

Die SPD befinde sich in einer sehr schwierigen Lage. "Der SPD-Parteitag ähnelte doch sehr einem der Grünen in den achtziger Jahre. Ich konnte da nur den Kopf schütteln", meinte Fischer. Auch die neu Parteispitze der SPD und die Debatten der Sozialdemokraten auf dem Konvent überzeugten den früheren Minister nicht. "Sie führen eine Diskussion in einer parteiinternen Blase." Er mache sich Sorgen über den Zustand der SPD, "weil sie in unserer Demokratie immer eine wichtige Rolle gespielt hat".
Die AfD ist für Fischer ein schweres Übel. "Ich verstehe nicht, wie man AfD wählen kann, wenn man sieht, was der Nationalsozialismus uns angetan hat und was er an Zerstörung und moralischem Niedergang gebracht hat." Dennoch werde die AfD keinesfalls mehrheitsfähig, weil sich die CDU zum rechten Rand abgrenze. "Die CDU würde politischen Selbstmord begehen, wenn sie mit der AfD koalieren würde, weil in der AfD rechtsextreme, rechtsradikale, ja nazistische Elemente sind." Den Grünen stellte Fischer ein gutes Zeugnis aus. "Die Partei hat sich sehr verändert. Es ist eine neue Generation hinzugekommen, die nicht durch den Realo-Fundi-Streit belastet gewesen ist", sagte Fischer. Lob hatte Fischer auch für die grüne Doppelspitze Annalena Baerbock und Robert Habeck. "Ich finde, sie machen es hervorragend. Da gibt es wenig bis gar nichts zu kritisieren."
Fischer verteidigte im Übrigen die Agenda 2010. "Sie war richtig und notwendig, es musste gehandelt werden." Aufgrund von fünf Millionen Arbeitslosen sei der Bundeshaushalt damals beinahe aus dem Ruder gelaufen. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft habe auf dem Spiel gestanden. Er gab zu, dass die Kürzung von Leistungen damals jeden in der rot-grünen Regierung auch persönlich belastet haben. "Wir alle hätten uns das gerne erspart", so der Grünen-Politiker, der von 1998 bis 2005 in der rot-grünen Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder Außenminister und Vizekanzler war. In "phoenix persönlich" stellt sich eine Persönlichkeit mit interessanter Vita aus Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft oder Politik den Fragen der Gastgeber Michael Krons, Inga Kühn und Alfred Schier, die die Sendung im Wechsel moderieren. Ganz auf die Person konzentriert, steht "phoenix persönlich" für ein intensives Gespräch über Hintergründe, Lebensentwürfe und Erfahrungen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 22.12.2019 um 13:00 Uhr auf phoenix.