Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

Pyramiden aus zwei Kontinenten - Tikal (Guatemala) und Memphis (Ägypten)

Quelle: Pressebild
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Als die Spanier im 16. Jahrhundert auf ihren Eroberungszügen durch Amerika die Regenwälder von Peten im heutigen Guatemala durchquerten, stießen sie auf gespenstische Kulissen. Riesige Pyramiden, weitläufige Plätze, gewaltige Paläste, alles überwuchert von tropischer Vegetation - sie standen vor den Toren Tikals, der ehemaligen Metropole der sagenumwobenen Maya...
In Ägypten fand die Epoche der Pyramidenbauten ihren Höhepunkt in den großen Pyramiden von Giseh.
Heute, mehr als 2.500 Jahre später, existiert von den sieben Weltwundern nur noch eines - die Pyramiden. Sie werden wohl die Zeiten überdauern.


Als die Spanier im 16. Jahrhundert auf ihren Eroberungszügen durch Amerika die Regenwälder von Peten im heutigen Guatemala durchquerten, stießen sie auf gespenstische Kulissen. Riesige Pyramiden, weitläufige Plätze, gewaltige Paläste, meisterlich gebaut und fein verziert, alles überwuchert von tropischer Vegetation - sie standen vor den Toren Tikals, der ehemaligen Metropole der sagenumwobenen Maya, einer Stadt, die in ihrer Blüte bis zu 80.000 Menschen beherbergte. Im achten Jahrhundert nach Christus wurde Tikal jedoch von der Bevölkerung innerhalb kurzer Zeit verlassen. Was war passiert? Aus dem Rätsel wurde bald ein Mythos, der bis heute die Maya als ein friedliches Volk darstellt, das in enger Verbundenheit mit der Natur gelebt haben soll. Doch die Geschichte der Maya in Tikal war eine andere, wie neue wissenschaftliche Forschungsarbeiten belegen. Es ging um Macht, um Selbstverherrlichung und um Vergöttlichung einer herrschenden Elite, die rücksichtslos ihren Lebensraum ausbeutete. Das Resultat war ein ökologischer Supergau, aber auch eine der bedeutendsten Hochkulturen des Altertums.
Gegenüber der Millionenstadt Kairo erheben sich die berühmtesten Pyramiden der Welt (insgesamt neun), darunter die herausragenden Cheops-, Chefren-, und Mykerionospyramiden, die Grabstätten der gleichnamigen Pharaonen. Als Ägypten um 2900 v. Christus zu einem Großreich vereinigt wurde, wählten die Pharaonen das im südlichen Nildelta gelegene Memphis als Hauptstadt. Die Epoche der Pyramidenbauten, die im Alten Reich einsetzte, fand ihren Höhepunkt schließlich in den großen Pyramiden von Giseh, der Stadt der Toten, heute ein Vorort Kairos. Dreihundert Jahre vor dem Bau der ersten großen Pyramide war in Sakkara die erste Nekropole entstanden und hier hatte der geniale Baumeister Imhotep die erste Pyramide entworfen. Die traditionellen Gräber der Ägypterinnen und Ägypter waren die sogenannten 'Mastabas', rechteckige Gebäude aus Lehm, mit Flachdach und mehreren Räumen. Übereinandergesetzt, entstand eine 69 m hohe Stufenpyramide.
Beim Anblick dieser faszinierenden Monumente stellt sich den Besucherinnen und Besuchern immer wieder die gleiche Frage: Wie war es möglich, die riesigen Steinquader mit den Hilfsmitteln der damaligen Zeit auf solche Höhen zu bewegen? Allein für die 146 m hohe Cheopspyramide, deren Seiten jeweils eine Fläche von 20.000 Quadratmetern aufweisen, verbauten die Arbeiter 2,3 Millionen Quader, die bis zu drei Tonnen schwer waren. Auch die Wissenschaft rätselt - und streitet bis heute, welche der aufgestellten Thesen über die Bauweise der Ägypter richtig ist. Fest steht lediglich, dass man sich zum Transport der Steinblöcke bereits Hebelwirkung und die schiefe Ebene zunutze machte. Mehr als tausend Jahre später erlebte Ägypten mit den Ramses-Pharaonen noch einmal eine große Zeit, auch wenn Memphis schließlich seine Bedeutung verlor. Dann kamen die Griechen als neue Herrscher und priesen die Pyramiden als eines der sieben Weltwunder. Heute, mehr als 2.500 Jahre später, existiert von den sieben Weltwundern nur noch eines - die Pyramiden. Sie werden wohl die Zeiten überdauern.
Filme von Markus Vetter und Ralph Ströhle
04.07.2006 3sat

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 27.09.2020 um 06:00 Uhr auf SWR.