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Länder - Menschen - Abenteuer

Auf dem Ob durch Russland - Mit dem Schiff nach Novosibirsk
Donnerstag, 28.05.2020 20:15 Uhr
NDR
Donnerstag
28.05.2020
20:15 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Sibirien hat viele Gesichter. Aber das als unwirtlich beschriebene Land wird selten verbunden mit einem der bedeutendsten Opernhäuser Russlands, mit reichen Öl- und Gasregionen, Luxus und Wohlstand. Und auch die Wissenschaft muss den Vergleich mit westlichen Forschungseinrichtungen nicht scheuen.

Die Reise auf dem Ob an Bord eines Schiffes beginnt in Salechard. Hier holen Öl- und Gasarbeiter den Reichtum Sibiriens aus dem Boden. Die Arbeiter kommen aus dem 3.000 Kilometer entfernten Wolgograd oder aus Weißrussland. Sie leben zwei Monate lang in engen Bauwaggons, bevor es wieder nach Hause geht. Man verdient hier besser, erzählen sie. Und irgendwie muss die Eigentumswohnung ja abbezahlt werden.

* Russischer Umweltschutz
Inzwischen ist man aber auch in Russland überzeugt, dass die Umwelt geschützt werden muss. Seit zehn Jahren gibt es eine staatliche Naturaufsicht, die Ölverschmutzungen und lecke Leitungen mithilfe von Helikopterkameras aufspürt und die Verursacher zur Kasse bittet.

* Eine Deutsche auf Erinnerungsreise
An Bord des Schiffes sind Deutsche auf Expeditionsreise. Das Schiff hält in Berjosovo, einem Städtchen mit einer schönen golden glänzenden Kirche. Fürst Menschikow, Günstling von Peter dem Großen, fiel nach dessen Tod in Ungnade und wurde nach Berjosovo verbannt. Er ließ die Kirche errichten. An der Spitze ein Engel, der dem Engel auf der St. Petersburger Peter-und Paul-Festung nachgebildet ist. Ausdruck der Sehnsucht des Fürsten nach der Zivilisation, in die er nie zurückkehren durfte. Er starb in Berjosovo.

* Deutsch-Russische Freundschaft
Das Schiff landet in Tomsk an: Das Filmteam wird von vielen Russen angesprochen. Sie haben in der DDR gedient, in Wünsdorf, Fürstenwalde und Neuruppin. Schön sei es gewesen und so sauber, schwärmen sie. Und manchmal hatte diese Freundschaft unerwartete Folgen. Irinas Mann war in Neuruppin als russischer Offizier stationiert. Sie freundete sich mit Klaus und Hannelore an, die die Speisegaststätte in Neuruppin führten. Als sie mit ihrem Mann in den turbulenten 1990er-Jahren nach Russland zurückkehrte, hielt die Freundschaft.

* Nowosibirsk - ein Zentrum der Wissenschaft
Das Schiff kehrt an den Unterlauf des Ob zurück in die Stadt Nowosibirsk, drittgrößte Stadt Russlands. Mächtige Brücken überspannen dort den Fluss. Am Ufer des gestauten Ob liegt Akademgorodok, ein Zentrum der Wissenschaft. Hier wurden schon in den 1950er-Jahren Getreidesorten entwickelt, die im kurzen sibirischen Sommer reifen. Berühmtberüchtigt wurde das Städtchen Ende der 1990er-Jahre, als renommierte Physiker ins Ausland gingen und ihr Wissen auch in sogenannten Schurkenstaaten vermarkteten, weil der russische Staat ihre Löhne nicht mehr zahlte. Eine Erklärung für den Erfolg des iranischen Atomprogramms habe mit dem Exodus der sibirischen Wissenschaftler zu tun, heißt es hier, aber diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen werden die Institute wieder gut ausgestattet.

* Familienleben in Russland
Margarita Romanenko ist Mikrobiologin und hat eine acht Monate alte Tochter. Trotz Elternzeit betreut sie die Studierenden weiter. Ihr Mann hilft und räumt freimütig ein, er sei eine Ausnahme. Die meisten russischen Männer finden, Kinder seien Frauensache oder die der Großmütter.

Tänzerin und Primaballerina, Olga Grischenkova lacht. Sie habe sich nie zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen, erzählt sie und dass sie schon sechs Monate nach der Geburt ihrer Tochter wieder auf der Bühne stand. Das große Opern- und Balletttheater Nowosibirsk braucht den Vergleich mit Moskau und St. Petersburg nicht scheuen.

Die Zukunft kann also kommen. Für Russland liegt sie in den entlegenen Weiten Sibiriens. Das haben übrigens schon die Zaren so gesehen.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 28.05.2020 um 20:15 Uhr auf NDR.