ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

phoenix history

Die erste und letzte freie Volkskammer der DDR
Samstag, 04.04.2020 10:00 Uhr
phoenix
Samstag
04.04.2020
10:00 Uhr
Teilen:
Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Darin enthalten die Dokumentationen:

* Grenzenlos: Das Jahr 1989
Der 4. November ´89 ist ein grauer Tag, Nieselregen über Ostberlin. Am Alexanderplatz haben sich eine halbe Million Menschen versammelt, um der Führung der DDR zu sagen: Wir sind das Volk! Die Demonstranten fordern freie Wahlen und das Ende der Diktatur der SED. Hunderttausendfache Hoffnung, Selbstbewusstsein, Anspruch auf Veränderung. Noch Wochen zuvor wäre die Demonstration als staatsfeindliche Zusammenrottung eingestuft worden. Es ist ein diszipliniertes Aufbegehren, eine "friedliche Revolution". Diementation von Gabriele Denecke erzählt Geschichten aus dem Jahr 1989, von einem Jahr des Aufbruchs und des Umbruchs. Nach den letzten Republikfluchten, den Wahlfälschungen, dem Lavieren und dem Rücktritt der Regierung, steht die Mauer im Herbst, nach 28 langen Jahren, plötzlich offen. Was bedeuten diese Tage im Herbst und dieses Jahr im Leben jedes Einzelnen. Wie hat das Jahr 1989 sie verändert, wie ihren Blick auf das Land DDR und auf sich selbst beeinflusst?

Ein Film von Gabriele Denecke

* Geheimpost an den Westen: Widerstand im DDR-Strafvollzug
Über den Strafvollzug in der DDR wurde bis 1989 der Mantel des Schweigens gelegt. Die überfüllten Strafanstalten waren ein unangenehmes Thema für den Arbeiter- und Bauernstaat, und politische Gefangene gab es offiziell auch nicht. Tobias Wunschik, ehemaliger Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde hat die Bedingungen in der Haftanstalt Brandenburg-Görden in einem Buch umfassend aufgearbeitet. Bei seinen Recherchen bekam er ein Schachbrett geschenkt, das in der Haftanstalt gefertigt wurde und das geheime Nachrichten von Gefangenen an den Westen enthalten soll.
phoenix begleitet die Enthüllung der Botschaften und dokumentiert die Öffnung des Schachbretts durch die Restaurierungsabteilung des Hauses der Geschichte.

In den 50er Jahren machten die politischen Gefangenen fast mehr als die Hälfte der Insassen aus. Während draußen vom Politbüro "Friede, Freundschaft, Solidarität" propagiert wurde, wurden sie hinter den Knastmauern von Brandenburg-Görden gelebt. In den 50er Jahren formierte sich dort eine Widerstandsgruppe, die es schaffte, Informationsketten innerhalb der Haftanstalt aufzubauen und Informationen nach draußen zu schleusen. Ihnen gelang sogar die Kontaktaufnahme mit dem Kanzleramt in Bonn. Auf diese Weise verschafften sie den politischen Gefangenen Hafterleichterungen und haben möglicherweise am Ende sogar den Freikauf durch den Westen in Gang gesetzt.

Einer der Häftlinge, der 1964 freigekauft wurde, ist Thomas Ammer. An seiner Geschichte wird die Brutalität und Willkür der DDR besonders deutlich. Er gehörte dem Eisenberger Kreis an, einer Jugendoppositionsgruppe, die sich in der Tradition der Nazi-Widerstandsgruppe "Die Weiße Rose" sah. Mit Flugblättern trat der Eisenberger Kreis für freie Wahlen in der jungen Republik ein. 1958 wird Ammer im Alter von 21 Jahren verhaftet und zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Sein damaliger Anwalt sei dabei chancenlos gewesen, wie Ammer schildert: "Man durfte auch nicht über die Straftat sprechen, sondern nur über die Dinge, die außerhalb der Straftat lagen, zum Beispiel die Abwicklung des Mietverhältnisses oder so."

Das Ehepaar Sternheimer machte ähnliche Erfahrungen. Beide werden 1962 nach einem missglückten Fluchtversuch verurteilt. Renate Sternheimer kommt ins Frauengefängnis Hoheneck und Wolfdieter Sternheimer verbringt zwei Jahre in Brandenburg-Görden. Von der Widerstandsgruppe erfährt Wolfdieter Sternheimer erst spät: "Ich hab mit denen nach und nach immer mehr Kontakte gehabt, die haben mich mehr und mehr einbezogen, ohne viele Worte habe ich Informationen gekriegt, aber ich war nicht Mitglied und bin mir ganz sicher, dass viele der Mitglieder das nicht wussten." Die Köpfe der Gruppe leben heute nicht mehr. Willi Brundert gilt als ihr Begründer. Er organisierte sich bereits im Widerstand gegen die Nazis und machte sich nach seiner Flucht in den Westen als Bürgermeister von Frankfurt einen Namen. Über seinen Widerstand im Osten hat er bis zu seinem Tod 1970 geschwiegen, nicht mal seine Tochter Ingrid Prinz wusste etwas über die Widerstandsgruppe in der Haftanstalt Brandenburg-Görden. Ein Schweigekartell, um andere politische Gefangene nicht zu gefährden.

Die bis heute verborgenen Geschichten werden durch die Dokumentation ans Tageslicht gebracht. Während die Restaurierungsabteilung des Hauses der Geschichte den Inhalt des Schachbrettes nach und nach freilegt, werden in der Dokumentation die Schicksale und Motive der heute noch Lebenden mit den Botschaften von damals verbunden.

* Der Beitritt: Die letzte Regierung der DDR
Die Dokumentation schildert einen der spannendsten Abschnitte der jüngeren deutschen Zeitgeschichte aus der Sicht der damals politisch Verantwortlichen und Akteure.

Knapp 200 Tage regiert das einzige demokratisch legitimierte Kabinett der DDR unter Lothar de Maizière - bis zum 2. Oktober 1990. Es ist eine Zeit ungeheurer Dynamik, die eine Arbeit unter stetigem Zeitdruck und sich ständig verändernden Bedingungen erfordert.
In der Dokumentation wird aus der individuellen Sicht der Minister, der Staatssekretäre, der Oppositionsführer und ihrer Sprecher erzählt. Im Fokus stehen die damaligen Motivationen und die persönliche Situation der Regierungsmitglieder in den Monaten des Umbruchs. Ausgangspunkt ist der 18. März 1990, an dem die erste und einzige freie Wahl zur DDR-Volkskammer stattfand

Film von Rainer Burmeister und Hans Sparschuh

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 04.04.2020 um 10:00 Uhr auf phoenix.