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Länder-Menschen-Abenteuer

Mythos Gotthard - Pass der Pioniere
Donnerstag, 09.07.2020 11:05 Uhr
BR
Donnerstag
09.07.2020
11:05 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Der Gotthard zählt zu den wichtigsten Alpenübergängen Europas. Wo einst ein kleiner Pfad über das Hochgebirge führte, verläuft nun der längste Eisenbahntunnel der Welt.

Einst überquerten Händler und Pilger den Pass zu Fuß. Rund 30 Stunden brauchten sie für die Reise von Flüelen im Norden bis Bellinzona im Süden. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Gotthard mit dem Bau einer Straße auch für Kutschen befahrbar.

Pferdegespanne der Gotthardpost verbanden erstmals die Menschen im Norden und im Süden mit täglichem Postverkehr. Heute dürfen Kutschen den Pass nur noch im Sommer überqueren.

Mitte des 19. Jahrhunderts beschließt die Schweiz den Bau einer Eisenbahnstrecke am Gotthard. Ein 15 Kilometer langer Tunnel - damals der längste der Welt - soll in den Berg gesprengt werden. Den Zuschlag erhält der Schweizer Bauunternehmer Louis Favre, der einen riskanten Vertrag unterzeichnet: In nur acht Jahren muss er den Tunnel fertigstellen. Er hinterlegt eine Kaution von acht Millionen Franken. Sie verfällt, falls er die Bauzeit überschreitet. Steinschläge und Wassereinbrüche gefährden den ehrgeizigen Plan sehr bald. Als schließlich der Durchstich erfolgt, ist Favre kurz zu vorher gestorben.

Auch heute kommt es immer wieder zu Steinschlägen am Berg, allerdings entstehen sie immer früher im Jahr. Durch die Klimaerwärmung taut das Eis am Fels und bringt so die Steine ins Rutschen. Filmemacherin Verena Schönauer und ihr Team treffen auf Experten, die mit den unterschiedlichsten Methoden versuchen, die Auswirkungen der steigenden Temperaturen zu mildern und ihre langfristigen Folgen besser vorherzusagen: So soll oberhalb von Andermatt der Gurschengletscher durch eine 10 000 Quadratmeter große Vliesabdeckung vor dem Abschmelzen gerettet werden.

Eine Permafrost-Forscherin untersucht am Gotthard die Auswirkungen der Erderwärmung auf die Stabilität der Berge. Mit diesen Messungen will sie vor allem große Bergstürze, die ganze Dörfer verwüsten können, besser vorhersagen können. Im Permafrost vermuten Forscher unbekannte Mikroorganismen, die möglicherweise seit Tausenden von Jahren dort eingeschlossen sind. Mit dem Wasser der hier entspringenden Flüsse Reuss und Ticino sowie den beiden Strömen Rhein und Rhone könnten sie in weit entfernte Ökosysteme vordringen.

Das Filmteam ist auch dabei, als ein Mikrobiologe erstmals Proben aus dem Permafrost am Gotthard entnimmt. Im Labor will er untersuchen, ob diese möglicherweise Krankheiten auslösen oder Fortschritte in der Biotechnologie bringen könnten.

Filmemacherin Verena Schönauer begibt sich mit ihrem Film auf eine Spurensuche nach den unbekannten Seiten des Gotthards. Die Bilder des preisgekrönten Kameramanns Thomas Riedelsheimer zeigen die außergewöhnliche Schönheit der alpinen Gebirgslandschaft. Spektakuläre Drohnenaufnahmen ermöglichen zudem eine bisher unbekannte Perspektive. Und nicht zuletzt ist es auch die Musik des vielfach ausgezeichneten Komponisten Fabian Römer, die die Reise über den Gotthard zu einem beeindruckenden Filmabenteuer werden lässt. Ein Film von Verena Schönauer
Erstsendung 9.12.2018

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 09.07.2020 um 11:05 Uhr auf BR.