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Pipeline contra Rentiere - Nordstream 2 und die Folgen

Quelle: Pressebild
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Bovanenkovo in Russland ist das fünftgrößte Erdgasfeld der Welt. Der Betreiber Gazprom beliefert Westeuropa und baut an der umstrittenen Pipeline Nord Stream 2. Durch die vielen Röhren in Bovanenkovo fließt mit großer Geschwindigkeit und lautem Geräusch das "blaue Gold der Tundra", wie das Gas hier genannt wird. Ein sicherer Devisenbringer für die russische Regierung. Kameras sind hier normalerweise unerwünscht.
Der Film begleitet den Gazprom-Schlosser Sergej und den Rentier-Hirten Majko. Beide führen ein Leben, das unterschiedlicher kaum sein könnte.


Die Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Europa erhitzt die Gemüter: Bedeutet sie totale Abhängigkeit von Russland oder künftig einfach mehr Zuverlässigkeit für Gaskunden in Deutschland und Frankreich?

Auch in Russland ist das Projekt vor allem aus Umweltschutzgründen umstritten. Am Polarkreis liegt das Gasfeld Bovanenkovo, das der russische Energiekonzern Gazprom betreibt. Von hier aus wird ab November 2019 ein großer Teil der Liefermenge in die Rohrleitung eingespeist. Die Trasse verläuft zunächst oberirdisch, dann ab Wyborg in Russland bis nach Lubmin im Nordosten Deutschlands auf dem Grund der Ostsee, insgesamt ist sie mehr als 1.200 Kilometer lang.

Sergej Povetkin arbeitet seit zehn Jahren auf dem Bovanenkovo-Vorkommen, das bringt ihm und seiner Familie gutes Geld. Der 50-Jährige arbeitet 30 Tage am Stück, jeden Tag bis zu zwölf Stunden, und sorgt dafür, Lecks zu schließen oder gefährliche Situationen zu meistern. Seine Arbeit ist riskant. Dann darf er sich einen Monat lang zu Hause bei seiner Familie in Ufa westlich des Urals ausruhen, bis alles wieder von vorn beginnt, mehrere Flugstunden von seiner Heimat entfernt. Für diesen Film durfte erstmals ein Kamerateam den Alltag der Gazprom-Mitarbeitenden auf dem Gasfeld detailliert dokumentieren.

Der Arbeitstag von Majko Seroetto sieht hingegen ganz anders aus: Der 46-Jährige ist seit 25 Jahren Hirte in der sibirischen Tundra. Den Bau der Gaspipeline empfinden er und seine Familie als Bedrohung. Die Zerstörung ihres Lebensraumes aufgrund der exzessiven Erschließung durch Gazprom erschwert ihnen ihre Arbeit und den Erhalt ihrer Tradition immens. Wenn sie mit ihren Rentieren im Sommer gen Karasee wandern, müssen sie Eisenbahngleise oder Pipelines überqueren. Die Ausbeutung der Gasquellen raubt den Rentieren ihren Lebensraum, beklagen Majko und seine Familie. Sie verlieren immer häufiger Tiere, da es ihnen an Nahrung mangelt. Für sie bedeutet die Pipeline Nord Stream 2 keineswegs Fortschritt, sondern vielmehr eine existenzielle Gefahr für die eigene kulturelle Identität.

Der Film zeigt den Alltag von Gegnern und Befürwortern der Gasleitung, ihre ganz persönlichen Emotionen und macht deutlich, welche enormen Auswirkungen dieses Jahrhundertprojekt schon vor der Inbetriebnahme mit sich bringt.

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 15.02.2020 um 12:45 Uhr auf Radio Bremen TV.