Enzyklika: Päpstliches Lehrschreiben trägt "Züge einer Sozialutopie": Es ist seine dritte Enzyklika, und das fünf Jahre nach der bislang letzten: Am vergangenen Samstag hat Papst Franziskus in Assisi seine neue Sozialenzyklika "Fratelli tutti" unterzeichnet. Sie entstand während der Corona-Krise, als auch der Papst im Lockdown in der Erkenntnis bestärkt wurde, dass sich globale Probleme nur gemeinsam lösen lassen würden. Seine neue Enzyklika ruft zu einer Kultur der Geschwisterlichkeit auf, nicht nur im Zusammenleben, sondern auch in der Politik und den internationalen Beziehungen. Papst Franziskus entwirft ein Ideal oder auch die Utopie einer Welt, wie er sie schaffen würde. ORF-Vatikan-Korrespondentin Cornelia Vospernik war für die "Orientierung" bei der Unterzeichnung in Assisi. Bericht: Cornelia Vospernik. Caritas-Bischof Benno Elbs: "Brauchen intelligente Reduktion": Papst Franziskus bezeichnet die Covid-19-Pandemie als "globale Tragödie" und fordert zu einem radikalen Umdenken auf. Im Interview mit der "Orientierung" greift der Diözesanbischof von Feldkirch, Benno Elbs, die Leitsätze des Papstes auf: "Die große Grundfrage ist, was hält die Welt aus - an Konsum, an Umweltzerstörung?" Elbs, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Agenden der Caritas zuständig ist, spricht sich für eine "intelligente Reduktion aus". Die Lebensqualität solle dabei nicht verringert werden, vielmehr gehe es um Themen wie "gerechten Lohn", nachhaltige und klimaneutrale Bildungsprojekte. Benno Elbs erzählt außerdem über seine Erfahrungen während des sogenannten Lockdowns. Diese Zeit hat er bei seiner Mutter verbracht. Angesichts der Coronavirus-Pandemie ist auch sein jüngstes Buch erschienen. In "Werft Eure Zuversicht nicht weg" (Verlag Tyrolia) möchte Elbs ein "Zuversichts-Trainingscamp" anbieten und erläutert die "Grundnahrungsmittel" - wie er es nennt - der Zuversicht: Zuwendung, Zeit, Zärtlichkeit. Elbs hat in den 1980er Jahren Theologie und Psychologie studiert, er ist ausgebildeter Psychotherapeut. Am 16. Oktober feiert er seinen 60. Geburtstag. Im Hinblick darauf ist für Elbs "Dankbarkeit" - in Anlehnung an den Benediktinermönch David Steindl-Rast - ein besonders wichtiges Thema. Interview: Sandra Szabo. "Das ganze Interview" mit Bischof Benno Elbs ist am Sonntag, dem 18. Oktober, ab 9.45 Uhr in ORF III zu sehen. Ethikunterricht: Vom Schulversuch zum Regelbetrieb: Es ist keine unendliche Geschichte, aber doch etwas, das vielen über Jahre hinweg Geduld abverlangt hat: Die Einführung des Ethikunterrichts als "Regelschulbetrieb" in Österreich. Seit 23 Jahren gibt es nun den Schulversuch Ethik als verpflichtende Alternative zum Religionsunterricht an mittlerweile rund 230 Schulen. Man wollte auf eine sich ändernde, pluraler werdende Gesellschaft reagieren. Kinder und Jugendliche ohne religiöses Bekenntnis oder Bindung zu einer Glaubensgemeinschaft sollten statt Religion keine Freistunde haben, sondern den Ethikunterricht besuchen, vorerst im Testbetrieb. Im November soll es nun dafür, nach mehr als zwei Jahrzehnten, die gesetzliche Verankerung im Parlament geben. Ab dem Schuljahr 2021/22 soll dann Ethik, beginnend mit der 9. Schulstufe - und jährlich um einen Jahrgang erweitert - als Regelschulbetrieb etabliert werden, so der Plan der Regierungsparteien. Warum es so lange gedauert hat: Verschiedene Modelle wurden begutachtet und diskutiert und bis heute verstummen die Diskussionen dazu nicht. So fordert etwa die Initiative "Ethik für alle" nach wie vor eine verpflichtende Einführung eines Fachs Ethik für alle Schülerinnen und Schüler. Aber auch innerhalb der Religionsgemeinschaften ist man sich nicht ganz einig, wie sich ein alternativer Ethikunterricht auf den Religionsunterricht auswirken wird. Der langjährige Schulversuch offenbart jedenfalls keinen eindeutigen Trend, sondern zeigt von Schule zu Schule sehr unterschiedliche Auswirkungen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 13.10.2020 um 09:30 Uhr auf ORF 3.