die sich nicht wirklich kannten, echte Freunde gemacht hat. Eine eingeschworene Gemeinschaft bis heute, die über die Balkone hinweg Bingo spielt, und nach dem historischen Schneesturm im Januar ihre Straße gemeinsam von schweren Eismassen befreit. Ohne Corona wäre dieser Zusammenhalt nie entstanden, sind sich die Anwohner einig.
Auf Lanzarote berichtet Biologe Domingo Concepción wie sehr sich die Natur vom Inseltourismus erholt. Wo sonst Quadfahrer durchs Gelände brettern, kommen während der Corona-Pause viele Wüstenvögel wieder zum Vorschein: "Das ist außergewöhnlich - dass Du Spuren von Wüstenvögeln so nah an menschlichen Siedlungen siehst, kaum 100 Meter entfernt", so der Biologe.
Am Ende ihrer Reisechronik trifft Filmautorin Bachmayer eine galizische Muschelsucherin wieder, die sich über ein kleines Wunder freut: Mari Carmen beliefert Restaurants und Hotels mit Muscheln und war bei der ersten Begegnung fast ohne Einkommen und kurz davor, an den wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns zu verzweifeln, doch die Preise für Meeresfrüchte stiegen plötzlich wieder, insbesondere zu Weihnachten. Ein Lichtblick für Marie Carmen und ihre 200 Kolleginnen, die vom Meer leben. Die Muschelsucherin vermutet, dass sich die Leute in harten Zeiten ein bisschen mehr gönnen wollten: "Wir freuen uns einfach. Das heißt nicht, dass wir nicht sehen, was andere gerade durchmachen."
Die Reportage "Spaniens Kampf mit Corona" aus der phoenix-Reihe mein ausland erzählt vom Leben mit der Pandamie zwischen Albtraum und Aufbruch.
Film von Natalia Bachmayer
In "mein ausland" berichten ARD- und ZDF-Korrespondenten über ihre Eindrücke, Erlebnisse und Besonderheiten in "ihren" Ländern und Regionen: Ob die langen Sandstrände von Marokko, das Lebensgefühl in Brooklyn oder der bedrohte Regenwald am Amazonas - "mein ausland" zeigt die Vielfalt der Kontinente und Länder. Auch Krisenregionen werden besucht, die politische Situation beleuchtet, die Menschen in ihrem Alltag begleitet. Die 45-minütigen Reportagen werden exklusiv für phoenix produziert. Sie bieten tiefe Einblicke in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anderer Länder und Kontinente und helfen, die politischen Ereignisse und Krisen in der Welt besser zu verstehen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 12.03.2021 um 01:30 Uhr auf phoenix.